Synonym: Bleiintoxikation, Plumbismus, Saturnismus
Englisch: lead intoxication
Eine Bleivergiftung ist eine akute oder chronische Erkrankung, die durch Aufnahme des toxischen Schwermetalls Blei entsteht.
Eine Bleivergiftung entsteht durch die Aufnahme von Blei über den Gastrointestinaltrakt, per Inhalation oder über die Haut (transkutan), u.a. durch
Blei schädigt verschiedene Organsysteme des menschlichen Körpers, unter anderem
Die Wirkung hängt von der Höhe der Bleikonzentration im Blut ab. Im Tierversuch zeigt Blei darüber hinaus eine kanzerogene Wirkung. Schwere akute Vergiftungen führen zum Koma und können in einen Tod durch Kreislaufversagen münden.
Gemäß den Empfehlungen der WHO sollte der Blutbleispiegel (biologischer Grenzwert), den Wert von 100 µg/l nicht überschreiten. Der biologische Grenzwert liegt bei erwachsenen Männern bei 400 µg/l, bei Frauen unter 45 bei 300 µg/l. Vergiftungserscheinungen durch chronische Bleibelastung treten beim Erwachsenen ab einem Wert von etwa 500 µg/l auf. Erkrankungen durch Blei können als Berufskrankheit anerkannt werden.
Aufgenommenes Blei gelangt zunächst in das Blut, wo es sich zu 95% an Erythrozyten bzw. Plasmaproteine bindet. Von hier aus verteilt es sich in den verschiedenen Weichgeweben (z.B. Leber, Lunge, Gehirn) und hat dort eine Halbwertzeit von rund 20 Tagen. Das Blei aus den Weichgeweben wird zu einem Teil ausgeschieden, zum anderen Teil als Bleiphosphat in Knochen und Zähnen eingelagert. Hier hat Blei eine sehr lange Halbwertzeit, die - abhängig vom Knochenturnover - zwischen 5 und 20 Jahren liegt. Dadurch kann es auch ohne Bleizufuhr von außen zum Anstieg des Blutbleispiegels kommen, wenn in größerem Umfang Knochensubstanz abgebaut wird, z.B. bei Therapie mit Glukokortikoiden oder Immobilisation.
Blei ist plazentagängig und kann daher von der Mutter auf den Embryo bzw. den Fetus übergehen und ihn schädigen.
Nach der Dauer der Exposition unterscheidet man eine akute und chronische Form der Bleivergiftung.
Bei akuter Vergiftung treten folgende Symptome auf:
Zu den typischen Folgen der chronischen Exposition zählen:
Neben den typischen klinischen Symptomen und der Anamnese der Patienten liefern eine basophile Tüpfelung der Erythrozyten (als Zeichen einer Erythropoese-Störung) und der Nachweis einer erhöhten Ausscheidung von Delta-Aminolävulinsäure wichtige Hinweise für die Diagnosefindung. Blei behindert den Abbau der Delta-Aminolävulinsäure und erhöht somit deren Ausscheidung. Es ist allerdings zu bedenken, dass die Delta-Aminolävulinsäure im Urin erst ansteigt, wenn das freie, nicht an Plasmaproteine gebundene Blei massiv erhöht ist.
Die Bleikonzentration im Blut sollte 100 Mikrogramm/Liter nicht überschreiten, die Blei-Konzentration im Urin sollte nicht höher als 10 Mikrogramm/Liter sein.
Therapeutisch stehen Komplexbildner wie Penicillamin oder Äthylendiamintetraessigsäure (Na2CaEDTA) zur Verfügung.
Der Bleiwert kann aus arbeitsmedizinischen Gründen zur Überwachung exponierter Personen, aber auch aus diagnostischen Gründen im Rahmen einer akuten Vergiftung oder einer chronischen Intoxikation bestimmt werden.
Die Bestimmung des Bleiwertes kann in 4 ml Heparin- oder EDTA-Blut bzw. in 50 ml vom 24h-Urin erfolgen.
Klientel | Wert [µg/dl] | Bewertung |
---|---|---|
Frauen < 45 Jahre | < 10 | unbelastet |
Kinder | 10-30 | Kontrolle empfohlen, bei Ergebnis-Bestätigung geringe, klinisch nicht bedeutsame Belastung anzunehmen |
30 | BGW | |
> 30 | klinisch bedeutsame Belastung möglich, weitere Abklärung | |
> 100 | potentiell toxischer Bereich, weitere Abklärung | |
Frauen > 45 Jahre | < 20 | unbelastet |
Männer | 20-40 | Kontrolle empfohlen, bei Ergebnis-Bestätigung geringe, klinisch nicht bedeutsame Belastung anzunehmen |
40 | BGW | |
> 40 | klinisch bedeutsame Belastung möglich, weitere Abklärung | |
> 100 | potentiell toxischer Bereich, weitere Abklärung |
Im Urin gelten für Frauen, Männer und Kinder folgende Grenzwerte:
Wert [µg/dl] | Bewertung |
---|---|
0,3-1,8 | unbelastet |
11 | Biologischer Grenzwert (BGW) |
> 25 | potentiell toxischer Bereich, weitere Abklärung notwendig |
Untersuchung | Befund |
---|---|
Blutbild | |
Delta-Aminolävulinsäure im Urin |
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Koproporphyrin III im Urin |
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Protoporphyrin im (Heparin-)Blut |
|
Bei Arbeitern in der Zink-Galvanik, die Blei-exponiert sind, wurde festgestellt, dass Zink bei Bleibelastungen von 0,49% w/w in der Zinkschmelze die Bleiwerte reduziert. Die Zinkkonzentration im Blut lag bei ca. 800 µg/l, die Bleikonzentration bei ca. 158 µg/l. Daraus könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass bei zinkbelasteten Menschen die Bleibelastung nicht so prävalent ist. Zink induziert Metallothionein, das Blei bindet und ausscheidet. In der Induktion von Metallothionein könnte ein Therapieansatz für Blei- oder andere Schwermetallvergiftungen liegen.
Tags: Blei, Bleivergiftung, Schwermetallvergiftung, T56, Vergiftung
Fachgebiete: Hämatologie, Labormedizin, Toxikologie
Diese Seite wurde zuletzt am 25. Februar 2021 um 14:49 Uhr bearbeitet.
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