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Antibiotikaresistenz

Synonym: Bakterielle Resistenz
Englisch: antibiotic resistance

1 Definition

Unter Antibiotikaresistenz versteht man die Widerstandsfähigkeit von Bakterien gegen Antibiotika. Bei resistenten Bakterien führt die Behandlung mit einem bestimmten oder mehreren Antibiotika nicht zum Absterben bzw. der Wachstumshemmung der Bakterien.

Vergleichbare Resistenzen treten auch bei Pilzen, Viren, Protozoen und Parasiten auf.

2 Arten der Antibiotikaresistenz

2.1 Primäre Resistenz

Als primär wird eine Resistenz bezeichnet, wenn ein Antibiotikum bei einer bestimmten Gattung oder Spezies eine Wirkungslücke besitzt. So wirken beispielsweise Cephalosporine nicht bei Enterokokken (sog. Enterokokkenlücke), Ampicillin und Tigecyclin nicht bei Pseudomonas aeruginosa

2.2 Sekundäre Resistenz

Diese Form der Resistenz zeichnet sich durch den Verlust der Wirksamkeit eines Antibiotikums bei einem primär nicht resistenten Bakterium aus. Sie kann spontan durch Mutation oder durch Übertragung entstehen.

2.3 Kreuzresistenz

Die Kreuzresistenz ist die Unempfindlichkeit einer Bakterienart gegenüber zwei oder mehreren Antibiotika, die eine ähnliche chemische Struktur oder den gleichen Wirkmechanismus besitzen. Eine Kreuzresistenz besteht beispielsweise zwischen Penicillinen und Cephalosporinen. Beide Antibiotikaklassen ähneln sich chemisch und hemmen die Enzyme, die für die Zellwandsynthese der Bakterien verantwortlich sind.

2.4 Parallelresistenz

Eine Parallelresistenz ist die Unempfindlichkeit gegenüber Wirkstoffen der gleichen Antibiotikaklasse. Der Begriff wird aber auch als Synonym für Kreuzresistenz verwendet.

2.5 Multiresistenz

Eine Multiresistenz (Polyresistenz) ist die Unempfindlichkeit gegenüber mehreren Antibiotika verschiedener Klassen. Mehrfachresistente Keime sind Problemkeime und potentielle Auslöser von Hospitalinfektionen. Beispiele sind MRSA, MRGN, VRE, 3GCREB und XDR-Tb. Die typischen Erreger werden auch mit dem Akronym ESKAPE zusammengefasst.

Beim Nachweis Multiresistenter Erreger müssen häufig Reserveantibiotika eingesetzt werden.

3 Resistenzmechanismen

4 Genetik

Die Grundlage der Antibiotikaresistenz wird durch Resistenzgene gelegt, die auch in Form von Plasmiden von einem Erreger auf einen anderen übertragen werden. Bestimmte Erreger (z.B. MRSA) können eine Vielzahl verschiedener Resistenzgene besitzen. Die Gesamtheit aller Antibiotika-Resistenzgene eines Erregers wird als Resistom bezeichnet.

5 Resistenzbestimmung

Die Antibiotika-Resistenzbestimmung erfolgt in einem mikrobiologischen Labor. Es werden in der Regel automatisierte und in jedem Fall standardisierte Verfahren angewendet. In Europa werden meistens die Normen des European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) angewendet. Nach der Resistenzbestimmung werden die nachgewiesenen Keime als S - sensibel, I - Intermediär oder R - resistent bezeichnet. Die Resistenzbestimmung dient dem Mikrobiologen und dem behandelnden Arzt zur Auswahl einer gezielten antibiotischen Therapie.

6 Epidemiologie

Die quantitative und qualitative Zunahme von Antibiotikaresistenzen stellt ein ernstzunehmendes Problem dar. In Deutschland wurde 2007 das Projekt "Antibiotikaresistenz Surveillance (ARS)" am Robert-Koch-Institut eingerichtet, um Resistenzdaten zu erheben.

Interessanterweise sind die Resistenzraten in ärmeren Ländern besonder hoch, siehe z.B. die Neu-Delhi Metallo-Beta-Laktamase 1 in Indien. In Europa besteht ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle bei den Resistenzdaten, in Griechenland oder Spanien ist der Anteil resistenter Bakterien um ein mehrfaches höher als in Skandinavien. Deutschland nimmt hier eine Mittelstellung ein.

Es existieren gute Daten dazu, dass Antibiotiaeinsatz und Resistenzentwicklung eng korrelieren: "the more you use it, the quicker you loose ist". Daher werden Anstrengungen unternommen, den nicht adäquaten Einsatz von Antibiotika, z. B. in der Tierhaltung, aber auch in der Humanmedizin, zu verringern. Mit dem Schlagwort "Antibiotic Stewardship" werden Initiativen bezeichnet, die für mehr Kompetenz bei der Antibiotikaverordnung sorgen sollen. [1]

7 Quellen

  1. Kern WV, de With K: Rationale Antibiotikaverordnung. Bundesgesundheitsbl 2012; 55: 1418–1426

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