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Summer Break: Keine Edits vom 16. bis 31. August.Geht mal raus zum Baden!
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Geht mal raus zum Baden!
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Summer Break

Liebe Autoren,
Wir sind an den Strand gefahren. Denn auch unsere fleißigen Lektoren brauchen mal eine Pause. Deswegen steht das Flexikon von 16. bis 31. August 2014 nur im Lesemodus zur Verfügung. Ab dem 1. September kann wieder mit voller Kraft ergänzt und geändert werden.

Unser Tipp: Geht auch mal schwimmen. Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr wieder kommt!

Bis bald
Euer Flexikon-Team

Niere

Synonyme: Ren (lateinisch), νεφρός ("Nephros") (griechisch)
Englisch: kidney

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

Die Niere ist ein paariges bohnenförmiges Organ, dessen Hauptaufgabe die Bildung des Harns (Filtration, Reabsorption und Konzentration) ist. Durch Sekretion und Reabsorption ist die Niere entscheidend an wichtigen systemischen Regulationen beteiligt wie

Außerdem ist die Niere ein endokrines Organ, das durch Synthese und Sekretion von Renin und Erythropoetin an der systemischen Blutdruckregulation und Erythropoese beteiligt ist.

2 Anatomie

2.1 Überblick

Beim Menschen liegen die Nieren unterhalb des Zwerchfells im Retroperitonealraum. Sie haben eine Länge von etwa 10-12 cm und eine Breite von 5-6 cm. Das Gewicht variiert ungefähr zwischen 120-200 g. Von außen ist die Niere von einer derben, nur wenig dehnbaren Bindegewebshülle umgeben, der Capsula fibrosa renis. Ihr liegt ein ausgedehntes Fettlager, die Capsula adiposa (renis), an. Sie ist wiederum in einen derben Fasziensack, die Fascia renalis, eingebettet.

Die einzelne Niere besteht aus 6-9 gleichartigen Einheiten, den so genannten Nierenlappen (Lobi renales), die man in Nierenmark (Medulla renalis) und Nierenrinde (Cortex renalis) gliedert. Die Form des Marks eines jeden Lobus erinnert an einen Kegel bzw. eine Pyramide, weshalb man auch von den "Nierenpyramiden" oder "Markpyramiden" spricht. Die Spitze jeder Nierenpyramide ragt als Nierenpapille in die Nierenkelche. Auf der Nierenpapille erkennt man die feinen Mündungen der Ductus papillares, die so genannten Harnporen (Pori uriniferi). Die Nierenkelche formen in ihrer Gesamtheit wiederum das Nierenbecken (Pelvis renalis).

Die Rinde liegt als etwa 1 cm breiter Streifen oberhalb der Basis der Markpyramiden und füllt als Columnae renales den Raum zwischen den Pyramiden aus. Vom Mark ausgehend ragen die geraden Anteile der Nierentubuli (Partes rectae) und Sammelrohre in Form so genannter Markstrahlen in die Rinde. Das Rindengewebe um die Markstrahlen herum wird als Rindenlabyrinth bezeichnet. Es beinhaltet die gewundenen Tubulusanteile (Partes convolutae) und Nierenkörperchen.

2.2 Embryologie

Das Gewebe der Nieren stammt aus dem intermediären Mesoderm.

siehe Hauptartikel: Nierenentwicklung

2.3 Gefäßversorgung

Die arterielle Versorgung der Nieren erfolgt über die beiden Arteriae renales, den Abtransport venösen Blutes besorgen die sie begleitenden Venae renales.

2.3.1 Arterien

Nierenarterien sind gleichzeitig Vasa privata (Nierenstoffwechsel) und Vasa publica (Klärfunktion). Je eine Arteria renalis sinistra und eine Arteria renalis dextra entspringen in Höhe von LWK II aus der Aorta abdominalis. Die Arteria renalis dextra läuft dorsal der Vena cava inferior und ist etwas länger als die Arteria renalis sinistra. Am Hilum teilt sich die Arteria renalis in 5 kleinere Segmentarterien.

2.3.1.1 Äste der Arteria renalis
2.3.1.2 Intrarenale Nierengefäße

Die am Hilum eintretenden Segmentarterien geben Arteriae lobares ab, die zwischen zwei Nierenpyramiden kapselwärts laufen. Die Arteriae lobares wiederum geben Bogenarterien (Arteriae arcuatae) ab, die an der Pyramidenbasis laufen. Daraus entspringen wiederum Arteriae interlobulares oder Arteriae corticales radiatae, die die Arteriolae afferentes speisen. Diese laufen durch die Nierenkörperchen (Glomeruli) bis zu den Arteriolae efferentes, die immer noch arterielles Blut führen.

In der Niere finden sich zwei hintereinander geschaltete Kapillarbetten. An das Glomerulus-Kapillarknäuel schließt sich das peritubuläre Kapillarbett an, von welchem das Blut dann ins venöse System gelangt. Eine Besonderheit stellen hierbei die juxtamedullären Nephrone dar: Ihr Blut fließt nach der Passage der Glomeruli weiter in die Gefäße des Nierenmarks, die Vasa recta, welche alle den Wandbau von Kapillaren aufweisen. Über aufsteigende Vasa recta gelangt das Blut in die abführenden Venen.

2.3.2 Venen

Der venöse Abfluss erfolgt über die Vena renalis sinistra und die Vena renalis dextra. Sie treten am Hilum aus und münden in die Vena cava inferior. Die Vena renalis sinistra liegt vor der Aorta abdominalis. Zuflüsse zur Vena renalis sinistra sind:

2.3.3 Lymphabfluss

Der Lymphabfluss erfolgt in die Nll. lumbales um die Aorta und Vena cava inferior herum in die beiden Trunci lumbales.

2.4 Innervation

Die sympathische Innervation wird durch Fasern aus den Ganglia aorticorenalia besorgt, die als Plexus renalis die Nierenarterien umgeben. Die parasympathische Innervation erfolgt über den Nervus vagus aus den Segmenten C1 und C2.

2.5 Topographie

Dorsal der Niere haben folgende Nerven Kontakt mit der Niere:

3 Histologie

Die Niere besteht aus zahlreichen kleineren Einheiten, den Nephronen, in denen der Harn gebildet wird. Jede der menschlichen Nieren enthält 1-1,2 Mio Nephrone. Das Nephron selbst besteht aus Nierenkörperchen (Glomeruli) und einem Tubulusapparat. Es lässt sich von proximal nach distal systematisch in folgende Abschnitte unterteilen:

Die geraden Stücke (Partes rectae) des proximalen und distalen Tubulus werden mit dem Intermediärtubulus zusammen als Henle-Schleife bezeichnet.

Als Endstrecke des Tubulussystems gelten die Sammelrohre, die im erweiterten Sinn ebenfalls als Teil des Nephrons angesehen werden können. Sie drainieren mehrere distale Tubuli und ziehen in das Innenmark der Markpyramiden, wo sie sich zu Papillengängen (Ductus papillares) zusammenschließen. Diese entlassen den Sekundärharn über die Nierenpapille in die Nierenkelche.

4 Physiologie

4.1 Filtration des Primärharns

Der erste Schritt der Harnbildung ist die Filtration des Primärharns. Dieser findet in den Nierenkörperchen in der Nierenrinde (Cortex renalis) statt. Die Menge des Primärharns beträgt bei durchschnittlicher Flüssigkeitszufuhr ca. 180 Liter pro Tag.

Im Glomerulum, dem Blutgefäßknäuel in der Bowman-Kapsel, wird durch den Blutdruck von ca. 50 mmHg das Blutplasma durch das innere Blatt der Bowman-Kapsel abgepresst, wobei die größeren Blutbestandteile (Blutzellen und Makromoleküle) jedoch im Blutgefäß verbleiben (Filtration). Der Gegendruck, der aus dem Kapselraum der Bowman-Kapsel kommt, beträgt etwa 17 mmHg ("Kapseldruck"). Die großen Eiweißmoleküle im Blut erzeugen ebenfalls einen Gegendruck zum Blutdruck, da sie Wasser im Blutgefäß zurückhalten. Er wird onkotischer Druck oder kolloidosmotischer Druck genannt und beträgt etwa 25 mmHg. Bei einem starken Blutdruckabfall sinkt auch der Filtrationsdruck, was zu einem akuten Nierenversagen führen kann.

Der Kapseldruck und der kolloidosmotische Druck wirken dem Blutdruck entgegen. Somit ergibt sich an der Bowman-Kapsel ein effektiver Filtrationsdruck von etwa 8 mmHg. Schwankt der Blutdruck und fällt in einen kritischen Bereich, kommt es zu einer Gegenregulation der Niere. Durch die Ausschüttung von Renin aus den Zellen des juxtaglomerulären Apparates wird das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) aktiviert, wodurch der effektive Filtrationsdruck wieder steigt.

4.2 Modifikation des Primärharns

Der zweite Schritt besteht in der Modifikation des Primärharns, die vor allem im proximalen Tubulus stattfindet. Sie umfasst zwei Mechanismen. Zum Einen erfolgt eine aktive Rückresorption von Elektrolyten, Glucose und Resteiweißen aus dem Tubulus ins Blut, sowie eine passive Rückresorption von Wasser, hauptsächlich durch den sogenannten Solvent-drag-Mechanismus. Zum Anderen findet ein aktive Sekretion von Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, Aminosäuren und Elektrolyten aus dem Blut in das Tubulussystem statt. Die Rückresorption hat jedoch ein Transportmaximum. Wenn das Angebot eines bestimmten Stoffes (z. B. Glukose beim Diabetes mellitus) die so genannte Nierenschwelle übersteigt, wird er nicht ins Blut rückresorbiert, sondern mit dem Harn ausgeschieden.

Durch diese Mechanismen wird das Volumen des Primärharns auf durchschnittlich 18-20 Liter pro Tag reduziert.

4.3 Harnkonzentration

Der letzte Schritt ist die weitere Harnkonzentration. Sie läuft in der Henle-Schleife und in den Sammelrohren ab. Dabei kommt das Gegenstromprinzip zur Wirkung. Es besteht aus 3 Komponenten:

  • dem dünnen, absteigenden Schenkel der Henle-Schleife
  • dem dicken, aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife
  • dem zwischen beiden Teilen liegenden Interstitium

Dabei ist entscheidend, dass der dünne Teil der Henle-Schleife für Wasser durchlässig ist, der dicke Teil nicht. Im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife werden Natrium-Ionen durch aktiven Transport aus dem Harn in das benachbarte Interstitium transportiert. Das Wasser verbleibt im Harn, da es dem Natrium nicht folgen kann - die Flüssigkeit wird dadurch hypoton, das Interstitium hyperton.

In das hypertone Interstitium fließt nun Wasser aus dem absteigenden Teil der Henle-Schleife ein, da hier die Wand wasserdurchlässig ist. Dadurch wird der Primärharn im absteigenden Teil der Schleife aufkonzentriert und Wasser entzogen, ohne dass dazu ein zusätzlicher Energieaufwand notwendig wäre.

Der ihm Rahmen des oben beschriebenen Konzentrationsprozesses entstandene Sekundärharn hat nur noch ein Volumen von etwa 1,5 Liter pro Tag.

4.4 Steuerung der Harnbildung

Die Harnbildung wird im Wesentlichen durch 2 Hormone beeinflusst:

  • Aldosteron stimuliert die Tubuluszellen zur Expression von Natrium- und Kaliumkanälen und steigert so die Natriumrückresorption.
  • Adiuretin fördert die Wasserrückresorption im distalen Tubulus und in den Sammelrohren, so dass dem Körper weniger Wasser verloren geht.

4.5 Weitere Aufgaben der Niere

5 Klinik

5.1 Diagnostik

Die Nierenfunktion kann an Hand der Urinmenge, der Urinkonzentration und der Konzentration der harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Kalium) im Blut abgeschätzt werden. Differenziertere Aussagen über die Nierenfunktion können über die Ermittlung der Clearance getroffen werden.

Weitere Aussagen über die Nieren liefern das Urinsediment und Teststäbchen auf Bakterien, Eiweiß, Blut oder Glukose

Die Morphologie der Niere wird mit Hilfe bildgebender Verfahren erfasst. Dazu zählen u.a.:

5.2 Erkrankungen

Zu den Erkrankungen der Niere zählen unter anderem:

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