Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Syphilis

Synonyme: Lues, harter Schanker, Lues venerea, Maselsucht, Franzosenkrankheit (maladie française)
Englisch: syphilis

1 Definition

Die Syphilis ist eine durch Infektion mit Treponema pallidum hervorgerufene Geschlechtskrankheit. Sie gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STD).

2 Erreger

Treponema pallidum ist ein zu den Spirochäten zählendes Bakterium mit einer Länge von 7-20 Mikrometern. Der Mensch ist der natürliche Wirt von Treponema pallidum. Es sind keine weiteren Wirte für den Erreger bekannt.

3 Epidemiologie

Die Syphilis ist eine weltweit vorkommende Erkrankung. In Deutschland sank nach Einführung des Penicillins die Inzidenz der Syphilis erheblich. Die Zahl der Neuerkrankungen hielt sich nach dem Rückgang konstant bei ca. 1.100 neuen Fällen pro Jahr bundesweit. In der Folgezeit kam es wieder zu einem Anstieg der Fallzahlen. Zwischen 2004 und 2008 lagen die Meldezahlen für Syphilis zwischen 3.000 und 3.500 Fällen pro Jahr. Seit 2010 stieg die Zahl der Fälle noch einmal deutlich an. Im Jahr 2012 wurden dem RKI 4.410 Syphilis-Fälle gemeldet. Dabei sind insbesondere homosexuelle Männer in Großstädten betroffen. Ca. 4 von 5 Infektionsfällen entstehen durch Sexualkontakte unter Männern.[1] Aktuelle epidemiologische Daten sind auf den Seiten des RKI einzusehen.

Der Nachweis von Treponema pallidum ist meldepflichtig.

4 Übertragung

Die Übertragung der Syphilis erfordert engen körperlichen Kontakt. Prinzipell kann jede Art von Schleimhautkontakt zur Übertragung führen. Hauptübertragungsweg ist jedoch der (hetero- oder homosexuelle) Geschlechtsverkehr. Die Syphilis kann dabei auch durch Oralverkehr und Küssen übertragen werden. Der Erreger nutzt kleinste Haut- oder Schleimhautläsionen in Vagina, Mundhöhle oder Anus, um in den Körper einzudringen.

Ein weiterer möglicher Übertragungsweg sind kontaminierte Kanülen oder Blutprodukte. Der Syphilis-Erreger kann nach dem 4. Schwangerschaftsmonat auch diaplazentar auf das ungeborene Kind übertragen werden. Man spricht dann von einer Lues connata. Dieser Infektionsweg ist in Deutschland aufgrund der bestehenden Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft (Schwangerschaftsvorsorge) eher die Ausnahme.

Im Stadium I und II ist die Erkrankung deutlich ansteckender als im weiteren Krankheitsverlauf.

5 Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt 10 Tage bis 3 Monate. Die Syphilis lässt sich klinisch in 4 Stadien unterteilen.

5.1 Stadium 1

Ungefähr nach 3 Wochen Inkubationszeit bildet sich an der Eintrittsstelle des Erregers ein rötliches, leicht zu übersehendes Knötchen, das man Primäraffekt nennt. Dieses Knötchen entwickelt sich zu dem für das Primärstadium charakteristischen Primärkomplex den Ulcus durum. Es handelt sich dabei um ein schmerzloses, ca. 2 cm durchmessendes Geschwür mit hartem Rand, das in der Regel innerhalb von 3-7 Wochen unter Narbenbildung ausheilt. In diesem Geschwür kann man eine hohe Dichte an den schraubenförmigen Treponemen nachweisen und ist daher sehr ansteckend.

Auf das Ulcus durum folgend schwillt der regionäre Lymphknoten an. Diese Schwellung bleibt auch nach Abheilen des Ulcus durum für längere Zeit bestehen. Die Kombination aus Ulcus durum und Schwellung des regionären Lymphknotens, den man auch Satellitenbubo nennt, wird als Primärkomplex bezeichnet.

5.2 Stadium 2

Im Sekundärstadium macht sich die Syphilis durch eine Vielzahl von Hauterscheinungen und anderen Krankheitszeichen bemerkbar.

  • Lymphknotenschwellung: Die Lymphknoten sind generalisiert geschwollen (Polyadenopathie).
  • Condylomata lata: Intertriginös, vor allem im Genitalbereich, aber auch zwischen Fingern und Zehen, unter der Achsel und unter der Brust finden sich als Condylomata lata bezeichnete nässende Hautbereiche.
  • eitrige Tonsillitis: Eine eitrige Tonsillitis, die auch als Angina specifica bezeichnet wird.
  • Haarausfälle: Fleckenhaft verteilte Alopezien (Alopecia areolaris)

Die Symptomatik des Stadium II klingt in der Regel auch ohne Therapie nach 3 Wochen wieder ab. Eine nach dem Stadium II mögliche Verlaufsform der Syphilis sind unregelmäßig auftretende Rezidive:

  • Leukodermie im Halsbereich ("Halsband der Venus")
  • papulöse Syphilide an der Stirn-Haar-Grenze ("Stirnband der Venus")

Das Stadium II kann aber auch in die Latenz (Lues latens) münden. Als Latenz bezeichnet man die Zeit, in der nach Abheilen des Ulcus durum keine Krankheitserscheinungen vorliegen.

