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Diabetische Ketoazidose

1 Definition

Bei der diabetischen Ketoazidose handelt es sich um eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) bei Insulinmangel, die eine sofortige intensivmedizinische Behandlung notwendig macht. Die Ketoazidose ist eine Form der metabolischen Azidose.

2 Pathophysiologie

Im Allgemeinen ist eine Ketoazidose eine Stoffwechselübersäuerung (Azidose) durch Ketonkörper wie Aceton. Die diabetische Ketoazidose ist eine Komplikation des Typ-1-Diabetes und Folge eines schweren Insulinmangels, auf den der Körper mit einer Ausschüttung von Stresshormonen, wie zum Beispiel Kortisol, reagiert. Dies führt zu einer unterschiedlich ausgeprägten Hyperglykämie. Der Körper deckt dann seinen Energiebedarf über den Abbau von Fetten und Ketonkörpern, was zu einer Übersäuerung des Körpers führt. Folge dieser Veränderungen sind ein Austrocknen (Exsikkose) des Körpers und ausgeprägte Entgleisungen der Elektrolyte.

3 Biochemische Vorgänge

  1. die durch den Insulinmangel gesteigerte Lipolyse führt zu einem vermehrten Anfall freier Fettsäuren
  2. ein verminderter Glukoseumsatz im Pentosephosphat-Zyklus führt zu einem Mangel an NADPH/H+, der wiederum die Fettsäuresynthese blockiert.

Aus diesen zwei Gegebenheiten resultiert eine erhöhte Konzentration freier Acetylverbindungen, die zusätzlich ein weiteres Enzym der Fettsäuresynthese blockieren, nämlich die Acetyl-CoA-Carboxylase. Daher besteht nun zwar eine Hyperglykämie, jedoch ist die Glukosepermeation in die Zelle gestört. So mangelt es im Endeffekt intrazellulär an Glukose als Energielieferanten und es werden freie Fettsäuren über die ß-Oxidation zu Acetyl-CoA-Verbindungen abgebaut. Das in großen Mengen anfallende Acetyl-CoA kann wegen eines relativen Mangels an Oxalacetat nicht vollständig in den Citratzyklus zur Energiegewinnung eingeschleust werden.

In der Folge wird Acetyl-CoA über alternative Stoffwechselwege zur Ketonkörper- und Cholesterinbiosynthese verwendet. Die Konsequenzen sind Ketonämie, Hyperlipoproteinämie und Hypercholesterinämie. Die Ketonkörper Azetessigsäure und ß-Hydroxybuttersäure beanspruchen durch Abgabe von H+-Ionen die Alkalireserven des Körpers. Es kommt daher zur metabolischen (Keto-)Azidose mit negativem Basenexzess.

4 Symptome

Die diabetische Ketoazidose ist durch hohe Blutzuckerwerte, Ketonkörper im Urin, Übersäuerung des Blutes (Azidose), Wasserverlust, Durst, Erbrechen, Benommenheit und auch Acetongeruch in der Atemluft gekennzeichnet. Es können Bewusstseinsstörungen bis hin zum Coma diabeticum auftreten. Kompensatorisch versucht der Patient die Azidose mittels Kußmaul-Atmung auszugleichen.

5 Therapie

Die Grundpfeiler der Behandlung einer diabetischen Ketoazidose bestehen in der intravenösen Infusion von größeren Flüssigkeitsmengen und von Insulin. Dabei ist insbesondere auf eine zeitgerecht einsetzende Zufuhr ausreichend hoher Mengen von Kalium zu achten, da dieses durch die Insulinwirkung aus dem Extrazellularraum in die Zellen verschoben wird - es entsteht aus einer ursprünglichen Hyperkaliämie eine Hypokaliämie. Wegen der Schwere des Krankheitsbildes ist unbedingt eine stationäre Behandlung erforderlich.


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