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Röteln

Synonym: Rubeola, Rubella
Englisch: German measles

1 Definition

Röteln sind eine in der Regel leicht verlaufende Virusinfektion mit Hautexanthem, die eine lebenslange Immunität hinterlässt.

Ausnahme: Hohe Rate an Organopathien im ersten Trimenon bei Erkrankung von Schwangeren (Rötelnembryopathie)

2 ICD10-Codes

Klassifikation nach ICD-10

  • B06.0: Röteln mit neurologischen Komplikationen
  • B06.8: Röteln mit sonstigen Komplikationen
  • B06.9: Röteln ohne Komplikation

3 Epidemiologie

Die Infektion ist weltweit verbreitet und wird durch das Rubi-Virus aus der Gruppe der Togaviren (RNA-Viren) ausgelöst. Der Kontagiositätsindex (Erkrankungswahrscheinlichkeit nach Kontakt mit dem Erreger) beträgt weniger als 40%, der Manifestationsindex (Auftretenswahrscheinlichkeit eines symptomatischen Verlaufes bei Infizierten) etwa 30%. Der Kontagiositätsindex und Manifestationsindex ist relativ gering und im Vergleich zu Masern- und dem Varizellavirus ist die Suszeptibilität niedriger. Der Erkankungsgipfel liegt bei Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren. Der immunisierte Anteil der erwachsenen Bevölkerung beträgt ca. 85%.

4 Übertragung

Die Übertragung der Erreger erfolgt durch Tröpfcheninfektion, oder diaplazentar auf den Feten.

5 Inkubationszeit und Infektiosität

Die Inkubationszeit beträgt ca. 2-3 Wochen. Der Patient ist eine Woche vor, bis eine Woche nach Beginn des Exanthems infektiös.

6 Klinik

Die Infektion beginnt mit einem kurzen fieberhaften Prodromalstadium mit katarrhalischen Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen. Die Lymphknoten am Hals sind bohnengross geschwollen und schmerzlos. Im späteren Verlauf der Erkrankung ist die Lymphadenitis generalisiert, bei 50% der Patienten ist eine Mitbeteiligung der Milz feststellbar.

Nach etwa 2 Tagen erscheinen erste Effloreszenzen des Rötelnexanthems, typischerweise hinter den Ohren und im Gesicht. Die Effloreszenzen sind makulopapulös, hellrot, ca. 5mm gross, teilweise von einem anämischen Rand umgeben und konfluieren nicht. Das Exanthem ist flüchtig und bildet sich relativ schnell wieder zurück (nach circa 3 Tagen). Im Rachen können mittelfleckige Makulae eine Mitbeiligung der Schleimhaut im Sinne eines Enanthems anzeigen.

Das Exanthem breitet sich von kranial nach kaudal über Stamm und Extremitäten aus. Das Allgemeinbefinden ist meist nur gering beeinträchtigt, das Fieber erreicht selten Werte über 38,5° C und das Exanthem beginnt meist bereits nach 3 Tagen zu verschwinden.

7 Diagnose

7.1 Labor

Typisch für die Röteln-Infektion ist eine Leukopenie mit relativer Lymphozytose im Blutbild. Die Plasmazellen sind vermehrt.

7.2 Serologie und Erregernachweis

Bei frischer Infektion kommt es zunächst zu einer Bildung von IgM-Antikörpern, anschließend erhöht sich auch IgG-Antikörper-Titer. Bei einer Reinfektion ist der Titeranstieg der IgG-Ak beobachtbar, der IgM-Ak Titer bleibt unverändert. Ein Virusnachweis per PCR oder Virusisolierung ist möglich, wird aber nicht routinemässig eingesetzt.

Ein weit verbreitete diagnostische Methode ist der Hämagglutinationshemmtest (HAH). Gibt man zu Patientenblut ohne vorherigen Viruskontakt Hämagglutinin, kommt es zur Agglutination der Erythrozyten. Sind nun Röteln-Antikörper im Patientenserum vorhanden, inaktivieren sie das Hämagglutinin und es kommt zu "keiner" Agglutination, daher Hemmtest.

Eine Ausnahme stellt die Röteln-Diagnostik bei Neugeborenen dar.

8 Differentialdiagnose

Scharlach Masern Röteln
Beginn Hohes Fieber, Halsentzündung (Angina tonsillaris) Hohes Fieber, starker Husten, ev. Halsentzündung Mäßiges Fieber, leichtes Krankheitsbild
Exanthem Feinfleckiger Ausschlag von unten nach oben (Mund-Kinn-Dreieck frei) Grobfleckiger konfluierender Ausschlag von oben nach unten (Beginn retroaurikulär) Nur schwaches nichtkonfluierendes Exanthem an Hals/Brust
Besonderes Himbeerzunge Koplik-Wangenfleck Starke nuchale Lymphknoten­schwellung

9 Komplikationen

Die Rötelninfektion ist eine fast immer komplikationslos verlaufende Erkrankung mit guter Prognose. Seltene Komplikationen sind Enzephalitis (progressive Rubellapanenzephalitis) oder Arthralgien, thrombozytopenische Purpura, Bronchitis, Otitis, Myo- und Perikarditis, Epilepsie und Hepatosplenomegalie. Ausnahme: Embryopathien durch diaplazentare Infektion des Feten während des ersten Trimenon

10 Therapie

Die Rötelninfektion kann nur symptomatisch, nicht kausal behandelt werden.

11 Prophylaxe

Ab Beginn des 12. Lebensmonates ist die aktive Schutzimpfung in Kombination mit Masern und Mumps (MMR-Schutzimpfung) möglich. Eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) durch die Gabe von Hyperimmunogobulin, ist für Schwangere mit negativem oder unbekannten Immunstatus und Kontakt zu Rötelnpatienten indiziert.

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