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Anaphylaxie

Englisch: anaphylaxis

1 Definition

Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische Reaktion, die auf einer Allergie beruht.

1.1 Begriffliche Herkunft

Anaphylaxie bedeutet Schutzlosigkeit, das Gegenteil von Immunität. Der Begriff ist für den experimentellen Kreislaufkollaps durch Injektion von artfremdem Serum und Extrakten aus Tentakeln der Seeanemone geprägt worden.

2 Pathophysiologie

Eine Anaphylaxie wird durch Immunreaktionen vom Typ I und Typ III hervorgerufen (Immunreaktionen nach Gell und Coombs). Bei einer Allergie durch Typ III-Reaktion bilden sich im Blut zirkulierende Antigen-Antikörper-Komplexe Aggregate, welche Leukozyten und Thrombozyten einschließen und sich in den Kapillaren verschiedener Gewebe ablagern. Insbesondere an Basalmembranen (z.B. am Glomerulum) kommt es dadurch zu ausgiebigen Entzündungsreaktionen mit Aktivierung des Komplementsystems. Die Kapillaren können durch die Immunkomplexe verschlossen werden. Als körpereigene Gegenregulation werden Entzündungsmediatoren (z.B. Histamin) freigesetzt. Sie vermitteln unter anderem folgende Wirkungen:

3 Pathophysiologie des anaphylakischen Schocks

Das sofortige Erkennen der Symptome einer Anaphylaxie und die Kenntnis von Pathophysiologie und Therapie des anaphylaktischen Schocks sind lebensrettend.

Durch eine Anaphylaxie werden einerseits die Kapillaren verlegt, andererseits werden dem intravasalen Raum bis zur Hälfte des Volumens und der Proteine entzogen. Infolge der Verlegung des Lungenkreislaufes erhält das linke Herz nicht mehr genügend Volumen und der Kreislauf kann innerhalb einer Minute zusammenbrechen. Durch die Öffnung der Arteriolenshunts wird das Blut in Fluss gehalten.

Als Auslöser einer Anaphylaxie kommen unter anderem in Frage:

3.1 Schweregrad und Symptome

Das Ausmaß der Anaphylaxie wird in vier Graden angegeben:

4 Therapie

Das European Resuscitation Concil (ERC) empfiehlt derzeit folgende Maßnahmen zur Behandlung des anaphylaktischen Schocks:

Maßnahme Durchführung
Lagerung Nach Wunsch des Patienten: Schocklage (bei Hypotension), Flachlagerung oder Oberkörper hoch (bei Dyspnoe)
Sauerstoff 10-15 Liter/min
Allergen Entfernung bzw. Abstellen der Zufuhr
Adrenalin 0,5 ml i.m. in einer Verdünnung von 1:1.000 alle 5 Minuten
Antihistaminika H1-Antagonisten (z.B. Clemastin), evtl. auch H2-Antagonisten (Ranitidin)
Glukokortikoide z.B. 1g Prednisolon
Volumengabe wenn Adrenalin unwirksam: 1-2 Liter schnell (Kristalloide und Kolloide gleich wirksam)
Inhalative Beta-2-Mimetika wenn Bronchospasmus trotz Adrenalin persisitiert
Intubation frühzeitig, wenn indiziert
Reanimation laut ERC-Standard-Reanimations-Algorithmus mit massiver Volumengabe (4-8 Liter)

Hinweise: Adrenalin i.v. sollte nur in besonders schweren Fällen und mit Reanimationsbereitschaft in einer Verdünnung von 1:10.000 gegeben werden.

Die intravenöse Anwendung von Adrenalin beim anaphylaktischen Schock ist umstritten. Einige Autoren weisen darauf hin, dass Adrenalin die Öffnung der Arteriolenshunts konterkariert, die ein körpereigener Schutzmechanismus ist, um das Blut in Fluss zu halten. Adrenalin i.v. kann bereits in minimaler Dosis die leerschlagende linke Herzkammer in unbeherrschbares Flimmern bringen und Herzinfarkte induzieren. Als wichtigste Maßnahme wird hier die rasche Infusion von 500-1.500 ml kolloidaler Plasmaersatzmittel (Dextran, HAES, Gelatine) vorgeschlagen. Durch die rheologischen und onkotischen Effekte soll das in den Kapillaren stagnierende Blut wieder in Fluss gebracht und damit der Kreislauf wiederhergestellt werden.

Anaphylaktische Reaktionen mit andauernder Antigenexposition (z.B. nach Giftschlangenbiss oder durch Trophoblastzellen unter der Entbindung - HELLP-Syndrom, Eklampsie, Fruchtwasserembolie) werden nur durch Dextran behoben, welches die Thrombozyten ummantelt und eine Verbrauchskoagulopathie verhindert.

5 Quellen

  • Waldhausen E., Therapie der Anaphylaxie und ein neues pathophysiologisches Konzept. In W. Jorde, Allergologie für die Praxis 5: 81-89. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen 1996
  • Waldhausen E. Colloids, anaphylaxis and the heart. The Lancet 1988 II: 22
  • Waldhausen E, Keser, G, Marquardt B. Der anaphylaktische Schock. Seine Behandlung auf pathophysiologischer Grundlage. Deutsches Ärzteblatt. 1988; 85: 683-688.
  • www.johanna-etienne-krankenhaus.de Kliniken, Anästhesie Wissenschaftliche Beiträge: Anaphylaxie, Gestosen, Giftschlangenbisse
  • ERC-Guidelines for Resuscitation 2005, Section 7. Cardiac arrest in special circumstances

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