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Eisenvergiftung

Synonym: Eisenintoxikation
Englisch: iron poisoning

1 Definition

Unter einer Eisenvergiftung versteht man eine übermäßige orale oder parenterale Zufuhr von Eisen - über die physiologisch verkraftbare Menge hinaus.

Entsteht der Eisenüberschuss durch Akkumulation auf der Basis von wiederholten Bluttransfusionen oder hämolytischen Anämien spricht man von einer Eisenüberladung.

2 Ursachen

3 Pharmakologie

Die letale Dosis (LD50) von Eisensalzen wird bei oraler Aufnahme zwischen 180 und 630 mg/kg Körpergewicht angegeben (Tiermodell). Diese Angaben lassen sich aber nur bedingt auf den Menschen übertragen.

Auf die Blutplasmakonzentration bezogen, gelten Werte von 350-500 µg/dl als toxisch, Werte über 1.000 µg/dl als Zeichen einer schweren Eisenvergiftung.

4 Symptome

Die Frühymptome einer akuten Eisenintoxikation werden durch die hämorrhagische Gastroenteritis bestimmt. Dazu zählen u.a.:

Im weiteren Verlauf kommt es zu Bewusstseinsstörungen, Schock, Krämpfen, Fieber, Gerinnungsstörungen und metabolischer Azidose.

Mögliche Komplikationen sind Hirnödem, Herzinsuffizienz, toxische Hepatitis mit Leberversagen und Nierentubulus-Nekrose.

Als Spätfolge kann es nach 2–5 Wochen zur Obstruktion des Magens oder Duodenums infolge der einsetzenden Narbenbildung kommen.

5 Diagnostik

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da die Eisenvergiftung einen rasch progredienten Verlauf zeigt.

5.1 Anamnese

  • Wurden Eisenpräparate eingenommen oder bestand Zugang zu ihnen?

Kinder können Eisentabletten aufgrund ihres Aussehens mit Bonbons verwechseln. Von der Mutter während einer Schwangerschaft eingenommene Multivitamin- oder Eisenpräparate sind eine der häufigsten Ursachen für Eisenintoxikationen bei Kindern.

5.2 Labor

5.3 Bildgebung

6 Therapie

Es ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. In leichten Fällen ohne Erbrechen kann die Gabe von Milch oder rohen Eiern sinnvoll sein, weil dadurch Eisenkomplexe gebildet werden, welche die Resorption verzögern.

Wenn im Röntgenbild röntgendichte Tabletten sichtbar sind, wird eine Darmspülung mit Polyethylenglykol in einer Dosis von 1–2 l/h (Erwachsene) oder 25–40 ml/kgKG/h (Kinder) durchgeführt. Dafür kann Nasensonde notwendig sein. Eine Magenspülung (z.B. mit 1%iger Natriumhydrogencarbonat-Lösung) ist in der Regel nicht ausreichend, effektiver ist ein induziertes Erbrechen. Aktivkohle bindet Eisen nicht ausreichend und ist nur dann induziert, wenn gleichzeitig andere toxische Substanzen eingenommen wurden.

Bei schweren Vergiftungen wird Deferoxamin parenteral als Antidot verabreicht. Der Wirkstoff wird mit maximal 6 g/Tag und einer Infusionsgeschwindigkeit von bis zu 15 mg/kgKG/h gegeben. Ein ggf. auftretender Schock muss intensivmedizinisch behandelt werden.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Fachgebiete: Toxikologie

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