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Atropin

Synonym: (R,S)-Hyoscyamin, DL-Hyoscyamin, "Belladonna"
Englisch: Atropine

1 Definition

Atropin ist ein giftiges Alkaloid, das in der Natur in Nachtschattengewächsen wie Alraune, Engelstrompete, Stechapfel, Tollkirsche oder Bilsenkraut vorkommt.

2 Chemie

Die Summenformel von Atropin lautet C17H23NO3, die molare Masse beträgt 289,37 g/mol. Chemisch gesehen ist Atropin ein Racemat aus D- und L-Hyoscyamin.

Atropin liegt in Form farbloser Kristalle mit einem Schmelzpunkt zwischen 115 und 117 °C vor. Es ist sehr schwer löslich in Wasser, löslich in Ethanol, Ether, fetten Ölen und Chloroform. Das in Arzneimitteln häufig verwendete Atropinsulfat ist hingegen leicht wasserlöslich.

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3 Pharmakologische Wirkung

Atropin wirkt parasympatholytisch, d.h. es vermindert die Wirkung des Parasympathikus, indem es als kompetitiver, reversibler Antagonist Acetylcholin von den Muskarinrezeptoren verdrängt. Dies führt zu einer breiten Palette pharmakologischer Wirkungen.

 Organsystem  Wirkung
Herz Steigerung der Herzfrequenz (Tachykardie)
Beschleunigung der AV-Überleitung
Lunge Bronchodilatation
Auge Mydriasis
Schweißdrüsen Herabgesetzte Schweißproduktion

4 Medizinischer Einsatz

Atropin wurde schon frühzeitig als Arzneimittel eingesetzt. Bereits im Jahre 1852 erscheint der Wirkstoff im Codex medicamentarius Hamburgensis. Eine der ersten medizinischen Anwendungen des Atropins war die Asthmabehandlung, sowohl in Form von Injektionen als auch in Form von sog. Asthma-Zigaretten. Diese Therapien wurde wegen Ihrer Nebenwirkungen später aufgegeben.

Heute wird Atropin überwiegend in der Notfallmedizin sowie topisch in der Augenheilkunde (medikamentöse Mydriasis) eingesetzt. Atropin kommt bei Alkylphosphatvergiftungen und bei bradykarden Herzrhythmusstörungen zum Einsatz, wobei der Vorhof nicht geblockt wird. Zu beachten ist, dass es bei niedriger Dosierung zu einer paradoxen Bradykardie kommen kann.

5 Vergiftung

Als Vergiftungssymptome treten Hautrötungen, Mydriasis, Tachykardie und Verwirrtheit, z.T. mit Halluzinationen auf. Bei Einnahme letaler Dosen kommt es zu Bewusstlosigkeit und Atemlähmung. Als spezifisches Antidot bei schwerer Intoxikation kommt Physostigmin in Betracht.

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