Hyperkaliämie
Englisch: hyperpotassemia, hyperkalemia
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1 Definition [bearbeiten]
Eine Hyperkaliämie liegt bei einem Serumspiegel des Kalium über 5,2 mmol/l vor.
2 Symptomatik [bearbeiten]
Eine Hyperkaliämie tritt immer im Kontext einer Grunderkrankung auf. Die spezifische Symptomatik der Hyperkaliämie ist sehr diskret, kann jedoch akut lebensbedrohlich werden.
Warnsymptome werden meistens nicht erkannt oder verkannt:
- Muskelschwäche
- Parästhesien (Kribbeln in Extremitäten, pelzige Empfindung der Zunge)
Im EKG äußert sich eine Hyperkaliämie durch:
- spitze und überhöhte T-Wellen
- bei sehr hohem Spiegel mit Abflachung der P-Welle und R-Zacke, Verbreiterung des QRS-Komplexes, der S-Zacken und der T-Welle.
Lebensbedrohlich sind die kardialen Komplikationen mit Einsetzen von Arrhythmien, die bis hin zum Kammerflimmern und zur Asystolie führen können.
3 Diagnostik [bearbeiten]
Eine Hyperkaliämie ist daher meistens ein Zufallsbefund bei der Routinekontrolle des Blutes im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthaltes. Die Kenntnis der Ätiologie einer Hyperkaliämie sollte in der alltäglichen ärztlichen Praxis zur Prophylaxe oder rechtzeitigen Anbehandlung der Hyperkaliämie genutzt werden.
4 Ätiologie [bearbeiten]
Oft ist eine Hyperkaliämie Folge einer verminderten renalen Ausscheidung. Ursachen für eine renale Ausscheidungsstörung sind beispielsweise alle Formen der Niereninsuffizienz.
- CAVE: Eine im Alltag sehr häufige Ursache für den Laborbefund einer Hyperkaliämie ist die Hämolyse bei der Blutabnahme, beispielsweise bei zu langer Stauung vor der Punktion oder zu dünner Entnahmenadel. Eine zufällig und insbesondere unerwartet aufgetretene Hyperkaliämie sollte daher stets nochmals kontrolliert werden.
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Akute Zellschädigung: Beim Zerfall von Zellen wird intrazellulär reichlich vorhandenes Kalium in die Blutbahn geleitet. Die Ursachen der Zellschädigung sind vielfältig (Unter anderem Hämolyse, Rhabdomyolyse, Verbrennung, Tumor-Lyse-Syndrom, Ischämien und Infarkte mit anschliessender Reperfusion)
- Medikamenteneinnahme: Eine Reihe von Medikamenten führt zur verminderten Ausscheidung bzw. zur vermehrten Freisetzung von Kalium. Ein Risiko der Hyperkaliämie ist grundsätzlich anzunehmen bei der Einnahme von:
- Gesteigerte Aufnahme: Beim Gesunden ist eine Hyperkaliämie durch gesteigerte Kaliumzufuhr mit der Nahrung kaum zu erreichen. Bei vorliegender Niereninsuffizienz kann jedoch der verzehr kaliumreicher Nahrungsmittel schnell zur Hyperkaliämie führen. Kaliumreich sind vor allem Obst und Gemüse, insbesondere Bananen.
- Zelluläre Umverteilung: Bei einer Azidose scheidet die Niere im Bemühen der Gegenregulation vermehrt Protonen aus, muss dazu aber jeweils ein Proton gegen ein Kaliumion tauschen. Dadurch akkumuliert Kalium bei einer Azidose. Über eine Umverteilung aus der Zelle in das Blut rufen beispielsweise auch die Digitalisintoxikation und Betablocker eine Hyperkaliämie hervor.
5 Therapie [bearbeiten]
Die Hyperkaliämie ist ein Notfall und sollte schnell und effektiv therapiert werden. Grundpfeiler der Therapie sind die Förderung der Ausscheidung und das Einschleusen von Kalium in die Zellen.
Bei akut absehbarer kardialer Affektion kann durch die intravenöse Gabe von Calciumgluconat die Toxizität des Kaliums auf das Myokard herabgesetzt werden.
Sehr hohe Werte können eine Indikation zur passageren Hämodialyse nach Anlage eines ZVK sein. Medikamentös kann die Ausscheidung von Kalium gefördert werden durch:
- forcierte Diurese mit Schleifendiuretika (z.B. Furosemid)
- Gabe von Kationenaustauschern
Um Kalium in die Zellen zu schleusen erfolgt:
- kombinierte Gabe von Insulin und Glucose
- Gabe von Sympathomimetika (entgegengesetzter Effekt zu Betablockern)
- Gabe von Natriumbikarbonat
Siehe auch: Hypokaliämie
Fachgebiete: Innere Medizin
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