Leberzirrhose
Synonym: Schrumpfleber
Englisch: cirrhosis, liver cirrhosis
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Eine Leberzirrhose ist ein chronische Erkrankung der Leber, die mit einer Zerstörung der Läppchen- und Gefäßarchitektur durch eine entzündliche Fibrose einhergeht.
Funktionell ist die Leberzirrhose durch Leberinsuffizienz, portale Hypertension bei reduzierter Durchblutung der Leber gekennzeichnet. Es bestehen intrahepatische porto-systemische Shunts.
2 Histologie [bearbeiten]
Das histologische Bild ist unabhängig von der Ätiologie (z.B. Virushepatitis, Alkohol). Es kommt zur Ausbildung von portoportalen und portozentralen Bindegewebssepten und Regeneratknoten.
| Histologische Einteilung | |
|---|---|
| Bezeichnung | Durchmesser der Regeneratknötchen |
| Mikronoduläre Leberzirrhose | bis 3 mm |
| Makronoduläre Leberzirrhose | 3 mm bis 3 cm |
| Gemischtknotige Leberzirrhose | variabel |
3 Statistik [bearbeiten]
Die Inzidenz in westlichen Industrieländern (Europa und USA ) beträgt etwa 250 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Es erkranken etwa doppelt so viele Männer wie Frauen.
4 Einteilung [bearbeiten]
Die Leberzirrhose kann nach ihrem Schweregrad anhand der Child-Pugh-Kriterien differenziert werden.
5 Ätiologie [bearbeiten]
Eine Leberzirrhose kann auf dem Boden verschiedener Grunderkrankungen entstehen. Die häufigsten Ursachen sind:
- Alkoholabusus (ca. 60%)
- Chronische Virushepatitiden (Hepatitis B, C oder D; ca. 30%)
- Andere Ursachen (ca. 10%)
- Autoimmunhepatitis
- primär biliäre Zirrhose (PBC)
- primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
- exogen induzierte Leberschäden
- Medikamente (z.B. Paracetamol)
- Chemikalien
- Stoffwechselerkrankungen
- Kardiale Zirrhose (Chronische Stauungsleber)
- Budd-Chiari-Syndrom
- Tropenerkrankungen
- Bilharziose u.a.
6 Symptome [bearbeiten]
Die Symptome der Leberzirrhose sind vor allem im Anfangsstadium der Erkrankung unscharf und irreführend, so dass häufig erst Laboruntersuchung und Sonografie zur Diagnose führen.
6.1 Allgemeinsymptome [bearbeiten]
- Müdigkeit
- Abgeschlagenheit
- Leistungsabfall
- Druck im rechten Oberbauch
- Meteorismus
- Übelkeit
- Gewichtsabnahme
6.2 Hautsymptome [bearbeiten]
- Spidernävi
- Palmarerythem
- Plantarerythem
- Lacklippen
- Lackzunge
- Mundwinkelrhagaden
- Prurigo simplex
- Hautatrophie
- Teleangiektasien
- Weißnägel
- Dupuytren-Kontraktur
6.3 Symptome durch gestörte endokrine Funktionen [bearbeiten]
- Männliche Patienten
- Verlust der Sekundärbehaarung: "Bauchglatze"
- Libidoverlust
- Potenzstörungen bis Impotenz
- Hodenatrophie
- Gynäkomastie
- Weibliche Patientinnen
- Menstruationsstörungen bis zur sekundären Amenorrhoe
6.4 Sonstige Symptome [bearbeiten]
- Splenomegalie (ca. 75% der Fälle)
- Aszites
7 Komplikationen [bearbeiten]
Bei zunehmendem Versagen der Leberfunktion (Dekompensation) kommt es zu:
- Ikterus
- Hämorrhagischer Diathese
- Kachexie
- Portaler Hypertension ggf. mit
- Hepatischer Enzephalopathie
- Leberzellkarzinom
- Hepatopulmonalem Syndrom
- Hepatorenalem Syndrom
8 Diagnostik [bearbeiten]
8.1 Körperliche Untersuchung [bearbeiten]
- Palpation des Abdomens: Leber ist häufig vergrößert, evtl. verhärtet und höckerig.
- Inspektion: Achten auf Hautsymptome
- Organoleptische Prüfung: Foetor hepaticus
8.2 Labor [bearbeiten]
| Erniedrigt | Erhöht |
|---|---|
| Cholinesterase | γ-Globulinfraktion (Proteinelektrophorese) |
| Vitamin K-abhängige Gerinnungsfaktoren | Ammoniak (im Spätstadium) |
| Antithrombin III, Albumin im Serum | GPT, GOT, GLDH und γ-GT (im entzündlichen Schub) |
| Thrombozyten bei Splenomegalie | AP, LAP, γ-GT und evtl. Bilirubin (bei Cholestase) |
8.3 Sonografie [bearbeiten]
Die wichtigsten Veränderungen, die sich in der Sonografie nachweisen lassen, sind:
- Unregelmäßige Leberoberfläche
- Inhomogenes Leberparenchym
- Regeneratknötchen
- Verminderte Lebervenen
- Gestaute Kollateralkreisläufe
- Aszites
- Splenomegalie
9 Therapie [bearbeiten]
- Allgemeine Abstinenz bezüglich aller lebertoxischen Stoffe, bes. Alkohol
- Behandlung der Grunderkrankung
- Ausgewogene Ernährung
- Ausgleich der Mangelzustände
- bei Alkoholismus: v.a. Thiamin, Folsäure und Vitamin D
- bei biliärer Zirrhose: fettlösliche Vitamine E, D, K und A
- Reduktion der Proteinzufuhr (bei hepatischer Enzephalopathie)
- Prophylaxe und Behandlung von Komplikationen
- Regelmäßige Untersuchungen zur frühzeitigen Erkennung eines Leberzellkarzinoms
- Lebertransplantation
Hinweis: Die Einnahme vieler Medikamente (z.B. Trimipramin) ist bei Leberzirrhose kontraindiziert.
Tags: Entzündung, Leber, Zirrhose
Fachgebiete: Gastroenterologie
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