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Chlamydien

von griechisch: clamys - Mantel
Synonym: Chlamydiaceae
Englisch: chlamydia

1 Definition

Chlamydien sind eine Familie gramnegativer, obligat intrazellulär lebender Bakterien mit mehreren humanpathogenen Species.

2 Eigenschaften

Die Chlamydien gehören zu den Bakterien, obwohl sie zum Teil auch Eigenschaften eines Virus besitzen. Sie können sich nicht selbstständig fortbewegen und leben in den Vakuolen des Cytoplasmas. Dies und die Tatsache, einen Teil ihres Energiebedarfs nur über den Stoffwechsel ihrer Wirtszelle decken zu können, veranlasste die Biologen, die Gattung Chlamydia den Viren zuzuordnen.

Seit geraumer Zeit weiß man jedoch, dass Chlamydien - im Gegensatz zu Viren - eigene Nukleinsäuren, Proteine und Lipide selbst produzieren können und sowohl eine RNS als auch eine DNS haben, sodass es sich eindeutig um Bakterien handelt.

Chlamydien haben eine kugelförmige Gestalt und können beispielsweise in getrockneten Exkrementen bis zu zwei Jahre überleben, sind aber andererseits leicht durch zehnminütiges Erhitzen bei 60°C abzutöten.

3 Vermehrungszyklus und Wirkungsart

Die infektiöse Form der Chlamydien ist das Elementarkörperchen, ein kugelförmiges, etwa 0,3 μm durchmessendes Bakterium mit einer dreischichtigen Zellwand. Das Elementarkörperchen heftet sich an die Wirtszelle an und wird durch Einstülpung der Membran als Vakuole in die Zelle aufgenommen. Die Vakuole verschmilzt nicht mit einem Lysosom und entzieht sich so der intrazellulären Lyse.

Einige Stunden nach der Lyse bilden sich die Elementarkörperchen zu Initialkörperchen mit etwa 1 μm Durchmesser. Initialkörperchen sind nicht infektiös und stellen die intrazelluläre Verweilform der Chlamydien dar. In der Folge beginnen sich die Initialkörperchen zu teilen. Durch die rege Vermehrung dehnt sich die chlamydienhaltige Vakuole aus und führt letztlich zur Lyse der Wirtszelle.

Dabei werden zwischenzeitlich zu Elementarkörperchen umgewandelte Chlamydien freigesetzt und können weitere Zellen infizieren.

4 Spezies

Es sind drei Spezies der Gattung Chlamydia bekannt:

In einer Reihe von Studien wurde der Einfluss von Chlamydia pneumoniae auf die Entstehung der Atherosklerose untersucht. Eine abschliessende Aussage zur Rolle der Chlamydien steht noch aus (Stand 2015).

5 Erkrankungen durch Chlamydien

5.1 Ornithose

Chlamydia psitacci ist der Erreger der Ornithose, die vor allem durch Vogelexkremente, aber auch durch Tröpcheninfektion auf den Menschen übertragen wird. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Wochen.

Es sind zwei Verlaufsformen möglich. Die ungefährliche Form verursacht grippeähnliche Symptome; nach spätestens drei bis vier Wochen ist die Krankheit bei Behandlung mit Antibiotika ausgeheilt. Die gefährliche Form der Ornithose manifestiert sich als Pneumonie und dauert in ihrer schwersten Velaufsform 12-15 Wochen an.

5.2 Trachom

Das Trachom, hervorgerufen durch Chlamydia trachomatis, Subspezies A - C, ist eine Augenerkrankung, die vor allem unter den schlechten hygienischen Bedingungen in der "dritten Welt" vorkommt. In einigen Staaten ist nahezu die gesamte Bevölkerung durchseucht. Die Inkubationszeit der Erkrankung kann bis zu mehrere Jahre betragen, die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist der übliche Infektionsweg.

Die ersten Krankheitssymptome äußern sich durch eine Körnung der Hornhaut, welche in späteren Stadien zerfällt und vernarbt. am Ende dieses Prozesses kannn eine vollständige Erblindung stehen.

5.3 Lymphogranuloma inguinale

Lymphogranuloma inguinale wird durch Chlamydia trachomatis L1-L3 verursacht. Es handelt sich um eine vor allem genital übertragene Erkrankung, sodass die betroffenen Körperregionen der Penis, die Vagina, aber auch - je nach Sexualpraktik - der Enddarm sind.

Nach drei Tagen bis drei Wochen bildet sich ein später zu einem Ulcus zerfallender Knoten, der nicht schmerzt. Nach etwa 15 - 30 Tagen schwellen die Lymphknoten der betroffenen Regionen bis auf Gänseeigröße an. Begleitet wird dies von Kopfschmerzen und Fieber. Später vereitern die Lymphknoten und sind dann schmerzempfindlich. Wird die Krankheit nicht behandelt, so kann sie chronisch werden und sich über Jahrzehnte hinstrecken; vor allem Frauen leiden dann unter eitrigen Geschwüren der Genitalien und des Enddarms, auch Flüssigkeitseinlagerungen in den äußeren Genitalien sind möglich. Ebenso kommen Wucherungen in den inneren Genitalien und im Analbereich vor, die den Stuhlgang erschweren und schmerzhaft machen.

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