Tonsillitis
Synonyme: Angina tonsillaris, Tonsillopharyngitis, Amygdalitis, Rachenangina, Mandelentzündung, Angina
Englisch: tonsillitis
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Als Tonsillitis bezeichnet man eine Entzündung der Tonsillen. In der Praxis ist der Begriff für die Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) reserviert.
2 Einteilung [bearbeiten]
Die Tonsillitis lässt sich nach mehreren Aspekten unterteilen:
2.1 ...nach zeitlichem Verlauf [bearbeiten]
- akut (Tonsillitis acuta)
- chronisch (Tonsillitis chronica)
- rezidivierend
2.2 ...nach Lokalisation [bearbeiten]
- einseitige (unilaterale) Tonsillitis
- beidseitige (bilaterale) Tonsillitis
2.3 ...nach klinischem Aspekt [bearbeiten]
- katarrhalische Angina: Rötung und Schwellung der Tonsillen
- follikuläre Angina: Stippchen auf den Krypten der Tonsillen
- lakunäre Angina: Rötung und konfluierende fibrinöse Beläge
2.4 ...nach Schweregrad [bearbeiten]
- einfache Tonsillitis
- eitrige Tonsillitis
- nekrotisierende Tonsillitis
3 Ätiologie [bearbeiten]
Die Tonsillitis ist eine Infektionskrankheit, die meist durch Bakterien, weniger häufig durch Viren (z.B. Adenoviren) ausgelöst wird. Die typischen Erreger sind:
Daneben spielen eine Rolle:
Viele dieser Keime gehören zur residenten Mundflora. Die Infektion wird jedoch meist durch neue Serotypen der Erreger ausgelöst, gegen die keine Immunität besteht. Als zusätzliche Faktoren können ein reduzierter Allgemeinzustand oder eine Immunschwäche hinzutreten.
Bei chronischer Tonsillitis liegt meist eine Mischinfektion mit anaeroben und aeroben Erregern vor.
4 Symptome [bearbeiten]
Bei unkompliziertem Verlauf einer Tonsillitis dominieren in der Regel die Lokalsymptome. Dazu zählen unter anderem:
- Geschwollene, gerötete Gaumenmandeln
- Schluckbeschwerden (Verengung des Isthmus faucium)
- Schleimhautulzerationen
- Eiter-, Fibrinbelag ("Stippchen")
- Foetor ex ore
- Lymphknotenschwellung
Bei schwererem Verlauf können weitere Symptome hinzutreten:
- Allgemeinsymptome (Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit)
- Scarlatiniformes Exanthem
Bei chronischer Tonsillitis sieht man zusätzlich Detritus.
5 Diagnose [bearbeiten]
Die Diagnose erfolgt in der Regel aus dem typischen klinischen Bild (Inspektion). Zur Sicherung der Diagnose gegebenenfalls zusätzlich:
- Streptokokken-Schnelltest
- Bakterienkultur aus Rachenabstrich
- Antikörper-Nachweis (Antistreptolysin-AK; Achtung: Anstieg erst nach Wochen)
6 Therapie [bearbeiten]
Die Therapie ist abhängig von der Ursache und vom Verlauf der Tonsillitis. In der Regel wird eine Kombination aus Lokal- und Allgemeinbehandlung eingesetzt.
Bei akuter Tonsillitis:
- Antibiotika (Penicillin)
- Analgetika (z.B. ASS, Ibuprofen)
- Rachenspülungen und Gurgeln mit Desinfizientien
- Pinselungen mit Antiseptika (z.B. Pyoktaninlösung)
- Schleimhautanästhetika, Mundpflege
- Bettruhe
- Halswickel (kalt, feucht)
Bei chronischer Tonsillitis:
- Antibiotikagabe
- Tonsillektomie
7 Differentialdiagnostik [bearbeiten]
Die Differentialdiagnostik sollte angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Tonsillitis eher um eine Bagatellerkrankung handelt, nicht vernachlässigt werden. Eine falsche Diagnose, z.B. das Verkennen einer Diphterie kann ggf. schwerwiegende Konsequenzen haben. Zu den wichtigsten DD zählen:
- Angina Plaut-Vincenti (einseitige, nekrotisierende Tonsillitis)
- Mononucleosis infectiosa
- Diphtherie
- Scharlach
- Syphilitischer Primäraffekt
- Herpangina
- Agranulozytose
- Tonsillenkarzinom
- Tuberkulose
8 Komplikationen [bearbeiten]
Die Komplikationen der Tonsillitis werden meist durch regionale Ausbreitung der Erreger in benachbarte anatomische Räume (Logen), durch hämatogene Streuung oder durch überschiessende Immunreaktionen verursacht. Typische Komplikationen sind:
Tags: Entzündung, Mandeln, Rachen, Tonsillen
Fachgebiete: Allgemeinmedizin
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