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Anaphylaktischer Schock

Englisch: anaphylactic shock

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

Ein anaphylaktischer Schock ist die Maximalreaktion einer anaphylaktischen Reaktion, also der Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf eine bestimmte Substanz und akut lebensbedrohlich.

2 ICD10-Codes

  • T78.0: Anaphylaktischer Schock durch Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • T78.2: Anaphylaktischer Schock, nicht näher bezeichnet
  • T80.5: Anaphylaktischer Schock durch Serum
  • T88.6: Anaphylaktischer Schock als unerwünschte Nebenwirkung eines indikationsgerechten Arzneimittels oder einer indikationsgerechten Droge bei ordnungsgemäßer Verabreichung

3 Auslöser

Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es sich um die häufigste iatrogen verursachte Schockform, da auch Medikamente zu einer solchen Immunreaktion führen können. Zu den häufigsten medikamentösen Auslösern zählen u.a. Penicillin, Insulin, jodhaltige Kontrastmittel und Acetylsalicylsäure.

Darüber hinaus können auch noch andere Allergene zu dieser Reaktion führen:

4 Immunreaktion

Die Sofortreaktion, welche zum anaphylaktischen Schock führt, findet ihren Urprung in einer Antigen-Antikörper-Reaktion. In den Körper eingedrungene Antigene werden bei erstem Kontakt als Fremdstoffe erkannt und daraufhin werden Antikörper gebildet. Dieser Vorgang wird auch als Sensibilisierung bezeichnet.

Dringt erneut ein Antigen ein, werden die gebildeten Antikörper sofort freigesetzt. Durch die folgende Antigen-Antikörper-Reaktion werden Mediatoren freigesetzt (z.B. Histamin, Serotonin, Bradykinin, Prostaglandin), welche die typische Reaktion hervorrufen.

5 Einteilung und Symptome

Die allergische Reaktion manifestiert sich innerhalb von Sekunden bis 20 Minuten (selten auch noch nach Stunden) nach Allergenkontakt.

Man kann den anaphylaktischen Schock in zwei Schweregrade unterteilen:

5.1 Schweregrad 1

In diesem Zustand findet sich noch keine akute Lebensbedrohung, die allergische Reaktion beschränkt sich zumeist auf die Haut, was sich in Erythemen und Ödemen (Quaddeln) äußert. Der Patient sollte zunächst weiter beobachtet werden, da dieser Zustand sich auch rasch verändern kann.

5.2 Schweregrad 2

Dieser Zustand zeigt den lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock, welcher ohne sofortige Therapie tödlich enden kann.

Zu Beginn zeigen sich kurz dauernde Alarmsymptome, wie Jucken, Brennen, sowie Hitzegefühl im Rachen und an den Akren. Fast gleichzeitig können Schluckbeschwerden, Hypersekretion, ein Pharynxödem und/oder ein Bronchospasmus auftreten. Letzterer kann zu einer akuten respiratorischen Insuffizienz und damit zur Zyanose führen.

In der Folge tritt akut ein Kreislaufschock ein, ausgelöst durch eine massive Vasodilatation. Der Puls ist kaum tastbar, niederfrequent und der Blutdruck sinkt auf extrem niedrige Werte. Kompensatorisch kommt es zu einer Tachykardie, die den Versuch des Körpers darstellt, den Blutdruck zu erhöhen. Allerdings verlieren die Kapillaren durch die erhöhte Gefäßpermeabilität Flüssigkeit ins Interstitium, woraus dann klinisch das Bild eines hypovolämischen Schocks resultiert.

6 Sofortmaßnahmen

Da der anaphylaktische Schock lebensbedrohlich ist, ist eine sofortige Therapie unerläßlich. Der Patient sollte in Schocklage gebracht werden und primär eine Volumenersatztherapie erhalten, um das stagnierende Blutvolumen wieder in Umlauf zu bringen (wie beim hypovolämischen Schock). Darüber hinaus sollte versucht werden, das Allergen zu entfernen. Eine medikamentöse Intervention, insbesondere mit i.m. oder wenn möglich i.v. appliziertem Adrenalin und Dimetinden sowie eine Intubation (bei drohendem Glottisödem) ist ebenfalls in Betracht zu ziehen.

Fachgebiete: Allergologie

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