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Blutgruppenbestimmung

Englisch: blood typing

1 Definition

Bei der Blutgruppenbestimmung werden nach einem festgelegten Untersuchungsgang Blutgruppeneigenschaften des Patienten untersucht. Diese Diagnostik ist in den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Hämotherapie [1] detailliert geregelt.

2 Klinische Bedeutung

Das Basisprogramm der Blutgruppenbestimmung besteht aus der AB0-Blutgruppe und dem Rhesusfaktor (Rhesus-D). Die wesentliche Indikation zur Blutgruppenbestimmung ist die Vorbereitung der Transfusion von Blutprodukten, die blutgruppenkompatibel ausgewählt werden müssen (Erythrozytenkonzentrate, Thrombozytenkonzentrate, Granulozytenkonzentrate, Gerinnungsaktives Plasma). Außerdem ist die Blutgruppenbestimmung Teil der Schwangerschaftsvorsorge. In aller Regel wird zusammen mit der Blutgruppenbestimmung auch ein Antikörpersuchtest durchgeführt.

Die zweite Stufe der Blutgruppenbestimmung umfaßt zusätzlich die Rhesusformel und die Kell-Eigenschaft. Dies ist z. B. notwendig, um für Patienten, die eine längerfristige Transfusionstherapie benötigen, in diesen Systemen kompatible Blutprodukte auswählen zu können.

Darüber hinaus können, vor allem bei der Abklärung von Transfusionsreaktionen, Merkmale aus vielen weiteren Blutgruppensystemen untersucht werden.

Wenn ein Patient im lebensbedrohlichen Notfall eine Transfusion erhält, bevor eine Bestimmung der Blutgruppe möglich ist, sollte vorher eine Blutprobe abgenommen werden, da nach Transfusionen die Bestimmung der Blutgruppeneigenschaften erschwert oder unmöglich ist (Mischblut).

Die Blutgruppenbestimmung mit Antikörpersuchtest sollte bei Patienten, die im weiteren Verlauf möglicherweise eine Erythrozytentransfusion benötigen, möglichst frühzeitig veranlasst werden, um Probleme durch seltene Blutgruppenkonstellationen oder irreguläre erythrozytäre Antikörper vorab zu erkennen (Type and screen-Strategie).

3 Hintergrundinformationen

Die Blutgruppeneigenschaften werden im immunhämatologischen Labor nach einem aufwändigen Algorithmus bestimmt, der Fehler so gut wie unmöglich machen soll (doppelte Untersuchung mit verschiedenen Reagenzien, Doppelbestimmung aus zwei getrennten Blutproben, Bestätigung durch einen zweiten Untersucher nach dem vier-Augen-Prinzip).

Die AB0-Blutgruppe wird z. B. sowohl durch Typisierung der Erythrozyten als auch durch Untersuchung der normalerweise immer vorhandenen Isoagglutinine im Serum (sog. Serumgegenprobe) bestimmt.

Ein Labor darf sich bei der Vorbereitung von Transfusionen nicht auf fremde Blutgruppenbestimmungen verlassen, sondern muss diese Diagnostik selbst erneut durchführen.

Der ABO-Identitätstest (Bedside-Test) ist keine Blutgruppenbestimmung lege artis, sondern dient als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme zum Ausschluß von Verwechslungen.

Die Blutgruppenbestimmung spielte auch bei der Erstellung von Abstammungsgutachten(Vaterschaftstest) und in der Forensik eine wichtige Rolle, wurde hier jedoch weitgehend durch molekulargenetische Verfahren abgelöst.

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