Hypoglykämie
Synonym: Unterzuckerung
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Unter einer Hypoglykämie versteht man eine Absenkung der Blutglukose-Konzentration unter den physiologischen Normwert von 60 mg/dl oder 3,3 mmol/l.
Anm.: Im Kindesalter gelten andere Grenzen: 45 mg/dl (2,5 mmol/l) für Neugeborene und 50 mg/dl (2,8 mmol/l) jenseits der Neonatalperiode.
2 Einteilung [bearbeiten]
Nach dem Zeitpunkt des Auftretens unterscheidet man:
- Nüchternhypoglykämie: Tritt im Nüchternzustand oder während körperlicher Arbeit auf.
- Postprandiale Hypoglykämie: Tritt nach Aufnahme kohlenhydrathaltiger Nahrung auf.
3 Pathophysiologie [bearbeiten]
Hypoglykämien sind die Folge einer Störung der Koordination bzw. Regulation zwischen Glucoseabgabe durch die Leber (aus dem Glykogenreservoir oder durch Gluconeogenese) und der Glucoseaufnahme durch die verbrauchenden Organe. Sie entwickeln sich meist akut und führen dann zu einer charakteristischen Symptomatik. Notwendigerweise sind zumindest einige der Regelkreise, die den Blutzuckerspiegel regulieren, aufgetrennt (s. unter Ursachen). Die Autoregulation kann erhalten sein, hat aber keine hinreichende Kapazität zur Kompensation der Entgleisung.
4 Ursachen [bearbeiten]
Bei insulinpflichtigen Diabetikern ist eine Hypoglykämie bei Überdosierung von Insulin bzw. oralen Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe, Glinide) oder inadäquater Nahrungsaufnahme nach Insulin-Applikation möglich. Diese Konstellation tritt klinisch am häufigsten auf. Daneben gibt es eine Vielzahl anderer Ursachen, zum Beispiel:
- Insulinome
- Nesidioblastose
- IGF-II-produzierende Tumoren
- Autoimmun-Insulin-Syndrom (AIS)
- Antikörper gegen Insulin-Rezeptoren
- Medikamente (z.B. Pentamidin, Chinin, Chinidin)
- Zustand nach Gastrektomie
- terminale Niereninsuffizienz
- Endokrinopathien
- Anorexie
Hypoglykämien treten darüber hinaus auch im Rahmen angeborener Stoffwechselkrankheiten, wie Glykogenosen, dem kongenitalen Hyperinsulinismus oder der hereditären Fruktoseintoleranz auf.
5 Symptome [bearbeiten]
Die Zeichen einer Hypoglykämie sind abhängig vom Schweregrad der Unterzuckerung. Man kann sie in 3 Gruppen einteilen.
5.1 Autonome Zeichen [bearbeiten]
Sie werden auch adrenerge Zeichen genannt und entstehen durch einer reaktive Adrenalinausschüttung. Zu ihnen zählen:
- Zittern
- Schwitzen
- Palpitationen (Herzklopfen)
- Tachykardien (Herzrasen)
- Heißhunger
- Blässe
5.2 Neuroglykopenische Zeichen [bearbeiten]
Die neuroglykopenischen Zeichen entstehen durch den Glucosemangel im ZNS - meist erst bei Blutzucker-Konzentrationen unter 50 mg/dl. Die Glykopenie betrifft viele neuronale Funktionen und kann sich wie folgt äußern:
- Benommenheit
- Verwirrtheit
- Sprachstörungen (Aphasie)
- Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder)
- Atypisches Verhalten
- Parästhesien
- Transiente Hemiplegie
- Psychose oder Delir
Bei weiter fallendem Blutzuckerspiegel (< 30–40 mg/dl) entstehen schwere neurologische Störungen:
5.3 Unspezifische Zeichen [bearbeiten]
Sie stellen Begleitsymptome dar, die nicht charakteristisch für eine Hypoglykämie sind.
Bei langsam auftretenden Hypoglykämien können die autonomen Zeichen fehlen. Dadurch können neuroglykopenische Zeichen ohne Vorwarnung auftreten und plötzlich zu schweren Störungen des Zentralnervensystems führen (Hypoglykämischer Schock).
6 Therapie [bearbeiten]
6.1 Akuttherapie [bearbeiten]
- Blutzucker liegt bei weniger als 80 mg/dl: Essen ohne Spritz-Ess-Abstand
- Blutzucker liegt bei weniger als 60 mg/dl: 1 BE Traubenzucker, nach 30 min. Blutzuckermessung
- Schwere Hypoglykämie: Glukose i.v., Glukagon s.c. oder i.m., engmaschige Blutzuckerkontrolle
6.2 Langfristige Therapie [bearbeiten]
Intensive Schulung des Patienten
Tags: Blut, Glukose, Unterzuckerung
Fachgebiete: Endokrinologie u. Diabetologie, Pathologie
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