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ICD-Schlüssel

(Weitergeleitet von ICD10)

Synonym: ICD-Code
Englisch: ICD code

1 Definition

Der ICD-Schlüssel ist eine medizinische Klassifikation zur Systematisierung von Diagnosen. Die Abkürzung "ICD" steht für International Classification of Diseases (ins Deutsche übersetzt: "Internationale Klassifikation von Krankheiten").

2 Struktur

Der ICD ist ein von der WHO initiierter und gepflegter Schlüssel, der in Version 10 jeder Diagnose einen bis zu 5-stelligen Code zuordnet. Der Code hat das Format X00.00, wobei X für einen Buchstaben von A-Z, die Nullen für eine Ziffer von 0-9 stehen. Die ersten drei Stellen kodieren eine grobe Diagnose, die vierte und fünfte Stelle dienen der weiteren Unterteilung bzw. Verfeinerung. Die letzte Ziffer kodiert zum Beispiel bei einigen Erkrankungen die genaue Lokalisation.

2.1 Beispiel

Der ICD-Code M23.35 für einen am Hinterhorn abgerissenen Außenmeniskus setzt sich wie folgt zusammen:

  • M23: Binnenschädigung des Kniegelenkes
  • –––.3: sonstige Meniskusschädigung (abgerissen, degeneriert, retiniert)
  • –––.–5: am Hinterhorn des Außenmeniskus

2.2 Zusatzinformationen

Im ambulanten Bereich wird der ICD-Schlüssel gelegentlich mittels eines Buchstabencodes mit zusätzlichen Informationen versehen. Diese Codes sind aber kein offizieller Bestandteil des ICD. Es bedeuteten:

  • A = Ausschluss der kodierten Erkrankung
  • V = Verdacht auf...
  • G = Gesicherte Diagnose
  • Z = Symptomloser Endzustand nach Überstehen der kodierten Erkrankung
  • R = rechts
  • L = links
  • B = beidseits

3 Krankheitskapitel (Übersicht)

Kapitel Notation Bezeichnung
I A00–B99 Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten
II C00–D48 Neubildungen (Tumore, Neoplasien)
III D50–D89 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems
IV E00–E90 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten
V F00–F99 Psychische und Verhaltensstörungen
VI G00–G99 Krankheiten des Nervensystems
VII H00–H59 Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde
VIII H60–H95 Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes
IX I00–I99 Krankheiten des Kreislaufsystems
X J00–J99 Krankheiten des Atmungssystems
XI K00–K93 Krankheiten des Verdauungssystems
XII L00–L99 Krankheiten der Haut und der Unterhaut
XIII M00–M99 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
XIV N00–N99 Krankheiten des Urogenitalsystems
XV O00–O99 Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett
XVI P00–P96 Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben
XVII Q00–Q99 Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien
XVIII R00–R99 Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind
XIX S00–T98 Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen
XX V01–Y98 Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität
XXI Z00–Z99 Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen
XXII U00–U89 Schlüsselnummern für besondere Zwecke

4 Versionen und Geschichte

Die Entwicklung des ICD-Systems geht auf Todesursachenstatistiken des 18. und 19. Jahrhunderts zurück. Schnell wurde erkannt, dass die statistische Auswertung durch eine eindeutige Klassifikation der Krankheitsbilder erleichtert würde. Da die bisherigen Klassifikationssystems unzureichend waren, wurden auf dem internationalen statistischen Kongress (Brüssel 1853) William Farr und Marc d'Espine beauftragt, eine neue Klassifikation zu entwickeln. Auf dem Folgekongress, der im Jahre 1855 in Paris abgehalten wurde, stellten sie zwei unterschiedliche Klassifikationen vor, der Kongress nahm dann eine Kompromiss-Liste mit 139 Rubriken an. Weitere Revisionen folgten in den Jahren 1864, 1874, 1880 und 1886.

Aus diesen ging schließlich die ICD-1-Klassifikation hervor, die im Jahre 1893 vom International Institute of Statistics angenomen wurde.

Bei ihrer Gründung im Jahre 1948 übernahm die WHO die Verantwortung für die mittlerweile 6. Version.

Die 7. (1955), 8. (1965) und 9. Version (1975) basieren auf einer ähnlichen Grundstruktur, haben aber jeweils die Fortschritte der wissenschaftlichen Erkenntnis berücksichtigt.

Seit 1967 übernehmen die Mitgliedsstaaten der WHO die jeweils aktuelle Fassung des ICD-Systems als Grundlage für ihre eigenen Statistiken.

Der ICD liegt mittlerweile in seiner 10. Version vor (ICD-10), die 1990 von der WHO verabschiedet und 1994 von den Mitgliedsländern eingeführt wurde. Mit der Einführung der ICD-10 waren grundlegende Änderungen in der Grundstruktur und Philosophie der Systematik verbunden, was mit verantwortlich für die lange Verwendung der ICD-9 war.

Neben der offiziellen WHO-Version gibt es eine spezielle deutsche Version, die ICD-10-GM (German Modification) aus dem Jahr 2004, die in der 10. Revision im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. Diese Revision wird durch das DIMDI jährlich überarbeitet und aktualisiert.

Für Diagnosen im Bereich der Psychiatrie wird alternativ häufig das amerikanische DSM-System benutzt.

5 Rechtliche Bedeutung

Nach den §§ 295 und 301 des 5. Sozialgesetzbuchs (SGB-V) sind in Deutschland Ärzte und Krankenhäuser zur Diagnoseverschlüsselung nach ICD verpflichtet.

Der ICD ist zusammen mit der OPS-Verschlüsselung für Krankenhäuser Grundlage des DRG-Systems, das seit 2003 die Berechnungsgrundlage für die Leistungsvergütung in Deutschland ist. Ziel dieses Systems ist es, trotz zunehmender Belastung des Gesundheitswesens durch die demographische Entwicklung eine Steuerungsmöglichkeit der Kostenentwicklung zu erhalten.

6 Siehe auch

Beispiele und Übersichtsartikel mit ICD-Schüsseln:

7 Quellen & Links

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