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Hirntumor

Synonym: Gehirntumor
Englisch: brain tumor

1 Definition

Hirntumor ist eine Sammelbezeichnung für gutartige oder bösartige Tumoren, die vom Gehirngewebe ausgehen. Im weiteren Sinn werden alle Tumoren, die innerhalb der Schädelhöhle wachsen, als Hirntumore bezeichnet - einschließlich der Metastasen extrakranieller Tumoren.

2 Pathophysiologie

Hirntumoren wachsen in einem geschlossenen Raum, der Schädelhöhle, die der Expansion des Tumors und den Ausweichbewegungen der Nachbargewebes enge Grenzen setzt. Bei Hirntumoren ist daher nicht nur die direkte Zerstörung des Gewebes durch das Tumorwachstum, sondern auch die Umgebungsreaktion ein wichtiger Faktor:

  • Je maligner der Tumor, desto größer ist das die Raumforderung umgebende perifokale Ödem. Es kann den Volumeneffekt des Tumors außerordentlich vergrößern und die Symptomatik aggravieren. Intrazerebrale Metastasen besitzen in der Regel ein sehr ausgeprägtes Ödem.
  • Die Raumforderung durch den Tumor kann die Liquorräume verengen und dadurch zu Störungen der Liquorzirkulation bzw. Liquorresorption führen.

Nach dem Aufbrauchen der intrakraniellen Reserveräume steigt der Hirndruck exponentiell an (Monro-Kellie-Doktrin). Dies macht sich klinisch durch die Hirndruckzeichen bemerkbar. Im weiteren Verlauf kann es zu charakteristischen Massenverschiebungen (z.B. Midlineshift), Herniationen und Einklemmungssymptomen kommen.

3 Einteilung

3.1 Einteilung nach Histologie

Eine Einteilung der Hirntumoren kann man nach der WHO–Klassifikation der Tumoren des Nervensystems vornehmen, die auf der von Zülch und Wechsler 1986 erstellten Aufteilung basiert. Ihre Grundlage ist die lichtmikroskopische Histologie der Raumforderungen. Verfeinert wird diese Einteilung zunehmend durch immunzytochemische, immunhistologische und molekulargenetische Untersuchungen des Gewebes. Dadurch kann eine Therapie noch besser angepasst werden.

3.2 Einteilung nach Lokalisation

Nach ihrer Lokalisation kann man Hirntumoren grob unterteilen in:

Diese Unterscheidung ist insofern von Bedeutung, dass infratentorielle Tumoren in einem sehr beengten Raum, der hinteren Schädelgrube, wachsen.

4 Pathohistologie

Nach ihrer Dignität lassen sich Hirntumore nach dem WHO-Schema pathohistologisch in vier Gruppen einteilen:

5 Symptomatik

5.1 Allgemeine Symptome

Die meisten Tumoren wachsen langsam, weshalb das Gehirn die Volumenzunahme relativ lange ohne Funktionsausfälle tolerieren kann. Erst bei einer Dekompensation werden Raumforderungen symptomatisch. Sie äußern sich unter anderem durch folgende Symptome:

Hirndruckzeichen bei infratentoriellen Tumoren häufiger und früher auf.

5.2 Neurologische Ausfälle

Ungefähr 2/3 aller Gehirntumoren werden zuerst durch die neurologische Symptomatik auffällig. Diese kommt durch direkte Destruktion von Nervengewebe oder durch Begleiterscheinungen des Tumors wie mechanischer Druck, perifokales Ödem oder Tumoreinblutungen zustande.

Die Symptomatik gibt Hinweise auf die Lokalisation der Tumoren:

5.2.1 Supratentorielle Tumoren

5.2.2 Infratentorielle Tumoren

6 Differentialdiagnose

Als Differentialdiagnosen kommen vor allem andere intrakranielle Raumforderungen oder neurodegenerative Erkrankung in Betracht, z.B.

7 Diagnostik

Im Vordergrund stehen bildgebende Verfahren, mit denen die Lokalisation und Ausdehnung des Tumors bestimmt werden kann. Dabei kommen immer häufiger auch aus den Schichtaufnahmen errechnete 3D-Darstellungen zum Einsatz.

Zusätzlich kommen EEG und Liquordiagnostik in Frage.

8 Therapie

Die Therapie von Hirntumoren ist meist diffizil. Sie muss dem Patienten und seiner Tumorart individuell angepasst werden. Grundsätzlich bestehen folgende Möglichkeiten:

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