Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Fieber

Lateinisch: febris
Synonym: Pyrexie
Englisch: fever

1 Definition

Unter Fieber, auch Pyrexie genannt, versteht man eine Erhöhung der rektal gemessenen Körpertemperatur über den Normwert von 37°C. Häufig wird auch ein Grenzwert von 38°C angegeben und der Zwischenbereich von 37,1°C bis 37,9°C als "subfebrile" Temperatur bezeichnet.

Fieber ist ein Allgemeinsymptom.

2 Physiologie

Die Erhöhung der Körpertemperatur, genauer der Körperkerntemperatur, ist im Sinne des Begriffes Fieber immer eine pathologische Sollwert-Erhöhung. Diese wird durch den Hypothalamus vermittelt.

In Folge dieser Erhöhung kommt es zur rezeptorbedingten Registrierung der Körperkerntemperatur, welche als zu niedrig - im Vergleich zum Sollwert - bewertet und daraufhin erhöht wird.

Bei Infektionskrankheiten, Neoplasien und Autoimmunerkrankungen geschieht dies durch Prostaglandine, Histamin, Bradykinin und Zytokine (z.B. Interleukin-1, Interleukin-6 und TNF-alpha).

Das Gegenstück zum Fieber ist die Anapyrexie.

3 Einteilung

3.1 ...nach Temperatur

37,1°C - 37,9°C subfebrile Temperatur
38,0°C - 38,4°C mäßiges Fieber
38,5°C - 40,4°C hohes Fieber
ab 40,5°C (auch: 41,5°C) extremes Fieber (Hyperpyrexie)

Hinweis: Die oben genannten Grenzwerte sind relativ eng gewählt. Sie berücksichtigen keine individuellen Schwankungen der aktivitätsbezogenen Körpertemperatur. Manche Autoren definieren die Grenzen daher großzügiger und bezeichnen den Temperaturbereich unter 38,5°C noch als subfebril.

3.2 ...nach Verlauf

  • Kontinuierliches Fieber (Fieberkontinuum): Erhöhte Körpertemperatur, die länger anhält und dabei nur gering schwankt (< 1°C)
  • Remittierendes Fieber: Fieberschwankungen im Tagesverlauf von mehr als 1°C. Abends ist die Temperatur höher als am Morgen, der Patient ist aber in der Regel nie fieberfrei. Vorkommen z.B. bei Tuberkulose, Bronchitis oder Nephritis.
  • Intermittierendes Fieber: Periodischer Tagesverlauf mit hohen Körpertemperaturen und fieberfreien Phasen. Die Temperaturen schwanken dabei um mehr als 2°C. Am Morgen kann die Temperatur unter 37°C sinken. Vorkommen z.B. bei Sepsis oder Morbus Hodgkin
  • Undulierendes Fieber: Mehrere Wochen anhaltendes Fieber mit wellenförmigem Verlauf, d.h. Wechsel von Fieberperioden und fieberfreien Intervallen. Vorkommen z.B. bei Brucellose
  • Rezidivierendes Fieber: Auch rekurrierendes Fieber genannt. In regelmäßigen Zyklen auftretende, kurze Fieberschübe mit unterschiedlich langen Intervallen von fieberfreien Tagen. Vorkommen z.B. bei Malaria
  • Biphasisches Fieber: Zunächst Temperaturanstieg, dann Temperaturabfall, dann erneuter Anstieg einer zweiten Phase

4 Ursachen

Fieber ist eine Allgemeinreaktion des Körpers, die eine Vielzahl verschiedener Ursachen haben kann. Die wichtigsten Auslöser von Fieber sind:

Darüber hinaus kommen in Betracht:

Eine Erhöhung der Körpertemperatur, deren Ursache nicht bekannt ist, bezeichnet man als Fieber unklarer Genese (FUO).

5 Funktion

Fieber dient unter anderem der Verbesserung der Immunantwort, da die Aktivität vieler Immunzellen (z.B. Granulozyten, Makrophagen oder Lymphozyten) in einem Temperaturbereich zwischen 38 und 41 °C gesteigert ist. Die Aktivität dieser Zellen lässt erst bei Temperaturen über 41 °C wieder nach.

Eine medikamentöse Senkung des Fiebers durch Antipyretika (z.B. NSAR) kann sich daher negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

6 Messung

Die Messung der Körpertemperatur (Fiebermessung) mit Hilfe eines Thermometers kann - abhängig vom verwendeten Gerät - an verschiedenen Orten erfolgen:

Bei der Beurteilung der Messergebnisse ist zu beachten, dass diese Körperstellen verschiedene Normaltemperaturbereiche besitzen. Die axilläre Messung liefert in der Regel 0,5°C - 1,0°C niedrigere Werte als die rektale Messung. Die rektal gemessene Temperatur repräsentiert mit relativer Genauigkeit die Körperkerntemperatur.

Anmerkung: Eine Temperaturdifferenz von mehr als 1,0°C zwischen der axillären und der rektalen Messung kann ein Indiz für das Vorliegen einer Appendizitis sein.

7 Therapie

Fieber ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Die Therapie des Fiebers richtet sich daher primär gegen die auslösende Ursache, d.h. die Grunderkrankung.

Die symptomatische Behandlung des Fiebers, die Fiebersenkung, umfasst unter anderem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die medikamentöse Gabe von Antipyretika und wärmeableitende Maßnahmen (z.B. Wadenwickel). Bevor Maßnahmen zur Fiebersenkung eingeleitet werden, sollte bedacht werden, dass Fieber Teil der physiologischen Immunantwort ist.

8 Weblinks

Habe ich ergänzt. Danke für den Hinweis!
#2 am 11.06.2013 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
Die Einteilungsgrade von Fieber scheinen mir sehr eng gewählt. Die Bezeichnung "Fieber" zieht natürlich auch immer therapeutische Konsequenzen nach sich; zu enge Einteilungsgrade bedeuten immer auch: erhöhtes Risiko für Übertherapie. Aus diesem Grund schlage ich vor die Definition nach dem Handbuich "Internistische Therapie", Wolff-Weihrauch vorzunehmen: subfebril < 38,5, febril >38,5. Damit ist das Risiko, individuelle Schwankungen bei der aktivitätsbezogenen Körpertemperatur irrtümlich zu therapieren, sicher sehr gering. Mit besten Grüßen Heiko Laufenberg
#1 am 14.03.2013 von Heiko Laufenberg (Arzt)

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

62 Wertungen (3.66 ø)
Teilen

312.295 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: