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Streptococcus pneumoniae

Synonym: Pneumokokken
Englisch: Streptococcus pneumoniae, pneumococcus

1 Definition

Streptococcus pneumoniae ist ein Bakterium und gehört zu der Gattung der Streptokokken.

2 Krankheitsbilder

Streptococcus pneumoniae ist ein klassischer Erreger von Pneumonien, besonders der Lobärpneumonie. Die Bakterien breiten sich entlang der Kohn-Poren aus, deshalb begrenzt sich die Entzündung auf einen Lungenlappen. Weitere Krankheitsbilder sind Sinusitis, Rhinitis, eitrige Meningitis bei Erwachsenen und Otitis media. Auch das Ulcus serpens corneae kann durch Streptococcus pneumonie verursacht werden. In seltenen Fällen ist eine Pneumokokken-Infektion Ursache einer Appendizitis oder Peritonitis. Besonders gefährdet sind Patienten nach einer Splenektomie.

3 Eigenschaften

Folgend sind wichtige Eigenschaften von Streptococcus pneumoniae zusammenfassend dargestellt.

3.1 Mikroskopie

Lichtmikroskopisch stellen sich Pneumokokken als Diplokokken dar. In der Gram-Färbung erscheint Streptococcus pneumoniae grampositiv.

3.2 Kulturelle Anzucht

Auf Blutagar gezüchtet zeigt Streptococcus pneumoniae eine typische Koloniemorphologie mit glatten grau-weißen und rundlichen Kolonien mit charakteristischer zentraler Eindellung. Pneumokokken betreiben Vergrünung. Das Bakterium vermehrt sich auch unter anaeroben Bedingungen. Zur Differenzierung von in Kultur gezüchteten Streptococcus pneumoniae von anderen Streptokokken dienen die Gallelöslichkeit und der Optochin-Test.

Pathogene Pneumokokken besitzen eine Schleimkapsel, die ihnen einen Schutz vor Phagozytose bietet. In der kulturellen Anzucht führt die Schleimkapsel zu einem schleimig glänzenden Aussehen. Apathogene Stämme erscheinen dagegen rauh.

3.3 Pathogenitätsfaktoren

3.4 Vorkommen

Pneumokokken kommen beim Menschen, Affen, Ratten und anderen Nagetieren vor. Unbekapselte Stämme kolonisieren die Rachenschleimhaut bei über 50% der Menschen.

4 Labordiagnostik

Zur Untersuchung können Sputum, Blut (Blutkulturen) und - im Falle einer Meningitis - Liquor herangezogen werden. Da Pneumokokken rasch absterben, muss das Material für eine Anzucht schnell in das Labor gebracht werden. Häufig gibt schon das Grampräparat einen Hinweis auf den Erreger. Die molekulargenetische Untersuchung ist möglich, aber nicht weit verbreitet.

Für die schnelle Diagnostik des Erregers in der Arztpraxis oder auf Station stehen Antigendirektnachweise zur Verfügung, die jedoch mangels Sensitivität die Mikroskopie und Anzucht im Labor nicht ersetzen können. Bei diesen Schnelltesten wird Pneumokokkenantigen im Urin nachgewiesen (analog zum Legionellenschnelltest).

5 Antibiotika

Streptococcus pneumoniae ist empfindlich gegenüber Penicillin G und anderen Beta-Laktam-Antibiotika. Cephalosporine, vor allem Cefuroxim, Cefaclor, Cefpodoxim, Cefotaxim und Ceftriaxon haben in der Regel eine gute Aktivität gegen Pneumokokken. Auch Makrolide (Clarithromycin, Roxithromycin, Azithromycin) und das Ketolid Telithromycin sind wirksam gegen Pneumokokken.

In Deutschland kommen resistente Stämme von Streptococcus pneumoniae selten vor. In Frankreich, den USA und Spanien sind jedoch bereits bis zu einem Drittel der isolierten Stämme als intermediär oder resistent eingestuft worden.

Neben Beta-Laktam-Antibiotika wird auch Doxycyclin von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft empfohlen. Alternativ können auch neuere Fluorchinolone wie Levofloxacin, Moxifloxacin eingesetzt werden, nicht aber Ciprofloxacin.

In bestimmten Fällen können auch Sulfamethoxazol, Clindamycin, Chloramphenicol, Rifampicin, Vancomycin und Linezolid gegeben werden.

6 Impfung

Für Aspleniker, Immunsupprimierte, Patienten mit chronischen Lungen- und Herzerkrankungen, Diabetes mellitus und alte Patienten (60+) ist eine Impfung zu empfehlen. Der Konjugat-Impfstoff enthält die Polysaccharide der am häufigsten vorkommenden Kapseltypen.

Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird die Impfung gegen Pneumokokken für alle Kinder bis 24 Monate empfohlen. Bei Vorliegen bestimmter Grunderkrankungen sollten Kinder vom vollendeten 2. Lebensjahr bis zum vollendeten 5. Lebensjahr mit einem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden.

7 Weblinks

Nationales Referenzzentrum für Strepptococcus pneumoniae an der RWTH Aachen

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