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Masern

Synonym: Morbilli
Englisch: measles

1 Definition

Die Masern sind eine typische meldepflichtige Infektionskrankheit des Kindesalters (Kinderkrankheiten). Masern werden durch das Masernvirus ausgelöst, die Infektion erfolgt durch Tröpfcheninfektion.

2 ICD10-Codes

Im ICD10 werden Masern unter dem Code B05 geführt. Man unterscheidet

  • B05.0: Masern, kompliziert durch Enzephalitis
  • B05.1: Masern, kompliziert durch Meningitis
  • B05.2: Masern, kompliziert durch Pneumonie
  • B05.3: Masern, kompliziert durch Otitis media
  • B05.4: Masern mit Darmkomplikationen
  • B05.8: Masern mit sonstigen Komplikationen
  • B05.9: Masern ohne Komplikation

3 Infektion

Masernviren sind hoch kontagiös. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt- oder durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckungsgefahr besteht drei bis fünf Tage vor dem Auftreten des Exanthems bis vier Tage danach.

Das Masernvirus dringt schon nach kurzer Exposition über die Epithelzellen der Schleimhaut der Atemwege oder seltener über die Konjunktiven in den Körper ein. Die Vermehrung der Viren erfolgt in den regionalen Lymphknoten, von wo sie sich über die Blutbahn im retikulohistiozytären System ausbreiten. Die Replikationsphase führt zu einer vorübergehenden Lymphopenie. Die T-Zell-vermittelte Immunantwort ist somit stark abgeschwächt.

4 Klinik

Der Verlauf einer Infektion gliedert sich in die ca. 10 Tage lange Inkubationszeit, gefolgt von Prodromalstadium und exanthematischem Stadium. Komplikationen können die generell gute Prognose der Erkrankung verschlechtern. Die Übertragung der Masern ist vom 5. Tag der Inkubationszeit bis zum 4. Tag nach Beginn des Exanthems möglich.

4.1 Prodromalstadium

Das drei Tage dauernde Prodromalstadium ist durch Fieber, Konjunktivitis mit Lichtscheu, Bronchitis und Rhinitis gekennzeichnet. Auf der Wangenschleimhaut findet sich als pathognomonisches Zeichen der Masern ein Enanthem, die sogenannten Koplik-Flecken, die sich meist gegenüber der Molaren befinden und mit dem Spatel nicht abwaschbar sind. Als weiteres Symptom gilt die Himbeerzunge.

4.2 Exanthematisches Stadium

Das exanthematische Stadium beginnt nach kurzem Abfall der Temperatur mit einem zweiten Anstieg des Fiebers. Charakteristisch ist ein dunkelrotes, makulopapulöses Exanthem. Die einzelnen Exanthemherde konfluieren zu größeren Herden. Das Exanthem tritt typischerweise zuerst hinter den Ohren auf und breitet sich dann über das Gesicht auf Oberkörper und Extremitäten aus.

Das Exanthem blasst nach ca. 5-6 Tagen ab und verschwindet unter leichter Schuppenbildung der Haut. Im schlimmsten Fall können dann Hämorrhagien an den Extremitäten auftreten, die auch als "schwarze Masern" bezeichnet werden.

4.3 Komplikationen

Das Masernvirus kann bei schweren Verläufen eine Pneumonie, subglottische Laryngitis (Pseudokrupp), Bronchiolitis, Myokarditis und Enzephalitis (Masernenzephalitis) hervorrufen. Bei der akuten, postinfektiösen Masernenzephalitis handelt es sich um eine Autoimmunreaktion, bei der spezifische T-Lymphozyten im ZNS nachweisbar sind. Davon abzugrenzen ist die akute, progressive Form. Eine sehr seltene, jedoch sehr schwerwiegende Komplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die 1 mal auf 1.000.000 Erkrankungen auftritt.

Von den genannten Komplikationen sind die durch bakterielle Superinfektion hervorgerufenen Komplikationen zu unterscheiden. Die häufigsten bakteriell ausgelösten Komplikationen sind die Mittelohrentzündung (Masernotitis) und die Bronchopneumonie.

Bakterielle Superinfektionen verschlechtern die Prognose erkrankter Kinder insbesondere in Entwicklungsländern.

5 Differentialdiagnose

Scharlach Masern Röteln
Beginn Hohes Fieber, Halsentzündung (Angina tonsillaris) Hohes Fieber, starker Husten, ev. Halsentzündung Mäßiges Fieber, leichtes Krankheitsbild
Exanthem Feinfleckiger Ausschlag von unten nach oben (Mund-Kinn-Dreieck frei) Grobfleckiger konfluierender Ausschlag von oben nach unten (Beginn retroaurikulär) Nur schwaches nichtkonfluierendes Exanthem an Hals/Brust
Besonderes Himbeerzunge Koplik-Wangenfleck Starke nuchale Lymphknoten­schwellung

6 Therapie

Die Therapie der Masern ist symptomatisch und umfasst die Linderung von Beschwerden und frühzeitige Erkennung und Behandlung von krankheitsbedingten Komplikationen. Basismaßnahmen sind Bettruhe und Schonung.

7 Impfung

Die Masernimpfung ist als kombinierte Mumps-Masern-Röteln-Impfung ab dem 11. Lebensmonat zu empfehlen. Dadurch wird die Erkrankung verhindert und ein Auftreten von teilweise fatalen Komplikationen vermieden. Kinder mit Neugeborenenikterus dürfen nicht vor dem 15. Lebensmonat geimpft werden.

Vor der Impfung waren zweijährliche Masernepidemien typisch. Seit die Impfung breitflächig angewendet wird, verschiebt sich das Erkrankungsalter vermehrt vom Kleinkindesalter in Schul- und Teenagerzeit. Eine stattgefundene Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität.

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