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Botulismus

Englisch: botulism

1 Definition

Als Botulismus wird der nach einer Intoxikation mit Botulinumtoxin auftretende Symptomkomplex bezeichnet.

2 Pathogenese

Der Botulismus tritt im Allgemeinen nach Verzehr Botulinumtoxin-haltiger Nahrungsmittel auf und ist nicht auf eine Infektion des Organismus mit Clostridium botulinum zurückzuführen. Ein Botulismus kann jedoch auch als Wundbotulismus nach Wundinfektion oder als Säuglingsbotulismus nach Besiedlung des Gastrointestinaltraktes durch Clostridium botulinum auftreten.

3 Toxikologie

Botulinumtoxin ist ein extrem giftiges Neurotoxin, von dem bisher 7 Subtypen identifiziert wurden. Nach Endozytose des Toxins in die Nervenendigung kommt es zur Spaltung von

Jeder dieser Prozesse hat zur Folge, dass synaptische Vesikel, die Acetylcholin enthalten, nicht mehr mit der Membran verschmelzen können und der Neurotransmitter den synaptischen Spalt nicht erreicht. Die neuro-muskuläre Übertragung wird somit unterbrochen.

4 Epidemiologie

Der Botulismus tritt in Form kleiner Epidemien oder als Einzelerkrankung auf. Dabei spielen als Ursache vor allem der Verzehr fehlerhaft haltbar gemachter Konserven und Fleischprodukte eine Rolle. Unter Luftabschluss (anaerob) und Nahrungsangebot in Form der kontaminierten Nahrungsmittel wächst Clostridium botulinum außerordentlich gut und produziert schädlich hohe Mengen des Toxins.

Der Botulismus ist meldepflichtig. Im Sinne der Prävention sollte die Quelle des Botulinumtoxins ausfindig gemacht werden. Dadurch können möglicherweise fehlerhaft hergestellte und kontaminierte Lebensmittel rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden.

5 Klinik

Die Intoxikation mit Botulinumtoxin beginnt in der Regel unspezifisch mit Nausea, Erbrechen, Diarrhoe und Schwindel. Nach einer Latenz von 12-36 Stunden werden diese Frühsymptome durch spezifische Spätsymptome abgelöst:

Die neurologischen Symptome beginnen meistens mit Lähmungen der Augenmuskeln (Doppelbilder, Akkomodationsstörungen). Durch Lähmung weiterer Hirnnerven und Übergreifen kommt es zu weiteren Symptomen. Lebensgefahr besteht vor allem bei der Affektion peripherer Nerven mit Atemlähmung.

6 Therapie

Im Vordergrund steht die symptomatische Therapie der Lähmungserscheinungen mit intensivmedizinischer Überwachung und Stützung der Vitalfunktionen (Herzschrittmacher, Harnableitung etc.) und maschineller Beatmung. Zirkulierende Toxine können durch Verabreichung eines Antitoxins neutralisiert werden.

Der Nachweis des Botulinumtoxins kann aus Körperflüssigkeiten und verdächtigen Lebensmitteln erfolgen. Dabei werden die Toxine indirekt durch einen standardisierten Tierversuch nachgewiesen.

Besteht Verdacht auf eine echte Infektion des Organismus mit Clostridium botulinum, sollte mit der hochdosierten Gabe eines wirksamen Antibiotikums (z.B. Penicillin G, Metronidazol) die Elimination der Bakterien und damit ein Sistieren der Toxinproduktion angestrebt werden.

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