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Arsenintoxikation

Synonym: Arsenvergiftung

1 Definition

Unter der Arsenintoxikation versteht man eine Vergiftung mit Arsen.

2 Vorkommen

Arsen kommt in seiner anorganischen Form in sehr geringen Konzentrationen praktisch überall in der Umwelt vor. Durch Auswaschung von arsenhaltigen Erzen kann Arsen in das Grundwasser gelangen und so unter anderem von Pflanzen (z.B. Reis) aufgenommen werden.

Früher war Arsen Bestandteil zahlreicher Medikamente, so dass medizinale Arsenintoxikationen häufiger vorkamen. Heute enthalten nur noch wenige Medikamente Arsen, so dass diese Art von Intoxikation selten geworden ist.

In der Gegenwart beobachtet man die Arsenintoxikation noch als Berufserkrankung bei der Verarbeitung von arsenhaltigen Erzen und Metallen, sowie im Forst und Obstbau. Vor allem in Bangladesch und Indien treten Arsenintoxikationen häufiger auf, da das aus Brunnen gewonnene Trinkwasser reich an Arsen ist.

Des Weiteren gibt es Fallberichte über die suizidale oder kriminelle Intoxikation mit Arsen.

3 Pathomechanismus

Anorganische Arsenverbindungen, wie etwa Arsenwasserstoff oder Arsen(III)- und Arsen(V)-Verbindungen, reichern sich bei oraler oder inhalativer Aufnahme im gesamten Körper an, vor allem jedoch in Haut und Schleimhäuten. Sie führen so zu einer akuten und chronischen Toxizität.

Arsen(III)-Verbindungen interagieren mit SH-Gruppen von Peptiden des Menschen. Sie bedingen Konformationsänderungen, die bis zum Funktionsverlust der Peptide führen können. Betroffen sind davon zumeist verschiedene Enzyme des zellulären Energiestoffwechsels sowie der DNA-Replikation und DNA-Reparatur.

Weiterhin hat Arsen eine gefäßschädigende (Kapillargift) und kanzerogene Wirkung durch Inaktivierung von Tumorsuppressorgenen.

4 Intoxikation

4.1 Akute Form

Symptome einer akuten Arsenintoxikation treten meist in den ersten 30 Minuten nach Exposition auf.

Die akute Arsenintoxikation imponiert durch eine ausgeprägte Gastroenteritis mit Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe und damit einhergehenden Störungen des Elektrolyhaushaltes.

Weitere Symptome sind: Schleimhautentzündungen, Hämolyse, Nierenversagen, Ödeme sowie ein Volumenmangelschock mit Gefahr eines Herz-Kreislauf-Versagens.

Seltener beobachtet man eine allgemeine Schwäche, Bewusstlosigkeit, Koma und Tod durch eine Atemlähmung. Für diese paralytische Verlaufsform bedarf es großer Mengen an Arsen.

4.2 Chronische Form

Die chronische Intoxikation imponiert vor allem durch Haut- und Nagelveränderungen. An der Haut zeigt sich neben einer Hyperkeratose ggf. eine verstärkte Pigmentierung. Die Nägel sind oft brüchig, dünn und können schwarzbraune Verfärbungen (Arsenmelanose) aufweisen. Charakteristisch sind auch weißliche Striche in Folge von Luftansammlungen im Nagel, die sogenannten Mees-Querbänder. Gelegentlich kommt es auch zu Haarausfall.

Seltener führt die chronische Intoxikation zu Entzündungen der Mundschleimhaut, der Konjunktiva, der Nasenschleimhaut oder des Gastrointestinaltraktes.

In einigen Fällen tritt eine Schädigung der Leber, der Nieren und des Knochenmarks auf. Letztere kann sich durch das Auftreten einer Anämie zeigen. Darüber hinaus kann eine chronische Exposition neurologische Symptome wie Polyneuritis, Muskelatrophie und Paresen hervorrufen.

Mit einer Latenzzeit von 15-20 Jahren kann Arsen auf Grund seiner kanzerogenen Wirkung zu malignen Tumoren der Haut (z.B. Spinaliom, Basaliom), der Leber (z.B. Leberkarzinom) oder der Lunge (z.B. Bronchialkarzinom) führen.

5 Labormedizin

5.1 Material

Für die Untersuchung werden 5 ml Serum, 5 ml EDTA-Blut oder 50 ml Urin benötigt.

5.2 Referenzbereich

  • Serum und EDTA-Blut: < 10 μg/l
  • Urin: < 25 μg/l

5.3 Letale Dosis

Die letale Dosis beträgt 0,15 bis 0,3 g Arsen/kgKG.

5.4 Interpretation

5.4.1 Erhöhte Arsenspiegel

Die Arsenkonzentration ist erhöht bei:

  • beruflicher Exposition bei der Verarbeitung von Erzen und Metallen, im Obstbau und im Forst
  • suizidaler oder krimineller Intoxikation
  • Verzehr von verunreinigtem Trinkwasser

6 Therapie

Die akute Vergiftung muss zum einen symptomatisch, zum anderen mit Chelatbildnern wie DMPS behandelt werden. Bei der chronischen Form ist die Vermeidung einer weiteren Exposition die wichtigste Maßnahme. DMPS ist ebenfalls wirksam.

7 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Februar 2021 um 17:20 Uhr bearbeitet.

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