  • Frühlatenz: Es liegen bis zu 4 Jahre nach Krankheitsbeginn keine Symptome vor. Der Patient ist in dieser Phase als kontagiös anzusehen.
  • Spätlatenz: Die Zeit ohne Symptome nach der Frühlatenz. In dieser Phase gilt der Patient als nicht kontagiös. Allerdings kann in der Spätlatenz die Übertragung durch Blutspende und diaplazentar weiterhin erfolgen, da nicht auszuschließen ist, dass die Erreger in kleinen Mengen weiterhin in der Blutbahn zirkulieren.

Beide Phasen der Latenz können durch Auftreten von Symptomen der Stadien 2 und 3 jederzeit durchbrochen werden.

5.3 Stadium 3

Bei Durchbrechen der Latenz beginnt das Tertiärstadium der Syphilis. Im Tertiärstadium finden sich Erkrankungen innerer Organe wie Hepatitis, Aortenaneurysma, Syphilitische Mesoaortitis, Orchitis. Charakteristische Läsionen für das Tertiärstadium sind die Gummen, bevorzugt in Knochen und Haut.

Eine weitere Verlaufsform der Syphilis in diesem Stadium ist die Neurosyphilis.

5.4 Stadium 4

Die typischen Erscheinungsformen des Quartärstadiums der Syphilis sind die progressive Paralyse und die Tabes dorsalis.

5.5 Angeborene Syphilis (Lues connata)

Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ist eine Übertragung von der Mutter auf das Kind möglich. Eine Behandlung der Mutter vor diesem kritischen Termin kann eine Übertragung verhindern. In den meisten Fällen jedoch, kommt es zu einer Fehlgeburt oder das Neugeborene wird bereits totgeboren.

Bei einem Neugeborenen, das überlebt hat, kommt es zu einer Frühmanifestation der angeborenen Syphilis und es treten Symptome vor Vollendung des ersten Lebensjahres auf. Symptome sind Hepatomegalie, Splenomegalie und Pemphigus syphiliticus. Bei der Inspektion können sich die sogenannten Parrot-Furchen in den Mundwinkeln zeigen.

Bei Vorliegen einer Spätmanifestation treten Symptome der Lues connata erst bis zu 4 Jahre nach der Geburt auf. Klinisch finden sich unter anderem Wachstumsstörungen und die Hutchinson-Trias.

6 Diagnostik

Zur Diagnostik und Verlaufskontrolle der Syphilis stehen ausgereifte serologische Untersuchungen zur Verfügung.

Für das Screening findet der TPPA-Test bzw. TPHA-Test Verwendung. Er wird 2 Wochen nach Infektion positiv.

Bei positivem TPPA-Test dient der FTA-Abs-Test zur Bestätigung der Diagnose. Zur Verlaufskontrolle bei einsetzender und durchgeführter Therapie dient der VDRL-Test.

Bei Verdacht auf Neurosyphilis muss der ITPA-Index bestimmt werden. Dabei werden die Titer der im Serum nachgewiesenen Antikörper zu den im Liquor nachgewiesenen in Beziehung gesetzt werden.

siehe Hauptartikel: Lues-Serologie

6.1 Differentialdiagnostik

Man sollte an die Möglichkeit von Mehrfachinfektionen denken:

7 Therapie

Die Syphilis kann durch antibiotische Therapie erfolgreich geheilt werden.

Mittel der ersten Wahl ist das Penicillin G. Die Therapie muss hochdosiert über zwei Wochen erfolgen. Nach erfolgter Therapie ist in regelmäßigen Abständen eine Therapiekontrolle mithilfe des VDRL-Tests und Titerbestimmung im TPPA-Test durchzuführen.

Da die Abtötung der Treponemen schwere Formen der Jarisch-Herxheimer-Reaktion auslösen kann, muss vor der ersten Penicillin-Gabe stets ein hochdosiertes Glukokortikoid wie Prednisolon appliziert werden.

7.1 Primär-/Sekundärstadium

7.2 Späte oder unbekannte Stadien

  • Benzathinpenicillin G: 2,4 Mio IU i.m. an den Tagen 1, 8, 15
  • Bei Neurosyphilis sind höhere Penicillindosen erforderlich.
  • Bei Penicillinallergie:
    • Doxycyclin: 2 x 100 mg p.o. (28 Tage)
    • Erythromycin: 4 x 500 mg p.o. (28 Tage)

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7.3 Behandlung der Sexualpartner

Bei Sexualkontakten innerhalb eines Zeitraumes von 90 Tage vor Diagnosestellung einer primären, sekundären oder Lues im frühen Latenzstadium Mitbehandlung des Partners. Bei HIV-positiven Patienten stationäre Behandlung.

8 Geschichte

Es gilt heute als gesichert, dass Syphilis ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent vorkam und durch die Expeditionen des Kolumbus nach Europa eingeschleppt wurde.

9 Quellen

  1. Epidemiologisches Bulletin Nr. 44 des RKI vom 4.11.2013

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

69 Wertungen (4.12 ø)
Teilen

440.731 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Sprache:
DocCheck folgen: