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Erbrechen

Synonyme: Emesis, Vomitus, "Kotzen" (vulgär)
Englisch: emesis, regurgitation, vomitus

1 Definition

Erbrechen ist eine komplexe, vom Brechzentrum gesteuerte, reflexartige Körperaktion, die zu einer umgekehrten Entleerung von Magen- oder Darminhalt führt. Das Gefühl, das dem Erbrechen unmittelbar vorausgeht, nennt man Brechreiz.

Erbrechen ist ein Symptom und keine Diagnose.

2 Physiologie

Erbrechen kann durch periphere oder zentrale Faktoren ausgelöst werden:

Die sensorischen Signale werden vom Pharynx, Ösophagus, Magen und Dünndarm (oberer Teil) sowohl über die afferenten Nervenbahnen des Nervus vagus (parasympathisch) als auch afferente sympathische Nerven zum Brechzentrum transportiert. Von hier werden motorische Signale über die Hirnnerven V, VII, IX, X, XII zum oberen Teil des Gastrointestinaltraktes und über den Nervus vagus (Hirnnerv X) und sympathische Nervenbahnen zum unteren Teil des Gastrointestinaltraktes übermittelt. Die motorische Innervation führt zu einer Antiperistaltik, die im Ileum startet und mit einer Geschwindigkeit von ca. 2-3 cm/sek den Inhalt des oberen Gastrointestinaltraktes nach rostral befördert.

3 Ätiologie

Das Erbrechen kann ein Symptom vieler verschiedener Erkrankungen der unterschiedlichsten Organsysteme sein.

Mögliche Ursachen eines Erbrechens sind:

4 Differentialdiagnose

Die diagnostische Näherung an das Symptom erbrechen beginnt mit der gründlichen Anamnese:

  • Wann trat das Erbrechen auf?
  • Zum wievielten Mal wird erbrochen?
  • Gibt es ein zeitliches Muster oder einen Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme?
  • Wie sahen das Erbrechen und das Erbrochene aus?
  • Welche Begleitsymptome bestehen?

Aus diesen einfachen Fragen können sich bereits Verdachtsdiagnosen ergeben.

4.1 Erbrechen am Morgen

Erbrechen am Morgen noch vor dem Frühstück gilt als Hinweis für eine Schwangerschaft, insbesondere wenn gleichzeitig eine Amenorrhoe bestehen sollte. Es kann jedoch auch Ausdruck einer Lebensmittelvergiftung sein oder aber auf die morgendliche Übelkeit bei Alkoholikern zurückzuführen sein.

4.2 Erbrechen nach dem Essen

Ein auf das Essen folgendes Erbrechen kann Hinweis auf eine Passagestörung im Magen sein, beispielsweise im Rahmen einer gastroduodenalen Ulkuskrankheit oder einer Magenausgangsstenose (Magenkarzinom?).

4.3 Erbrechen ohne vorangehende Übelkeit

Ein Erbrechen ohne vorausgehende ernsthafte Übelkeit deutet auf eine direkte Reizung des Brechzentrums durch neurologische Ursachen hin, beispielsweise bei Hirndruckerhöhung. Das Erbrechen ist hierbei häufig schwallartig. Im Säuglingsalter ist hier insbesondere auf eine hypertrophe Pylorusstenose zu achten.

4.4 Begleitsymptome des Erbrechens

Symptome, die zusätzlich zum Erbrechen bestehen, können ebenfalls den diagnostischen Pfad weisen. Im folgenden werden stichwortartige Assoziationen zu den einzelnen Begleitsymptomen wiedergegeben.

Meningismus erhöhter Hirndruck
Kopfschmerzen Hirndruck, Glaukomanfall
rotes Auge, Sehstörungen Glaukomanfall
Bewusstseinsstörung Intoxikation, Stoffwechselentgleisung
Drehschwindel Neuronitis vestibularis, Morbus Meniere
Tinnitus Morbus Meniere
Koliken Cholelithiasis, Urolithiasis (auf Head-Zonen der Schmerzprojektion achten)
Diarrhö Gastroenteritis, Staphylokokkenenterotoxikose, Acetonämisches Erbrechen
Amenorrhoe Schwangerschaft
Husten Liegt bereits eine Aspiration des Erbrochenen vor?

4.5 Labormedizinische Parameter

Die Bestimmung eines Blutbildes, der Elektrolyte, Retentionswerte und der Glukose können weitere Verdachtsmomente triggern:

Ein erhöhter Hämatokrit kann Anzeichen einer bereits bestehenden Hypovolämie bzw. Dehydratation sein (Tachykardie? Blutdruck?). Bei wiederholtem Erbrechen kann es durch den Verlust säurehaltigen Magensaftes zu einer metabolischen Alkalose kommen.

4.6 Betrachtung des Erbrochenen

Erfolgt das Erbrechen in Anwesenheit des Arztes oder medizinischem Fachpersonal sollte unbedingt auch eine visuelle Prüfung des Erbrochenen stattfinden.

Aspekt Fachausdruck Vorkommen
Blutiges Erbrechen (Kaffeesatzerbrechen) Hämatemesis Ausdruck einer oberen gastrointestinalen Blutung
Galliges Erbrechen mit grünlichem Aussehen Cholemesis Hinweis für ein Passagehindernis distal der Papilla duodeni major
Fäkales Erbrechen Miserere, Kopremesis Hinweis für einen tiefen Ileus z.B. bei Kolonkarzinom
Unverdaute Nahrungsreste Regurgitation z.B. Zenker-Divertikel

4.7 Weitere diagnostische Schritte

Die Auswahl und Durchführung der weiteren Diagnostik wird maßgeblich durch die gegebene Anamnese beeinflusst. Ziel ist die ätiologische Abklärung des Erbrechens. Dazu können eine Vielzahl von diagnostischen Schritten notwendig sein.

5 Therapie

Die Therapie des Erbrechens richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Nur bei wenigen Indikationen ist eine Prophylaxe bzw. symptomatische Therapie des Erbrechens indiziert, beispielsweise bei zytostatika-induziertem Erbrechen (Antiemetikum) oder Kinetosen.

In den anderen Fällen steht die Therapie der zum Erbrechen führenden Erkrankung klar im Vordergrund.

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