Vom 10.10 bis 22.10.2017 steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Vom 10.10 bis 22.10.2017 steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Mediziner,
wir gönnen uns eine herbstliche Verschnaufpause. Deshalb sind vom 10. bis 22. Oktober keine Bearbeitungen möglich.
Arbeitet doch schon mal an der Halloween-Deko oder lasst einen Drachen steigen. Wir freuen uns, wenn ihr gut erholt zurückkommt!

Blutdruck

Abkürzung: RR (nach dem Erfinder der apparativen Blutdruckmessung Scipione Riva-Rocci)
Englisch: Blood pressure

1 Definition

Der Blutdruck ist der Druck, der in einem bestimmten Abschnitt des kardiovaskulären Systems herrscht. Im klinischen Sprachgebrauch ist damit meist der arterielle Blutdruck in den großen Arterien gemeint.

2 Hintergrund

Der Blutdruck kann in verschiedenen Abschnitten des Gefäßsytems gemessen werden. Klinisch ist häufig nicht nur der arterielle Blutdruck, sondern auch der Blutdruck in anderen Gefäßabschnitten relevant, z.B.

Die folgenden Angaben beziehen sich primär auf den arteriellen Blutdruck.

3 Einteilung

3.1 ...nach Herzphase

Um die Organperfusion besser einschätzen zu können, wird im Bereich der Intensivmedizin neben diesen beiden Werten auch noch ein dritter Wert, der mittlere arterielle Blutdruck (MAD) verwendet.

Der systolische Blutdruck wird durch die Auswurfkraft des Herzens erzeugt. Der diastolische Blutdruck wird bei verschlossener Aortenklappe v.a. durch das Blutvolumen und die Elastizität der Arterien (Windkesselfunktion) aufrecht erhalten. Lässt die Gefäßelastizität nach (z.B. bei Atherosklerose), so steigt zunächst der diastolische, später auch der systolische Blutdruckwert dauerhaft an.

3.2 ...nach Messbedingung

4 Messung

Die Blutdruckmessung kann auf zweierlei Weise erfolgen:

  • Blutige Blutdruckmessung: Ein Druckfühler wird direkt ins Blutgefäß gebracht und der dort herrschende Druck registriert.
  • Unblutige Blutdruckmessung: Indirekte Messmethode mit Druckmanschette am Oberarm oder Handgelenk. Entweder akustisch über die Korotkoff-Geräusche oder pulsoszillometrisch.

Klinisch ist die unblutige Methode am weitesten verbreitet, während die blutige Blutdruckmessung nur im Bereich der Intensivmedizin oder der klinischen Forschung eingesetzt wird.

4.1 Messwert

Die Einheit des Blutdruckes ist "mm Hg" = Millimeter Quecksilbersäule. Eine gängige Abkürzung für den arteriellen Blutdruck ist RR, nach Scipione Riva Rocci, 1863 bis 1937, einem italienischen Internisten.

4.2 Messfehler

Die blutige Blutdruckmessung ist aufgrund der benutzten Sensoren sehr genau. Eine mögliche Fehlerquelle stellt hier jedoch das falsche Kalibrieren der zu benutzenden Geräte dar.

Bei der unblutigen (indirekten) Messmethode nach Riva-Rocci ist die richtige Einstellung der Manschettenbreite von großer Bedeutung: aufgrund der umgekehrt proportionalen Beziehung des Drucks zur Fläche hat eine zu breite Manschette eine zu niedrige, eine enge Manschette dagegen eine zu hohe Messung zur Folge.

Weitere Messfehler können durch das Vorhandensein einer auskultatorischen Lücke oder eine zu hohe Druckablassgeschwindigkeit bedingt sein. Diese Fehler können durch ein gleichzeitiges palpatorisches Bestimmen des systolischen Drucks beim Aufpumpen der Manschette sowie ein langsames Ablassen der Luft (3 mmHg/s) vermieden werden.

