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Gonorrhö

(Weitergeleitet von Gonorrhoe)

Synonym: Tripper, Gonorrhoea, GO, Gonorrhoe
Englisch: gonorrhea

1 Definition

Die Gonorrhö (GO) ist eine durch Infektion mit Neisseria gonorrhoeae hervorgerufene sexuell übertragbare Erkrankung (STD). Der Erreger wurde 1879 von Albert Neisser entdeckt.

2 Erreger

Neisseria gonorrhoeae ist ein gramnegatives diplokokkenförmiges Bakterium. Bei Infektion siedelt sich der Erreger in den Schleimhäuten an. Mögliche Eintrittspforten sind daher neben den Geschlechtsorganen (v.a. Urethra, Cervix uteri) auch der Pharynx, das Rektum und die Konjunktiva. Der Mensch ist der einzige Wirt für Neisseria gonorrhoeae. Die Inkubationszeit beträgt 3-10 Tage.

2.1 Übertragung

Der Erreger der Gonorrhö ist gegenüber äußeren Einflüssen sehr empfindlich. Eine Infektion ist daher nur bei ungeschütztem Schleimhautkontakt, hauptsächlich in Form von Geschlechtsverkehr möglich.

Bei Kontakt erregerhaltiger Substanzen mit der intakten Haut ist in der Regel keine Infektion zu befürchten. Gonokokkeninfekte bei Kindern sind daher hoch verdächtig auf Kindesmissbrauch.

3 Epidemiologie

Die Gonorrhö war bis zur Einführung der Antibiotika in die Therapie eine gefürchtete Geschlechtskrankheit. Die Inzidenz der Gonorrhö nahm in den fünfziger Jahren deutlich ab.

Durch Nachlässigkeiten (ungeschützter Geschlechtsverkehr jeglicher Art, Mitinfektion von Partnern bei Untreue in der Beziehung) bleibt die Gonorrhö jedoch eine stets in differentialdiagnostische Überlegungen einzubeziehende Erkrankung.

Laut einem Bericht der WHO (Juni 2012) gewinnt, durch die zunehmende Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregerstämmen (insbesondere gegen Cephalosporine), die Gonorrhö als Krankheitsbild weltweit wieder an Bedeutung.

4 Klinik

Die Gonorrhö manifestiert sich bei Mann und Frau unterschiedlich. Je nach Eintrittspforte kann es zunächst auch zu Affektionen in atypischer Lokalisation (z.B. Pharyngitis) kommen.

4.1 Gonorrhö des Mannes

Beim Mann äußert sich die Gonorrhö zunächst in Form einer Urethritis. Die Urethritis äüßert sich durch den Ausfluss von gelb-grünlichem Eiter (oft morgens als sog. "Bonjour-Tröpfchen"). Die Öffnung der Urethra ist meistens gerötet, die Miktion schmerzhaft (Dysurie, Algurie).

Bei Aufsteigen des Erregers durch der Urethra kann es zur entzündlichen Beteiligung des Epididymis und der Prostata kommen. Ein in diesem Rahmen entstehender Verschluss der Samenkanälchen des Nebenhodens kann eine Infertilität bedingen.

Ein asymptomatischer Verlauf findet sich bei ca. einem Fünftel der betroffenen Männer.

4.2 Gonorrhö der Frau

Bei der Frau ist ein zunächst asymptomatischer Verlauf der Gonorrhö üblich (bis zu 70 % der Fälle). Die zunächst entstehende Urethritis und Cervicitis mit Dysurie wird von betroffenen Patienten häufig als banale Beschwerde fehlgedeutet.

Im weiteren Verlauf kommt es dann in ca. einem Viertel der Fälle allerdings zur aufsteigenden Infektion mit entzündlicher Beteiligung der inneren Geschlechtsorgane (Salpingitis, Oophoritis, Endometritis) und des Peritoneums. Folge ist häufig eine Tubensterilität.

Eine Vaginitis ist im Rahmen der Gonorrhö bei der erwachsenen Frau nicht möglich, da das vaginale Epithel nicht durch den Erreger durchdrungen wird.

