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Plazentagängig

1 Definition

Als plazentagängig bezeichnet man Substanzen (z.B. Medikamente), welche die Plazentaschranke passieren können, d.h. über die Plazenta von der Mutter auf das Kind übergehen. Die meisten kleinmolekularen Wirkstoffe sind plazentagängig und damit eine potentielle Gefahr für das ungeborene Kind.

2 Plazentaschranke

Die Plazenta dient der Nährstoffversorgung und Entgiftung des Kindes, schützt es jedoch gleichzeitig vor Schadstoffen. Die Durchgängigkeit von Stoffen durch die Plazentaschranke ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Molekülgröße: Als plazentagängig gelten unter anderem Stoffe mit einer Größe unter 1.000 Dalton. Unter 600 Dalton ist die Plazentagängigkeit gut.
  • Lipophilie: Bei hoher Lipophilie kann eine freie Diffusion durch die Zellmembran stattfinden. Andere Transportsysteme werden also weniger relevant.
  • Säurekonstante: Der pK-Wert eines Arzneistoff hat insofern Einfluss, als dass der pH-Wert des kindlichen Gewebes niedriger ist, als der der Mutter. Saure Substanzen akkumulieren somit also im kindlichen Geweb.
  • Ladung: Die Ladung der Stoffe ist insofern wichtig, als dass hochgeladene Stoffe wie beispielsweise Curarederivate nicht transportiert werden.

3 Beispiele

Plazentagängig Nicht plazentagängig
Paracetamol Insulin
Cumarinderivate Steroidhormone
Antimetabolite Wachstumshormone
Nikotin Heparin
IgG

Tags:

Fachgebiete: Pharmakologie

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Mai 2020 um 22:29 Uhr bearbeitet.

Gast
Wenn der pH-Wert im kindlichen Gewebe niedriger ist, sollten eher basische Arzneistoffe dort akkumulieren. Ein Basischer Arzneistoff liegt im saureren pH zu einem größeren Anteil in seiner protonierten, also geladenen, Form vor. Da ein Stoff die Plazentaschranke besser passiert wenn er ungeladen vorliegt, kommt es in der Folge zur Akkumulation des protonierten, basischen Arzneistoffs im Kind. Saure Arzneistoffe liegen bei einem saureren pH-Wert zu einem größeren Teil in ihrer ungeladenen Form vor. Da es Säuren sind, entspricht der proponierte Zustand hier der ungeladenen. Diese ungeladene Form kann die Plazenta-Schranke gut passieren, wird jedoch auf der mütterlichen Seite (=höherer pH) zu einem größeren Teil deprotoniert, also geladen vorliegen, und kann in dieser Form nicht mehr die Plazenta-Schranke passieren.
#1 am 14.05.2020 von Gast (Student/in der Pharmazie)

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