Trotz einer korrekten Messtechnik können situationsabhängig dennoch Werte gemessen werden, die für die tatsächlichen arteriellen Blutdruckwerte des Patienten nicht repräsentativ sind. Mögliche Ursachen sind z.B. das Vorhandensein eines Stuhl- oder Harndrangs oder die sog. Weißkittelhypertonie.

5 Referenzbereich

Die Referenzwerte für den systolischen und diastolischen Blutdruck werden von der WHO wie folgt formuliert:

Bewertung systolischer Wert (mmHg) diastolischer Wert (mmHg)
optimal < 120 < 80
normal < 130 < 85
hochnormal 130-139 85-89
Hypertonie Grad 1 140-159 90-99
Hypertonie Grad 2 160-179 100-109
Hypertonie Grad 3 ≥ 180 ≥ 110

Ein erhöhter arterieller Blutdruck wird Hypertonie genannt, in erniedrigter arterieller Blutdruck Hypotonie. Häufiger, gefährlicher und damit klinisch relevanter ist die Hypertonie.

6 Regulation des Blutdrucks

Der Blutdruck in den Arterien darf sich nur in relativ engen Grenzen verändern, da sowohl durch einen zu hohen, als auch durch einen zu niedrigen Blutdruck einzelne Organe oder die Gefäßwände geschädigt werden können. Gleichzeitig muss der Blutdruck den wechselnden Belastungen des Körpers angepasst werden. Grundvoraussetzung für die Regulation des Blutdruckes ist die Kontrolle des Selbigen durch Barorezeptoren. Diese befinden sich in der Wand der Aorta und anderer großer Arterien im Brust- und Halsbereich. Die wichtigsten liegen im Sinus caroticus.

Die Rezeptoren registrieren den veränderten Blutdruck durch die dadurch bedingten Veränderungen der Dehnung der Gefäßwände und vermitteln dies an die Medulla oblongata. Diese leitet nun Maßnahmen ein, um den Blutdruck zu senken oder zu steigern. Hierbei ist es wichtig, dass es unterschiedliche Maßnahmen gibt, die kurzfristiger oder längerfristiger wirken können. Neben den Barorezeptoren gibt es auch andere Faktoren, wie die Osmolarität des Blutes, die Einfluss auf den Blutdruck haben.

6.1 Kurzfristige Regulation

Durch das Signal der Barorezeptoren oder auch durch Dehnungsrezeptoren in den Herzvorhöfen wird in der Medulla oblongata der Sympathikus kontrolliert. Kommt es zu einem Blutdruckabfall erhöht sich die Aktivität des Sympathikus was den Blutdruck wieder steigen lässt. Ebenso funktioniert es in umgekehrter Weise.

6.2 Mittelfristige Regulation

Hierbei spielen Rezeptoren, die die Durchblutung der Niere kontrollieren eine große Rolle. Sinkt die Durchblutung, so wird vermehrt Renin freigesetzt, was eine Ausschüttung von Angiotensin II bewirkt. Dies bewirkt eine Verengung der Gefäße und lässt den Blutdruck steigen.

6.3 Langfristige Regulation

Die langfristige, aber auch trägste Regulation des Blutdruckes basiert auf der Änderung des Blutvolumens. Auch hier spielt die Niere eine große Rolle, da sie kontrolliert, wie viel Wasser mit dem Urin ausgeschieden wird. Steigt der Blutdruck an, so wird durch Druckdiurese vermehrt Wasser ausgeschieden, wodurch das Blutvolumen und damit auch der Druck sinken. Dies wird durch ANP befördert, welches durch den erhöhten Druck im Herzen ausgeschüttet wird. Sollte der Druck und das Volumen zu niedrig sein, so wird mittels ADH die Rückresorption von Wasser in der Niere gesteigert.

7 Weblinks

Fachgebiete: Nephrologie, Physiologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

54 Wertungen (3.74 ø)
Teilen

307.673 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Sprache:
DocCheck folgen: