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Impfung

Synonyme: Vakzination, Schutzimpfung
Englisch: protective immunization

1 Definition

Unter einer Impfung versteht man die Gabe von Impfstoffen (Vakzine) oder Immunseren mit dem Ziel, den Organismus gegen eine Infektionskrankheit immun zu machen (Immunisierung).

2 Immunisierung

Man unterscheidet zwei Arten der Immunisierung:

  • aktive Immunisierung
  • passive Immunisierung

Je nach Krankheit, gegen die eine Immunität erreicht werden soll, wird bei der Impfung von einem der beiden Arten Gebrauch gemacht. Wird zugleich sowohl aktiv, als auch passiv immunisiert, spricht man von einer Simultanimpfung.

2.1 Aktive Immunisierung

Bei der aktiven Immunisierung wird das Immunsystem des Geimpften mit Antigenen konfrontiert, damit es "aktiv" Antikörper gegen diese Antigene entwickelt. Das kann auf verschiedene Weisen geschehen, z.B. durch Gabe von

  • Lebendimpfstoffen, die vermehrungsfähige, aber attenuierte, d.h. abgeschwächte Erreger enthalten. Die Folge ist eine abgeschwächte Erkrankung.
  • Totimpfstoffen, die nicht mehr vermehrungsfähige bakterielle oder virale Antigene, bzw. inaktivierte Toxine von Bakterien enthalten.

Die Gabe der Erreger bzw. Antigene erfolgt in der Regel parenteral per Injektion. Eine andere Option ist die lokale Gabe, ohne dass eine Läsion der Haut- oder Schleimhautbarriere erfolgt. Beispiele dafür sind die Schluckimpfung oder die nasale Immunisierung.

Unabhängig von der gewählten Methode ist es das Ziel, einen lange anhaltenden Schutz gegen die jeweiligen Erreger zu gewinnen.

2.2 Passive Immunisierung

Bei der passiven Immunisierung werden dem Patienten parenteral gereinigte Antikörper gegen das Antigen gegeben, die von einem anderen Patienten oder einem Tier stammen oder die gentechnisch hergestellt wurden. Das erfolgt durch Gabe von

  • Immunglobulinen, d.h. spezifischen Antikörpern gegen eine Infektionskrankheit
  • Serum mit Antikörpern (von schon immunisierten Menschen oder Tieren).
  • Antitoxinen

Ziel ist es, einen sofortigen Schutz gegen die jeweilige Erkrankung zu erzielen, z.B. weil die Infektion bereits stattfand.

3 Verabreichungsformen

Die Gabe von Impfstoffen kann je nach verwendetem Impfstoff auf folgenden Wegen erfolgen:

4 Indikationsformen bei Impfungen

4.1 Impfempfehlungen der STIKO

In Deutschland besteht keine Impfpflicht, jedoch werden Impfungen für bestimmte Erkrankungen ab dem Säuglingsalter empfohlen. Grundlage für die öffentlich von den Bundesländern empfohlenen und im Regelfall bei allen kinderärztlich betreuten Kindern angebotenen Impfungen sind die jeweils aktuellen Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut). Durchgeführte Impfungen werden in einem Impfausweis mit verwendeter Chargennummer dokumentiert.

In den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO finden sich unter anderem auch Hinweise zur Durchführung einzelner Impfungen, zu ärztlichen Pflichten bei der Impfung, Kontraindikationen für Impfungen und zum Vorgehen bei Verdacht auf Impfreaktionen oder -komplikationen.

4.2 Auffrischungsimpfungen und Indikationsimpfungen

Weiterhin werden sogenannte Auffrisch-Impfungen (z.B. 10 Jahre nach der letzten Tetanus-Impfung) und Indikationsimpfungen (z.B. FSME-Impfung bei exponierten Personen, Grippeimpfung, Hepatitis-B-Impfung bei Neugeborenen infizierter Mütter) unterschieden. Zu den Indikationsimpfungen gehören auch die Reiseimpfungen und die Impfungen bei beruflicher Gefährdung.

4.3 Kombinationsimpfungen

Häufig wird im Rahmen eines Impfprogrammes auf eine Kombinationsimpfung zurückgegriffen, die mit einer Impfung gegen mehrere Krankheitserreger immunisiert (z.B. MMR-Schutzimpfung). Dabei wird die Anzahl unangenehmer Injektionen verringert.

4.4 Riegelungsimpfungen

Eine aus epidemiologischen und präventiven Gesichtspunkten erfolgende Indikation zur Impfung ist die sogenannte Riegelungsimpfung, durch die eine Herdenimmunität bewirkt und die Ausbreitung eines lokalen Krankheitsausbruchs bekämpft werden soll (z.B. Hepatitis-A-Impfung).

5 Standardimpfungen

5.1 Kinderimpfungen gemäß STIKO

1. Lebensjahr:

2. Lebensjahr:

Grundschule:

Mittelstufe:

  • 2 x Varizellen (bei neg. Anamnese), 3 x HPV bei Mädchen
  • 1 x Polio bis zum 18. Lebensjahr als Auffrischung
  • FSME alle 5 Jahre

5.2 Erwachsenenimpfungen

< 60 Jahre:

  • alle 10 Jahre Diphterie, Pertussis, Tetanus
  • alle 5 Jahre FSME (in Endemiegebieten)
  • ggf. Schutzimpfung gegen Masern

> 60 Jahre:

  • alle 5 Jahre Diphterie, Pertussis, Tetanus
  • alle 3 Jahre FSME (in Endemiegebieten)
  • jährlich Influenza
  • 1 x Herpes zoster
  • 1 x Pneumokokken

5.3 Reiseimpfungen

5.4 Fakultative Impfungen

6 Nebenwirkungen und Komplikationen

Impfstoffe werden vor ihrer Zulassung in aufwendigen, multizentrisch ausgelegten Studien auf Wirksamkeit und Verträglichkeit geprüft. Die Wirksamkeit und Komplikationsraten werden 5-jährlich neu bewertet. Bei Vorliegen eines Verdachts auf eine Impfkomplikation besteht eine Meldepflicht. Impffolgen öffentlich empfohlener Impfungen werden vom Bundesland getragen.

Bei den derzeit (2014) von der STIKO empfohlenen Impfungen ist bei Beachtung von Kontraindikationen und Empfehlungen zur Durchführung die Sicherheit von Impfungen gewährleistet.

Aktuelle Informationen zu Nebenwirkungen und Komplikationen, Grundlageninformationen und wissenschaftliche Übersichten sind jederzeit auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts verfügbar:

7 Impfmüdigkeit

Die mangelnde Bereitschaft zur Inanspruchnahme von Impfungen nennt man Impfmüdigkeit.

8 Impfkalender

9 Weblinks

  1. Informationen zum Impfen auf der Website des Robert Koch-Instituts (RKI)
  2. The Pink Book - Standardwerk zu Impfungen des CDC als kostenloser Download (PDF, zip-Archiv) oder kostenpflichtige Bestellung (Printversion)

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