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ACE-Hemmer

Synonym: Angiotensinkonversionsenzym-Hemmer
Englisch: ace inhibitor

1 Definition

ACE-Hemmer sind eine Gruppe von Antihypertensiva deren Wirkung auf einer Inhibition des Angiotensin Converting Enzyme (ACE, Kininase II) beruht.

2 Wirkungsweise

ACE-Hemmer blockieren die Aktivität des Angiotensin Converting Enzyme kompetitiv. Folglich entsteht weniger Angiotensin II aus Angiotensin I, das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System wird in seiner Endstrecke ausgehebelt.

Das ACE ist gleichzeitig auch für den Abbau des Bradykinins verantwortlich. Diese Erkenntnis hilft beim Verständnis von charakteristischen Nebenwirkungen der Substanzgruppe.

3 Wirkungen

ACE-Hemmer haben Wirkungen auf das kardiovaskuläre System und auf die Nieren.

3.1 Kardiovaskuläres System

ACE-Hemmer senken den Blutdruck und verringern somit die Nachlast für die Herzarbeit. Daher sind ACE-Hemmer auch sehr gut zur Behandlung der Herzinsuffizienz geeignet [6] .

Auch bei der Behandlung der koronaren Herzerkrankung haben ACE-Hemmer prognostisch günstige Auswirkungen [2]. Die günstige Wirkung der ACE-Hemmer beruht wahrscheinlich darauf, dass Angiotensin II ein proliferativer Reiz für Arterien ist und so die Pathogenese der Atherosklerose beschleunigt.

3.2 Niere

Die Nierendurchblutung wird beeinträchtigt. Bei Gesunden stellt dies keine Bedrohung dar. Bei Vorliegen einer Nierenarterienstenose, Hypovolämie, schweren Herzinsuffizienz und/oder hochdosierter Therapie mit (Schleifen-)Diuretika kann die Nierendurchblutung allerdings zu stark eingeschränkt werden.

Dennoch sind ACE-Hemmer bei Ausschluss der oben genannten Gründe als nierenschützend zu betrachten. ACE-Hemmer verlangsamen die Progredienz von Folgeerkrankungen der Niere ([7],[5]) bei Hypertonie und Diabetes mellitus.

3.3 Wirkungen bei chronischer Gabe

Bei chronischer Gabe von ACE-Hemmern können Serinproteasen wie z.B. die Chymase oder Kathepsin G, welche selektiv für Angiotensin I sind, zur Normalisierung des Angiotensin II - Haushaltes führen. Diese Entwicklung wird auch als Aldosteron-Escape-Phänomen bezeichnet.

Das Bradykininsystem wird von diesen Enzymen jedoch nicht beeinflusst. So kommt es zu einer Abnahme der antiproliferativen Wirkung der ACE-Hemmer sowie zum Verlust der Noradrenalin-Potenzierungshemmung. Da Bradykinin im Endothel via Freisetzung von NO und PGI2 (Prostacyclin) zu einer Vasodilatation führt, bleiben die antihypertensiven Wirkungen des ACE-Hemmers erhalten, ebenso der bradykininvermittelte antiproliferative Effekt. Um das beschriebene Phänomen zu verhindern, ist ggf. eine Kombination mit einem AT1-Rezeptorantagonisten indiziert.

4 Indikationen

Für ACE-Hemmer bestehen grundsätzlich 3 Indikationen.

Zu beachten ist, dass derzeit nicht alle ACE-Hemmer für alle Indikationen zugelassen sind. Nähere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

5 Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Zu den Nebenwirkungen der ACE-Hemmer zählen:

Selten können allergisch bedingt eine Thrombozytopenie, Neutropenie und ein anaphylaktischer Schock auftreten. Ebenfalls selten sind eine hämolytische Anämie und Leberfunktionsstörungen.

Die meisten der genannten Nebenwirkungen werden auf eine Anhäufung von Bradykinin zurückgeführt. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass der trockene Reizhusten bei Anwendung von AT1-Rezeptorantagonisten seltener auftritt. AT1-Rezeptorantagonisten beeinflussen den Bradykininstoffwechsel nicht, da sie am Rezeptor für Angiotensin II wirken.

Bei Langzeitbehandlung mit ACE-Hemmern kann die Kaliumkonzentration im Serum zunehmen. Eine Kombination der ACE-Hemmer mit Thiazid-Diuretika kann daher sinnvoll sein.

Kontraindiziert sind ACE-Hemmer bei

6 Pharmakokinetik

ACE-Hemmer werden meistens als Ester zubereitet, da sie in dieser Form besser resorbiert werden. Erst die in der Leber entstehenden Metabolite sind dann als Hemmstoffe wirksam. Die Wirkungsdauer von ACE-Hemmern ist in der Regel länger als ihre Halbwertszeit im Plasma, da der Komplex aus Enzym und Inhibitor sehr langsam dissoziert.

ACE-Hemmer werden in der Regel renal eliminiert. Einige Substanzen (Spirapril, Fosinopril) werden zusätzlich auch extrarenal eliminiert.

7 Substanzen

Es sind mehr als 10 verschiedene Einzelsubstanzen verfügbar, die sich hauptsächlich in ihren pharmakokinetischen Daten unterscheiden.

Wirkstoff Tagesdosis (mg) Gabe (Tag) Eliminations-
HWZ (h)
Eliminationsweg Wirkdauer bei 1x Gabe (h)
Benazepril 10-20 (max. 40) 1 18 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Captopril 12,5-25
(max. 50)
2 1-2 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 12
Cilazapril 1,25-2,5 (max. 5) 1 40 > renal (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min)* bis 18
Enalapril 5-10
(max. 40)
1 35 > renal (Kreatinin-Clearance < 80 ml/min)* bis 18
Fosinopril 5-20 1 12 renal / hepatisch bis 24
Imidapril 2,5-10 1 24 renal / hepatisch (Kreatinin-Clearance < 80 ml/min)* bis 24
Lisinopril 5-20 1 30 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Moexipril 7,5-15
(max. 30)
1-2 14 > renal / hepatisch (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Perindopril 4-8 1 30 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Quinapril 10-20 1-2 26 > renal (Kreatinin-Clearance < 60 ml/min)* bis 24
Ramipril 2,5-5
(max. 10)
1 15 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 48
Spirapril 3-6 1 1 renal / hepatisch (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
Trandolapril 1-2
(max. 4)
1 20 > renal (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min)* bis 24
* Dosisanpassung erforderlich

8 Weblinks

  1. ACE-Hemmer in Wikipedia, mit ergänzendem Wissen
  2. ACE-Hemmer und kardiovaskuläre Ereignisse - Abstract in PubMed
  3. ACE-Hemmer und Stroke - Abstract in PubMed
  4. ACE-Hemmer und KHK - Abstract in Pubmed
  5. ACE-Hemmer und Typ1 Diabetes
  6. ACE-Hemmer und Herzinsuffizienz - Volltext im JAMA
  7. ACE-Hemmer bei chronischer Niereninsuffizienz - Volltext in Annals of Internal Medicine

9 Quellen

Tags:

Fachgebiete: Arzneimittel, Pharmakologie

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