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Tachykardie

von griechisch: tachys - schnell
Synonyme: Herzjagen, Herzrasen
Englisch: tachycardia

1 Definition

Die Tachykardie ist eine Überschreitung der altersüblichen physiologischen Herzfrequenz (HF) z.B. über 100 Schlägen pro Minute bei einem Erwachsenen.

Der Grenzwert von 100/min sollte flexibel beurteilt werden, da z.B. bei Säuglingen oder Kindern andere Höchstwerte gelten.


2 Pathophysiologie

Die Ursachen von Tachykardien können verschieden sein, die genaue Entstehung der unterschiedlichen Formen ist bis heute nicht vollständig verstanden. Die gängige Literatur gibt verschiedene Mechanismen für Tachykardien an:

  • Pathologische Steigerung des Automatismus: Die unter physiologischen Bedingungen etwa siebzigmal pro Minute depolarisierenden Schrittmacherzellen des Sinusknoten geben aus bisher nicht geklärter Ursache einen schnellen Rhythmus vor.
  • Instabilität der elektrischen Reizgenerierung: Anstelle koordinierter Depolarisationen können sich einzelne oder größere Mengen von Herzmuskelzellen willkürlich und nicht zeitlich gekoppelt elektrisch entladen und damit einen pathologischen, deutlich zu schnellen Herzrhythmus generieren.
  • Reentry-Erregungen: Durch pathologische Faserverbindungen oder Schaltkreise der elektrischen Erregung findet während der physiologischen Ruhephase eine erneute Depolarisation statt, so dass das Herz zu oft erregt wird und sich damit kontrahiert.
  • Reaktive Tachykardien: Durch hormonelle Stimulation (z.B. im Rahmen einer Hyperthyreose) oder nervale Erregung wird die im Sinusknoten generierte Herzfrequenz angetrieben.

Neben dieses endogenen Mechanismen für Tachykardien gibt es ein große Anzahl exogener Ursachen. Hierzu zählen Genuss- (Koffein) und Suchtmittel (Nikotin, illegale Drogen wie Aamphetamine oder Kokain), frequenzsteigernden Medikamente (z.B. Sympathomimetika, Theophyllin, Nitrate, Kalziumantagonisten) und Lebensmittelinhaltsstoffe. Beispielsweise können die in der Muskatnuss enthaltenen ätherischen Öle Myristicin und Elemicin nach übermäßigem Verzehr zu Tachykardie und Blutdruckschwankungen führen.

3 Systematik

Auf der Basis der Entstehung eines zu schnellen Herzrhythmus unterscheidet man verschiedene Formen der Tachykardie:

Die Lokalisation des Ortes der Reizbildung hilft bei der Unterscheidung zwischen orthotoper Tachykardie (Sinustachykardie) und heterotoper Tachykardie.

Anfallsweise Tachykardien ventrikulären oder supraventrikulären Ursprungs werden unter dem Begriff der paroxysmalen Tachykardie zusammengefasst.

3.1 Klinische Unterscheidung der Tachykardien

  Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie Kammertachykardie (KT)
Symptome Palpitationen

Diaphorese
Nausea
Schwitzen
Dyspnoe
verstärkte Diurese
selten Synkope

Palpitationen

Diaphorese
Nausea
Schwitzen
Dyspnoe

häufig bei Synkope

Strukturelle Herzerkrankung selten häufig
Hereditäre Ursachen kaum gelegentlich
Adenosin und vagale Stimulation beendet häufig (oder demaskiert Vorhofarrhythmie) beendet selten
QRS-Vektor ähnliche Achse wie Sinusrhythmus andere Achse als Sinusrhythmus
Q-Zacken während Tachykardie selten häufig bei KHK und Infarkt
QRS-Breite schmal wie Sinusrhythmus

selten Aberration

meist > 140 ms

selten schmaler
(septale KT)

Fusionsschläge nie wenn vorhanden, beweisend
AV-Synchronie fast immer fakultativ

Quelle: W. Siegenthaler, Siegenthalers Differenzialdiagnose (S. 731, Georg Thieme Verlag, ISBN 3-13-344819-6)

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