Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Rheumatisches Fieber

Synonym: Streptokokkenrheumatismus
Englisch: rheumatic fever

1 Definition

Das rheumatische Fieber ist eine reaktive Erkrankung nach einer Infektion mit Streptokokken der Gruppe A (Lancefield-Klassifikation). Eine bis drei Wochen nach einer Infektion kommt es zur abakteriellen Entzündung verschiedener Organsysteme.

2 Pathogenese

Bestandteile der Streptokokkenmembran, insbesondere bestimmte Typen des M-Proteins, wirken als Antigen und stimulieren die Produktion von Antikörpern. Die Antigene der Streptokokken ähneln in ihrer Struktur jedoch körpereigenen Proteinen. Daher reagieren die gebildeten Antikörper auch auf körpereigene Strukturen und rufen eine Entzündung hervor (Kreuzreaktivität, Autoantikörper).

Abzugrenzen ist eine postinfektiöse Glomerulonephritis, die auch nach einem Streptokokkeninfekt auftreten kann, jedoch durch Ablagerung von Immunkomplexen an der Basalmembran des Glomerulums gekennzeichnet ist.

3 Symptomatik

Das rheumatische Fieber ist wie die Syphilis ein medizinisches "Chamäleon". Es kann unter anderem Gelenke, Herz, Gehirn und die Haut betreffen. Tendenziell entwickeln Erwachsene eine Arthritis, Kinder und Jugendliche hingegen eine Karditis.

3.1 Gelenke

Die Arthritis im Rahmen des rheumatischen Fiebers betrifft vor allem große Gelenke. Häufig sind das Sprunggelenk und das Kniegelenk betroffen. Die Arthritis tritt dabei zunächst symmetrisch auf (ca. 10 Tage nach Infektion), springt aber später von Gelenk zu Gelenk und verursacht starke Schmerzen. Im Verlauf kann es zu einer Ausbreitung von zentral nach peripher mit Beteiligung der Finger- und Zehengelenke kommen.

3.2 Herz

Das Herz ist im Sinne einer Karditis betroffen. Je nach Überwiegen der Entzündung an Endokard oder Myokard stehen klinisch verschiedene Symptome im Vordergrund.

Typisch bei einer Beteiligung des Endokards ist die verruköse Endokarditis mit Antigen-Antikörper-Komplexen an den Rändern der Herzklappensegel- und taschen. Das rheumatische Fieber ist ein häufiger Grund für erworbene Herzklappenfehler.

Bei vorwiegender Beteiligung des Myokards stehen Arrhythmien im Vordergrund. Es kommt zu mikroskopischen Nekrosen von Myokardanteilen und zur Ausbildung von Aschoff-Knoten.

3.3 Gehirn

Eine Beteiligung des Gehirns äußert sich als Enzephalitis im Sinne einer Chorea Sydenham.

3.4 Haut

Die Haut kann in mannigfaltiger Weise am Entzündungsgeschehen beteiligt sein. Häufig anzutreffen sind ein Erythema nodosum am Unterschenkel oder ein Erythema anulare am Rumpf.

Sogenannte Rheumaknoten treten als noduläre Auftreibungen der Haut an den Streckseiten von Armen und Beinen auf.

4 Diagnostik

Die Anamnese (durchgemachte Pharyngitis/Tonsillitis o.ä.) und körperliche Untersuchung (Hautveränderungen, Gelenkbeschwerden, neu aufgetretenes Herzgeräusch, neurologische Symptomatik) erwecken den Verdachtsmoment.

Ein EKG, Entzündungsmarker (ESR, CRP), mikrobiologische Untersuchungen (Rachenabstrich zwecks Keimnachweise, Titerbestimmung der Anti-Streptolysin-Antikörper) ergänzen das diagnostische Vorgehen. Für die Diagnosestellung sind die Jones-Kriterien maßgeblich.

5 Therapie

Die Behandlung folgt drei Grundprinzipien:

  • Elimination lebender Streptokokken (Einschnitt in die Pathogenese)
  • Entzündungshemmung und Analgesie (Schadensbegrenzung)
  • Verhütung von Rezidiven

Die Gabe von Penicillin G i.v. oder Penicillin V p.o dient der Elimination der Streptokokken, die Gabe von ASS oder vergleichbaren NSAR der Entzündungshemmung. Bei einer Herzbeteiligung sind Glukokortikoide zur Immunsuppression indiziert.

Eine Rezidivverhütung erfolgt bis zum 30. Lebensjahr durch regelmäßige intramuskuläre Injektion von Depotpenicillinen (z.B. Benzathin-Benzylpenicillin). Dadurch sollen zirkulierende Streptokokken dezimiert werden.

Für das weitere Leben ist eine Endokarditisprophylaxe bei medizinischen Eingriffen mit Blutung und Übertritt von Keimen in den Kreislauf indiziert. Diese kann beispielsweise mit der oralen Gabe von 2 g Amoxicillin eine Stunde vor dem Eingriff erfolgen.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

30 Wertungen (3.9 ø)

197.725 Aufrufe

Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: