Neurodermitis
Synonyme: atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem
Englisch: neurodermatitis
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Die Neurodermitis ist eine chronisch-rezidivierende Hauterkrankung, die zum Formenkreis der atopischen Krankheiten gehört.
2 Pathogenese [bearbeiten]
Die Pathogenese der Neurodermitis ist nicht vollständig geklärt und daher Gegenstand intensiver Grundlagenforschung. Zur Zeit (2009) geht man von einem multifaktoriellen Prozess aus. Als mögliche Auslöser werden diskutiert:
- Dysregulation des Hautimmunsystems
- Störungen des neurovegetativen Systems
- Anomalien der epidermalen Hornschicht, z.B. verminderte Wasserbindungsfähigkeit bzw. verringerte Talgdrüsenaktivität.
Darüber hinaus schreibt man den Neuropeptiden eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Neurodermitis zu. Psychische Belastungen oder Stress können die Intensität der Erkrankung steigern.
Ein weiterer Punkt ist der Verdacht das die Neurodermitis durch Quecksilber (z.B. in Amalgam-Plomben der Mutter), welches intrauterin übertragen wurde, ausgelöst wurde.
Ein erblicher Einfluss ist vorhanden. Die Neurodermitis wird wahrscheinlich polygen vererbt. Besonders auffällig sind Erbgutveränderungen auf Chromosom 11. Bei Neurodermitikern ist hier das Gen C11orf30 verändert, das die Bauanleitung für das Protein EMSY enthält.
3 Triggerfaktoren [bearbeiten]
Substanzen oder Situationen, die einen "Schub" der Erkrankung auslösen können sind:
- Textilien aus Wolle oder Synthetik
- Umgang mit Reinigungsmitteln
- Kontakt zu Umweltallergenen (Tierhaare, Pollen etc.)
- bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln (z.B. Milch, Zitrusfrüchte etc.)
- Stress
- Schweiß
4 Klinisches Bild [bearbeiten]
Im Säuglingsalter bietet der sogenannte Milchschorf einen ersten Anhalt für den Verdacht einer Neurodermitiserkrankung.
Bei Kleinkindern läßt sich ein bevorzugter Befall der Beugeseiten der Extremitäten sowie von Hals und Gesicht nachweisen. Es besteht quälender Juckreiz, was die Kinder zum "Aufkratzen" der betroffenen Hautstellen bewegt und zu Komplikationen führen kann. Die häufigsten Hauteffloreszenzen sind hier: Erytheme, trockene Hautschuppung und Papeln.
Auch im Erwachsenenalter sind bevorzugt die Extremitätenbeugeseiten, das Gesicht und der Hals betroffen. Dominierende Symptome sind Juckreiz, erythemato-squamöse Hauteffloreszenzen, Papeln und Lichenifikation der stark reizbaren und trockenen Haut.
Als Nebenbefunde kann man bei einigen Patienten das Herthoge-Zeichen und Dennie-Morgan-Falten an den Unterlidern finden.
5 Komplikationen [bearbeiten]
Besonders an den aufgekratzten Hautstellen besteht die Gefahr einer Superinfektion mit Staphylococcus aureus und Herpes-simplex-Viren. Herpesviren können das Krankheitsbild des Ekzema herpeticatum hervorrufen.
6 Diagnostik [bearbeiten]
Wegweisend ist die typische Anamnese und das klassische klinische Bild (Juckreiz, Beugeseiten betroffen, chronisch schubweiser Verlauf). Weitere Hinweise sind ein erhöhter IgE-Spiegel sowie der weiße Dermographismus.
7 Therapie [bearbeiten]
Der wichtigste Behandlungsansatz ist die Vermeidung von auslösenden Substanzen (keine Wolle, Handschuhe beim Umgang mit Reinigungsmitteln etc.) und mechanischer Reizung der Haut. Um die Trockenheit der Haut zu reduzieren, kann man zur Hautpflege Ölbäder und harnstoffhaltige Cremes applizieren.
Im akuten "Schub" sind Antihistaminika zur Minderung des Juckreizes und lokale Glukokortikoide sinnvoll. Bei letzeren ist zu beachten, daß sie nicht über längere Zeit angewendet werden dürfen, da die Gefahr einer Hautatrophie besteht.
Einen weiteren Behandlungsansatz stellt die Eradikation von Staphylococcus aureus durch Balneotherapie mit Chlorbleiche (Natriumhypochlorit-Lösung) und Mupirocin dar. Durch die desinfizierende Wirkung der Chlorbleiche werden Staph. aureus-Errger, welche die Neurodermitis-Läsionen besiedeln, abgetötet und die Symptome vermindert.[1]
8 Quellen [bearbeiten]
- ↑ Huang, JT; Abrams M., Tlougan B., Rademaker, A., Paller AS (2009). "Treatment of Staphylococcus aureus Colonization in Atopic Dermatitis Decreases Disease Severity.". Pediatrics 123 (5): 808-14.
Tags: Haut, Immunsystem, Jucken, Kratzen
Fachgebiete: Dermatologie
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