4.3 Gonorrhö des Neugeborenen

Während des Durchtritts durch den Geburtskanal kann sich das Neugeborene bei der Mutter infizieren, wenn diese an einer Gonorrhö leidet. Häufig sind auch Chlamydien beteiligt. Die Infektion äußert sich dann als Gonokokken-Konjunktivitis (Gonoblenorrhö). Bei Neugeborenen wird deshalb bei Bedarf eine Credé-Prophylaxe durchgeführt.

4.4 Extragenitale Infektion

Durch Infektionen im Rahmen von Oral- und Analverkehr entsteht eine Pharyngitis bzw. Proktitis.

4.5 Generalisierte Gonorrhö

Eine hämatogene Aussaat der Erreger ist bei der Gonorrhö unüblich (1% der Fälle). Prädisponierende Faktoren sind dabei die Infektion mit bestimmten Stämmen von N. gonorrhoeae und Immundefekte.

Symptome einer generalisierten Infektion sind:

5 Diagnostik

Wegweisend ist der direkte lichtmikroskopische Nachweis des Erregers. Dazu wird das Sekret der Urethra bzw. der Zervix auf einem Objektträger ausgestrichen, hitzefixiert und mit der Gram-Färbung oder Methylenblau angefärbt.

Unter dem Lichtmikroskop sind dann zwischen Granulozyten gelegene Diplokokken zu erkennen.

Zur Sicherung der Diagnose sollte ein Abstrich entnommen und der mikrobiologischen Diagnostik (Anzucht in Kultur) zugeführt werden. Da die Erreger rasch absterben, schließt ein negativer kultureller Befund eine GO nicht aus. Eine Molekulargenetische Untersuchung ist im Zweifelsfalle aussagekräftiger; sie wird inzwischen von vielen Laboratorien angeboten.

5.1 Koinfektion

Eine Gonorrhö tritt häufig zusammen mit einer genitalen Chlamydieninfektion auf. Diese sollte daher im Rahmen der Diagnostik immer ausgeschlossen werden.

Der Patient sollte auf die Möglichkeit einer gleichzeitig zugezogenen Syphilis und/oder HIV-Infektion hingewiesen werden.

6 Therapie

Neisseria gonorrhoeae verfügt über ausgezeichnete Mechanismen der Resistenzentwicklung, was eine wirksame antimikrobielle Standardtherapie erschwert. Ein Resistenztest ist daher empfehlenswert. In Deutschland ist das Cephalosporin Cefixim das Mittel der ersten Wahl. 400 mg als Einzeldosis reichen meistens aus, um die Erreger zu eliminieren.

Bei einem Verlauf ohne Komplikationen ist alternativ die orale Gabe von Ciprofloxacin (Chinolon) oder Spectinomycin (Aminoglykosid) über einen ausreichend langen Zeitraum wirksam. Bei Problemen bezüglich der Compliance ist eine parenterale Therapie mit Ceftriaxon (Cephalosporin) zu empfehlen.

Die Gabe von Penicillin G bzw. Penicillin V ist nicht zu empfehlen, da insbesondere in Großstädten (z.B. London) viele Antibiotikaresistenzen bestehen. Auch gegen Cephalosporine und Chinolone treten weltweit mehr und mehr Resistenzen auf.

Komplizierte Verläufe erfordern die parenterale Gabe von möglichst breit wirksamen Antibiotika, die möglichst auch gegen Chlamydien wirken.

7 Meldepflicht

Die GO gehört aktuell (2015) nicht zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Es wird jedoch erwogen, dies wieder einzuführen.

8 Konsiliarlabor

Das Konsililabor für Gonokokken-Erkrankungen in Deutschland ist angesiedelt am Vivantes-Klinikum Neukölln, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Rudower Str. 48, 12351 Berlin. Das Labor sammelt Isolate von N. gnorrhoeae, um die Resistenzentwicklung zu beobachten (GORENET).

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