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Milz

Synonyme: Splen, Lien
Englisch: spleen

1 Definition

Die Milz ist das größte lymphatische Organ des menschlichen Körpers.

2 Anatomie

Die Milz liegt intraperitoneal in der Regio epigastrica sinistra im linken oberen Quadranten in der sogenannten Milznische. Die Basis der Milz liegt der linken Zwerchfellkuppel an. Eine gesunde Milz weist ein Organgewicht von etwa 150 bis 200 g auf. Die Länge des Organs beträgt etwa 12-13 cm, die Breite 7-8 cm, die Organdicke rund 3 cm.

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2.1 Gefäßversorgung

Für die arterielle Gefäßversorgung der Milz ist die Arteria splenica, ein Ast des Truncus coeliacus verantwortlich. Sie verzweigt sich intralienal in Trabekel- bzw. Balkenarterien. Aus ihnen gehen die im Zentrum der Milzfollikel mündenden Zentralarteriolen hervor. Die venöse Drainage erfolgt über die Vena splenica (Vena lienalis), die in die Vena portae (Pfortader) mündet. Beide Gefäße bilden in Organnähe den Gefäßstiel der Milz (Milzhilus). Der Lymphabfluss erfolgt über die Milzlymphknoten.

2.2 Innervation

Die Innervation der Milz erfolgt durch Parasympathikus- und Sympathikusfasern aus dem Plexus coeliacus, welche die Arteria splenica begleitend zur Milz gelangen. Viszerosensible und vasomotorische Äste mit adrenergen Nervenfasern steuern in der Milz die Kontraktion des Trabekel-Kapsel-Systems durch Myofibroblasten.

2.3 Bandapparat

Die Milz wird im Wesentlichen durch vier Bänder fixiert, bei denen es sich um Peritonealduplikaturen handelt:

2.4 Nebenmilz

Als anatomische Variante finden sich manchmal neben der "Hauptmilz" eine oder mehrere Nebenmilzen (Splen accessorius). Sie sind meistens in der Nähe des Milzhilus, am Schwanzteil des Pankreas lokalisiert. Dort sind sie in das Ligamentum gastrosplenicum oder das Omentum majus eingebettet und weisen das gleiche histologische Bild auf wie das Hauptorgan. Besteht eine Indikation zur Splenektomie, können sie klinisch relevant werden. Muss die Milz z.B. aufgrund einer Anämie entfernt werden (da sie zu viele rote Blutkörperchen abbaut), sollten auch vorhandene Nebenmilzen entfernt werden. Muss die Milz dagegen z.B. aufgrund einer Ruptur entfernt werden, kann die Nebenmilz ihre Funktion übernehmen, sodass keine Immunschwäche auftritt.

3 Histologie

Von außen wird die Milz von einer straffen Bindegewebskapsel umgeben, die mit Peritoneum bedeckt ist. Von der Kapsel aus ziehen Stränge aus Retikulumzellen und Myofibroblasten in Form von Trabekeln in das Parenchym und bilden dadurch ein dreidimensionales Maschenwerk.

Das eigentliche Parenchym der Milz, die Milzpulpa (Pulpa splenica), wird in zwei unterschiedliche Abschnitte, die weiße und die rote Pulpa gegliedert.

  • Die weiße Pulpa (Pulpa alba) besteht aus den weißlichen, makroskopisch sichtbaren Milzknötchen (Malpighi-Körperchen oder Folliculi lymphatici lienales). Dabei handelt es sich um Lymphfollikel, die B-Lymphozyten enthalten. Ein weiterer Bestandteil der weißen Pulpa sind die um die Zentralarteriolen angeordneten periarteriolären lymphatischen Scheiden (PALS), die von T-Lymphozyten besiedelt sind. Die weiße Pulpa dient der Immunabwehr und prüft das durchströmende Blut ständig auf Antigene und Toxine.
  • Die rote Pulpa (Pulpa rubra) ist der Raum zwischen den Milzknötchen und dem Milzsinus. Der Milzsinus besteht aus länglich orientierten diskontinuierlichen Endothelzellen. Die rote Pulpa besteht aus retikulärem Bindegewebe, das von Blut durchströmt wird. Die rote Pulpa dient dem Abbau von überalterten Blutzellen (Erythrozyten). Anomale Erythrozyten, deren Verformbarkeit herabgesetzt ist, bleiben im Maschenwerk der Milz hängen und können den Milzsinus nicht passieren. Anschließend werden sie dort von Makrophagen abgebaut.

4 Embryologie

Die Milz entwickelt sich durch eine Proliferation des Mesenchyms zwischen den beiden Blättern des Peritoneums des Mesogastrium dorsale. Durch die Magendrehung gelangt sie schlussendlich intraperitoneal in den linken Oberbauch.

5 Funktion

Die Milz erfüllt zahlreiche Aufgaben im Rahmen der Infektabwehr und der Zellmauserung.

Überalterte oder deformierte, bzw. durch Membran- oder Enzymdefekte geschädigte Blutzellen, wie Erythrozyten und Thrombozyten werden durch Makrophagen der roten Pulpa phagozytiert. Das gleiche gilt für Mikroorganismen oder im Blut zirkulierende Immunkomplexe oder Fibrinmonomere.

In den periarteriolären Lymphscheiden und Lymphfollikeln der weißen Pulpa findet die antigeninduzierte Differenzierung und Vermehrung von B- und T-Lymphozyten statt.

Bis zum sechsten Lebensjahr ist die Milz an der extramedullären Hämatopoese beteiligt. Bei bestimmten Knochenmarkserkrankungen kann die Milz auch in höheren Lebensjahren wieder Ort der Blutbildung werden.

6 Klinik

6.1 Erkrankungen

Eine Überfunktion der Milz bezeichnet man als Hypersplenismus, eine Unterfunktion als Hyposplenismus. Liegt eine vergrößerte Milz vor, spricht man von einer Splenomegalie. Ein wichtiges traumatologisches Ereignis ist die Milzruptur. Infektionen können zu einer Splenitis bzw. zu einem Milzabszess führen.

siehe auch: Milzerkrankungen

6.2 Untersuchungsmethoden

Die Milz ist beim gesunden Menschen nicht tastbar. Bei deutlicher Vergrößerung ist sie bei Inspiration unter dem linken Rippenbogen palpabel. Die Untersuchung der Milz erfolgt mittels bildgebender Verfahren, z.B. mit:

Die Milzgefäße lassen sich angiografisch darstellen, morphologsich-topographische und funktionelle Veränderungen mit einer Milzszintigraphie.

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