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Blutgruppe

Englisch: blood type

1 Definition

Das menschliche Blut kann in verschiedene Gruppen, die sogenannten Blutgruppen eingeteilt werden. Diese werden durch unterschiedliche Oberflächenantigene an der Erythrozyten-Membran unterschieden.

2 Blutgruppensysteme

Es sind heute 29 verschiedene Blutgruppensysteme bekannt.[1] Die meisten davon sind für den medizinischen Alltag nicht von Bedeutung, können in speziellen Erkrankungen jedoch wichtig sein. Die zwei wichtigsten sind das AB0-System und das Rhesus-System.

2.1 AB0-System

Das AB0-System ist das wichtigste Hauptmerkmal für Bluttransfusionen. Es beinhaltet die vier Phänotypen A, B, AB und 0, welche jeweils für eine andere Kohlenhydratkette an der Erythrozytenmembran stehen. In Europa ist der häufigste Typ Blutgruppe A (42%), gefolgt von Blutgruppe 0 (37%).

  • Kompatibilität: Im Serum von Personen mit Blutgruppe A finden sich normalerweise Antikörper gegen das B-Antigen und umgekehrt, die sog. Isoagglutinine. Somit kann einer Person mit Blutgruppe A nicht Blut der Gruppe B oder AB (bei Blutgruppe AB sind Kohlenhydratketten A und B gleichzeitig auf der Erythrozytenmembran) übertragen werden und umgekehrt. Bei Blutgruppe 0 fehlen die A- und B-Antigene, so dass jeder Blut der Gruppe 0 empfangen kann. Personen mit Blutgruppe 0 können jedoch selbst nur Blut der eigenen Gruppe empfangen, da sie A- und B-Antikörper besitzen.

2.2 Rhesus-System

Das Rhesus-System besteht aus verschiedenen Rhesus-Untergruppen. In der medizinischen Praxis wird hauptsächlich das Rhesus-D (der Rhesusfaktor) bei Bluttransfusionen beachtet.

Man unterscheidet zwischen "Rhesusfaktor positiv (Rh+)" und "Rhesusfaktor negativ (Rh-)". Erythrozyten die Rhesus-positiv sind besitzen das Rhesus-Antigen (D.) und Erythrozyten die Rhesus- negativ sind besitzen keins (dd). Im genetischen Sinne handelt es sich um eine Mangelmutation, die aber keine klinischen Symptome hat. Aus diesem Grunde gibt es keine Immunisierung gegen d (Anti-d).

Somit kann Rhesus-negatives (dd) Blut ohne das Risiko einer Immunisierung sowohl Rhesus-positiven als auch Rhesus-negativen Empfängern übertragen werden (vorausgesetzt die Blutgruppe des AB0-Systems ist kompatibel), während die Transfusion von Rhesus-positivem Blut auf Rhesus-negative Empfänger vermieden werden sollte, da sie sehr häufig zur Bildung von Anti-D (Rhesussensibilisierung) führt. Deshalb werden Erythrozytenkonzentrate der Blutgruppe 0 Rh neg (D. neg) gern als "Universalblut" verwendet, was zur Knappheit dieser Blutgruppe beiträgt.

Bei dem nicht seltenen Morbus haemolyticus neonatorum kommt es bei einer Rhesus-negativen Schwangeren, welche ein Rhesus-positives Kind trägt, zum Übertritt von Rhesus-Antikörpern durch die Plazenta zum Fötus. Das ungeborene Kind erleidet dadurch eine massive Hämolyse, welche lebensbedrohlich sein kann. Meistens tritt dies jedoch erst in der zweiten Schwangerschaft auf, da bei der Mutter erst nach dem ersten Kontakt mit Rhesus-positivem Blut (was bei der ersten Geburt wahrscheinlich ist) Antikörper gebildet werden. Durch die Gabe einer Anti-D-Prophylaxe an Rhesus-negative Mütter bei der ersten Geburt kann dem vorgebeugt werden.

2.3 Kell-System

Das drittwichtigste Blutgruppensystem ist das Kell-System. Innerhalb dieses Systems gibt es die beiden wichtigsten Antigene K (Kell) und k (Cellano), die kodominant vererbt werden. Daraus resultieren die Genotypen:

  • Kell-negativ (kk)
  • mischerbig Kell-positiv (Kk)
  • reinerbig Kell-positiv (KK)

Mehr als 90% der Menschen sind Kell-negativ. Um keine Antikörperbildung zu induzieren, sollten sie bei Bluttransfusionen nur Kell-negatives Blut erhalten. Etwa 8% sind mischerbig Kell-positiv (Kk). Sie können Blut mit positivem und negativem Kellfaktor erhalten. Etwa 0,4% der Bevölkerung sind reinerbig Kell-positiv (KK) und können daher Anti-k (Cellano) bilden. In der Praxis kommt dies selten vor, vermutlich weil das Antigen k (Cellano) niedrig-immunogen ist. Falls ein Anti-k auftritt, müssen diese Patienten mit KK-Erythrozytenkonzentraten versorgt werden, was ein erhebliches Versorgungsproblem auffwirft.

Die Vererbung der Kell-Eigenschaft ist noch nicht vollständig geklärt. Das Kell-Antigen (K, K1) wird mit dem Cellano (k, K2) zum Kell-Cellano-System (KC-System) zusammen gefasst.

2.4 MNS-System

Das MNS-System ist ein weiteres Blutgruppensystem. Es basiert auf den Genen für die Glykoproteine GYPA, GYPB und GYPE, die dicht beieinander auf Chromosom 4 (4q28-q31) lokalisiert sind. Im MNS-System sind insgesamt 46 unterschiedliche Antigene zusammen gefasst, unter anderem die Antigene M, N, S, s und U. Die Antigene M und N finden sich in Deutschland bei etwa 80% der Bevölkerung. Aus Sicht der Transfusionsmedizin sind die Antigene S und s am wichtigsten.

3 Vererbung von Blutgruppen

Die Vererbung von A- und B-Antigenen findet autosomal-dominant gegenüber dem Faktor 0 statt. Somit hat eine Person mit Blutgruppe A den Genotyp AA oder A0, mit Blutgruppe B den Genotyp BB oder B0, mit Blutgruppe AB den Genotyp AB und mit Blutgruppe 0 den Genotyp 00.

Die Vererbung des Rhesusfaktors D ist dominant-rezessiv. Dies bedeutet, dass der Faktor gegenüber dem Rhesus-negativen Phänotypen dominant ist. Ein Rhesus-positiver Mensch hat demnach den Genotyp Rh+Rh+ oder Rh+Rh- - dies wird in der Schreibweise "D." verdeutlich, wobei der Punkt auf das zweite Allel hinweist - ein Rhesus-negativer Rh-Rh-. das D oder d sein kann.

4 Quellen

  1. Website Blutspendedienst
Warum 29 Blutgruppensysteme? Die ISBT führt offiziell 35 Blutgruppensysteme, es gibt aber deutlich mehr. In der verlinkten Quelle steht, es gäbe über 600 Blutgruppenmerkmale.
#1 am 17.01.2017 von Dr. med. Norbert Ostendorf (Arzt)

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