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Neurodermitis

Synonyme: atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem
Englisch: neurodermatitis

1 Definition

Die Neurodermitis ist eine chronisch-rezidivierende Hauterkrankung, die zum Formenkreis der atopischen Krankheiten gehört.

2 Pathogenese

Die Pathogenese der Neurodermitis ist nicht vollständig geklärt und daher Gegenstand intensiver Grundlagenforschung. Bislang geht man von einem multifaktoriellen Prozess aus. Als mögliche Auslöser werden u.a. diskutiert:

Neuere Ergebnisse zeigen, dass bei der Neurodermitis die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört sein könnte. Es konnten Gendefekte identifiziert werden, die dazu führen, dass wichtige Strukturproteine der Haut fehlen. Beispiele sind Mutationen im Filaggrin-Gen, die zu einem Filaggrin-Defizit in den äußeren Hautschichten führen. Filaggrin fördert die Keratinisierung und Strukturbildung der Haut und ist daher ein Schlüsselprotein der Hautbarriere.

Darüber hinaus schreibt man den Neuropeptiden eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Neurodermitis zu. Psychische Belastungen oder Stress können die Intensität der Erkrankung steigern.

Ein erblicher Einfluss ist vorhanden. Die Neurodermitis wird wahrscheinlich polygen vererbt. Besonders auffällig sind Erbgutveränderungen auf Chromosom 11. Bei Neurodermitikern ist hier das Gen C11orf30 verändert, das die Bauanleitung für das Protein EMSY enthält.

3 Triggerfaktoren

Substanzen oder Situationen, die einen "Schub" der Erkrankung auslösen können sind:

  • Textilien aus Wolle oder Synthetik
  • Umgang mit Reinigungsmitteln
  • Kontakt zu Umweltallergenen (Tierhaare, Pollen etc.)
  • bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln (z.B. Milch, Zitrusfrüchte etc.)
  • Stress
  • Schweiß

4 Klinisches Bild

Im Säuglingsalter bietet der sogenannte Milchschorf einen ersten Anhalt für den Verdacht einer Neurodermitiserkrankung.

Bei Kleinkindern läßt sich ein bevorzugter Befall der Beugeseiten der Extremitäten sowie von Hals und Gesicht nachweisen. Es besteht quälender Juckreiz, was die Kinder zum "Aufkratzen" der betroffenen Hautstellen bewegt und zu Komplikationen führen kann. Die häufigsten Hauteffloreszenzen sind hier: Erytheme, trockene Hautschuppung und Papeln.

Auch im Erwachsenenalter sind bevorzugt die Extremitätenbeugeseiten, das Gesicht und der Hals betroffen. Dominierende Symptome sind Juckreiz, erythemato-squamöse Hauteffloreszenzen, Papeln und Lichenifikation der stark reizbaren und trockenen Haut. Durch häufiges Kratzen kann der Patient Glanznägel aufweisen.

Als Nebenbefunde kann man bei einigen Patienten das Herthoge-Zeichen und Dennie-Morgan-Falten an den Unterlidern finden.

5 Schweregrad

Die Ausdehnung und der Schwergrad des atopischen Ekzems können durch verschiedene Score-Systeme quantifiziert werden. Dadurch lässt sich der Krankheitsverlauf besser dokumentieren. Im europäischen Raum wird hauptsächlich der SCORAD (Scoring Atopic Dermatitis) verwendet.

6 Komplikationen

Die defekte Hautbarriere der Patienten führt in der Regel zu einer gestörten Hautflora. Besonders an den aufgekratzten Hautstellen besteht durch das Nässen die Gefahr einer Superinfektion mit Staphylococcus aureus. Diese Infektion kann einen Circulus vitiosus auslösen, der den klinischen Befund weiter verschlechtert.

Risse in der Epithelschicht erleichtern Pilzen wie Dermatophyten und Hefen das Eindringen in die Haut. Sie verstärken die Entzündungsreaktion. Vor allem die lipophile Hefe Malassezia furfur lässt sich vermehrt in der Haut der betroffenen Patienten nachwiesen.

Herpesviren können bei herabgesetzter Immunreaktion das Krankheitsbild des Ekzema herpeticatum hervorrufen.

7 Diagnostik

Major-Kriterien für eine Neurodermitis sind:

Minor-Kriterien sind:

8 Therapie

Der wichtigste Behandlungsansatz ist die Vermeidung von auslösenden Substanzen (keine Wolle, Handschuhe beim Umgang mit Reinigungsmitteln etc.) und mechanischer Reizung der Haut. Um die Trockenheit der Haut zu reduzieren, kann man zur Hautpflege Ölbäder und harnstoffhaltige Cremes applizieren.

Im akuten "Schub" sind Antihistaminika zur Minderung des Juckreizes und lokale Glukokortikoide sinnvoll. Bei letzteren ist zu beachten, daß sie nicht über längere Zeit angewendet werden dürfen, da die Gefahr einer Hautatrophie besteht.

Einen weiteren Behandlungsansatz stellt die Eradikation von Staphylococcus aureus durch Balneotherapie mit Chlorbleiche (Natriumhypochlorit-Lösung) und Mupirocin dar. Durch die desinfizierende Wirkung der Chlorbleiche werden Staph. aureus-Erreger, welche die Neurodermitis-Läsionen besiedeln, abgetötet und die Symptome vermindert.[1]

9 Quellen

  1. Huang, JT; Abrams M., Tlougan B., Rademaker, A., Paller AS (2009). "Treatment of Staphylococcus aureus Colonization in Atopic Dermatitis Decreases Disease Severity.". Pediatrics 123 (5): 808-14. 

Fachgebiete: Dermatologie

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