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Pertussis

Synonyme: Keuchhusten, Stickhusten, Tussis convulsiva
Englisch: whooping cough

1 Definition

Pertussis ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst wird.

2 Symptome

Die Erkrankung beginnt in der Regel mit typischen Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen und leichtem Fieber. Diese Symptome können bis zu 2 Wochen andauern (Stadium catarrhale) und werden dann von einem immer schwerer werdenden Husten (Stadium convulsivum) abgelöst. Das voll entwickelte Krankheitsbild ist durch die typischen Hustenanfälle geprägt.

Es kommt zu heftigen stakkatoartigen Hustenstößen mit herausgestreckter Zunge in Salven von 15-20. Dabei wird ein zäher, glasiger Schleim herausgewürgt. Diagnostisch wichtig sind auch die inspiratorisch hörbaren keuchenden Geräusche. Eine Zyanose ist oft sichtbar, die durch die anhaltende Luftnot entsteht. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Stimmlippenkrampf kommen, was zur Apnoe führt. Die Hustenattacken können bis zum Erbrechen führen und - vor allem bei Erwachsenen - auch nach Abklingen der Infektion noch mehrere Wochen anhalten.

Im Blutbild findet man eine absolute Lymphozytose mit einer Zellzahl von 20.000 oder mehr. Bei Kindern mit leichten Verlaufsfällen kann die Lymphozytose fehlen.

3 Diagnostik

3.1 Kulturnachweis

Beweisend ist die Anzüchtung von Bordetella pertussis aus dem Rachenabstrich in der Kultur. Während die Spezifität des Kulturnachweises bei 100% liegt, wird die Sensitivität mit maximal 30-60% angegeben - oft liegt sie deutlich darunter. Die Anzüchtung von Bordetella pertussis dauert in der Regel 3-5 Tage und ist deshalb für das weitere therapeutische Vorgehen selten relevant.

3.2 Pertussis-PCR

Die Pertussis-PCR wird zunehmend als Ersatz des Kulturnachweises empfohlen. Die Sensitivität liegt zwischen 90 und 95%. Die Nachweisgrenze wird mit 10-100 koloniebildenden Einheiten/Tupfer angegeben. Die DNA wird aus Nasopharyngealabstrichen oder Sekretproben aus anderen Atemwegsabschnitten gewonnen. Da durch Kreuzreaktionen oder Kontamination falsch positive Befunde auftreten können, benötigt der Test allerdings ein entsprechend qualifiziertes Labor.

3.3 Serologie

Die Serologie kann bei Pertussis widersprüchliche Ergebnisse erbringen und ist - auch wenn sie positiv ausfällt - nicht beweisend. Bei der Serum-Diagnostik werden ELISA- und Western-Blot-Tests eingesetzt. Deutlich erhöhte Titer im IgM-ELISA (>14 U/ml) bzw. im IgG-ELISA (>30 U/ml) weisen auf eine frische Infektion hin. Sie können aber auch durch eine Impfung bedingt sein. Bei nicht geimpften Kindern kann zusätzlich ein IgA-ELISA durchgeführt werden. Nach einer Impfung werden keine IgA-Antikörper mehr gebildet.

4 Therapie

Die Behandlung erfordert - vor allem bei Kindern und Patienten mit schwerer Symptomatik - häufig einen stationären Aufenthalt. Die Therapie der Wahl ist die Antibiotikagabe, in der Regel Erythromycin (40-50 mg/kg KG über 14 Tage). Als Alternative kommt die Therapie mit neueren Makrolidantibiotika wie Azithromycin (10-12mg/kg KG) oder Clarithromycin (15-20 mg/kg KG) in Frage.

5 Prävention

Keuchhusten kann durch eine rechtzeitige Impfung verhindert oder der Krankheitsverlauf deutlich abgemildert werden. Die Impfung erfolgt gewöhnlich mit Kombinationsimpfstoffen, die gleichzeitig gegen Diphterie und Tetanus immunisieren (DTP-Impfung).

Die Grundimmunisierung (bestehend aus 3 Impfungen) führt nicht zu einer dauerhaften Immunisierung. Im Durchschnitt können Antikörper bis etwa 5 Jahre nach der Impfung nachgewiesen werden. Eine regelmäßig Auffrischung, besonders für Frauen mit Kinderwunsch, wird von der STIKO empfohlen.[1] Nach der Grundimmunisierung liegt laut RKI bei über 80% ein Immunschutz vor.[2]

Eine bereits durchgestandene Infektion führt nicht zu einer lebenslangen Immunität. Bei entsprechender Symptomatik ist es also auch bei geimpften und zuvor bereits erkrankten Personen ratsam, auf eine Infektion mit Bordetella pertussis zu testen.

6 Komplikationen

Die häufigsten Komplikationen sind Pneumonien (15-20 %) und Otitis media, die durch eine Sekundärinfektion mit Haemophilus influenzae oder Pneumokokken verursacht werden. Sekundärinfektionen lassen sich an einem Fieberanstieg und Anstieg der Entzündungsparameter im Blut (BSG, CRP und Leukozytenzahl) erkennen. Außerdem kann es zur Aspirationspneumonie und zum Pneumothorax kommen. Auch Krampfanfälle sind mit etwa zwei bis vier Prozent eine nicht ungewöhnliche Komplikation.

Durch den Stakkatohusten kann es zur Ruptur von Konjunktivalgefäßen kommen (Hyposphagma).

7 Weblinks

8 Quellen

  1. Epidemiologisches Bulletin Nr. 31 2009 Robert Koch Institut
  2. FAQ Pertussis-Impfung Robert Koch Institut
Gast
Der leider ca 2006 vom Markt genommene monovalente Pertussis-Impfstoff heißt "Pac Mérieux"
#1 vor 9 Minuten von Gast (Arzt)

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