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Neisseria gonorrhoeae

Synonym: Gonokokken
Englisch: Neisseria gonorrhoeae, gonococci

1 Definition

Neisseria gonorrohoeae ist ein Bakterium, das durch Geschlechtsverkehr übertragen wird und unter anderem die Erkrankung Gonorrhö ("Tripper") auslöst.

2 Morphologie und Eigenschaften

Gonokokken sind gramnegative, semmelförmige Bakterien Kokken, die meist paarig angeordnet sind (Diplokokken). Die optimalen Wachstumsbedingungen herrschen bei 37°C und mikroaerophiler Umgebung mit erhöhtem CO2-Gehalt (5-10%).

Verschiedene Eigenschaften der Gonokokken sind für ihre Virulenz verantwortlich: Gonokokken bilden Pili und Fimbrien aus, die der Haftung an Schleimhautzellen dienen. Daher kommt es oft zu wiederkehrenden Infektion mit Gonokokken. Die Pilusproteine und die Membran zeigen eine starke antigenetische Variabilität. Gleichzeitig wird eine IgA-Protease produziert, die die Antikörper der Schleimhautsekrete unwirksam macht. Des Weiteren verfügt Neisseria gonorrhoeae über Eisenfangsysteme, die das Wachstum dieser Bakterienspezies fördern.

Darüber hinaus rufen die Erreger eine Entleerung (Degranulation) der Lysosomen hervor, wodurch die Vermehrung in Makrophagen möglich ist. Manche Stämme besitzen darüber hinaus eine Kapsel.

3 Labordiagnostik

Bei Männern wird Urethralsekret untersucht bzw. ein Harnröhrenabstrich gemacht, bei Frauen ein Cervixabstrich. Bei Harnröhrenabstrichen sollte der Patient mind. 60 min lang kein Wasser gelassen haben, bei Cervixabstrichen muss der Schleimpropf vorher entfernt werden. Auch die Untersuchung von Urin ist möglich, in diesem Falle Erststrahlurin.

Für Gonokokken sind spezielle Transportbedingungen notwendig, da die Erreger empfindlich gegenüber Kälte und Luftsauerstoff sind. Für Abstriche sind spezielle Transportmedien erhältlich. Optimal ist die direkte Beimpfung eines geeigneten Nährbodens mit Urethral- bzw. Cervixsekret.

Gonokokken lassen sich auf feuchten, eiweißreichen Nährmedien anzüchten (z.B. Thayer-Martin-Medium). Geeignet ist auch Kochblutagar mit einem zugesetzten Antibiotikum, um die Begleitflora zu unterdrücken. Eine biochemische Differenzierung ist auf Lingelsheim-Nährböden möglich.

Die Koloniemorphologie ist typisch; die Kolonien sind klein, rund und durchscheinend. Die Erreger sind Oxidase-positiv. Anfärben lassen sie sich mit Methylenblau oder mit Gram-Färbung: Gonokokken sind gramnegativ, nach Antibiotikabehandlung jedoch oft gramlabil. Es besteht Verwechslungsgefahr mit Pseudogonokokken!

Weitere Nachweismethoden außer der Kultur sind:

Serologische Methoden spielen beim Nachweis von Neisseria gonorrhoeae keine Rolle. Für die PCR sind kommerzielle Testsysteme verfügbar, die oft gleichzeitig auch Chlamydia trachomatis nachweisen können. Die PCR eignet sich auch für den Nachweis aus Urinproben.

Auch bei eindeutiger Klinik und mikroskopischem Bild sollte eine kulturelle Bestätigung angestrebt werden, da aufgrund der zunehmenden Antibiotikaresistenz der Neisserien eine Resistenztestung empfehlenswert ist.



4 Übertragung

Das Erregerreservoir ist der Mensch. Neisseria gonorrhoeae wird durch Geschlechtsverkehr (Kontaktinfektion), manchmal auch während der Geburt übertragen. Über Endozytose durch Epithelzellen der Urogenitalschleimhaut kann es zu eitrigen Entzündungen im subserösen Gewebe kommen.

Beim Mann kann es zu Entzündung der Prostata (Prostatitis) und der Nebenhoden kommen, bei der Frau zur Beckeninfektion sowie zur Entzündung von Eileitern (Salpingitis) und des Bauchfells (Peritonitis). Abhängig von der Form des Sexualkontaktes kann auch eine Proktitis resultieren. Außerdem kann Neisseria gonorrhoeae Arthritiden und eine Endokarditis verursachen.

Bei Neugeborenen kann eine eitrige Bindehautenzündung (Konjunktivitis) auftreten, auch als Ophthalmia neonatorum bezeichnet. Um dieser Erkrankung vorzubeugen, ist bei Gonokokken-Infektion der werdenden Mutter eine Prophylaxe mit Medikamenten zu empfehlen. Früher wurde auch eine so genannte Credé-Prophylaxe durchgeführt.

5 Therapie

Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae werden mit Penicillin G oder Tetrazyklin behandelt. Liegt eine Resistenz des Erregers gegen diese Antibiotika vor, werden Cephalosporine der dritten Generation eingesetzt.

5.1 Resistenzen

Ein großes Problem bei der Therapie besteht darin, dass Gonokokken viele Penicillin- und Tetrazyklinresistenzen haben. Sie sind in der Regel plasmidcodiert. Vereinzelt sind Stämme auch bereits gegen Cephalosporine resistent, wie z.B. der Stamm H041, der 2011 in Schweden entdeckt wurde und gegenüber Ceftriaxon resistent ist.

Das GORENET am Robert-Koch-Institut erhebt in Deutschland Daten zur Resistenzentwicklung bei Neisseria gonorrhoeae.

6 Meldepflicht

Der Nachweis von Neisseria gonorrhoeae ist in Deutschland derzeit (2016) nicht meldepflichtig.

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