Chinin
Synonyme: Quinin, Chininum hydrochloricum
Englisch: quinine
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1 Definition [bearbeiten]
Chinin ist ein Arzneistoff gegen Malaria, der in der Rinde des Chinabaums (Chinchona pubescens) vorkommt.
2 Geschichte [bearbeiten]
Chinin wird bereits seit Jahrhunderten als Heilmittel gegen Malaria verwendet. Schon die Ureinwohner Südamerikas wussten von der fiebersenkenden Wirkung des Chinins.
3 Verwendung [bearbeiten]
Chinin wird zur Behandlung von Malaria eingesetzt, es wirkt abtötend auf die im Blut vorkommenden Schizonten. Nach der Entwicklung synthetischer Malariamittel hatte Chinin eine nur mehr geringe Bedeutung, angesichts wachsender Resistenzen der Erreger wird Chinin heute wieder öfter eingesetzt. Es wird nach wie vor aus der Rinde von Chinarindenbäumen gewonnen, die eigens für diesen Zweck kultiviert werden.
Hauptsächlich verwendet man Chinin zur Behandlung der Malaria tropica, wenn die Erreger (Plasmodien) Resistenzen gegen Chloroquin aufweisen oder multiresistent sind. [Malaria tropica wird durch Plasmodium falciparum verursacht. Die Resistenzbildung unter Chinin ist gering.
Weiterhin wird Chinin als Zusatz in Medikamenten gegen grippale Infekte verwendet, da es bereits in geringen Dosen lokal betäubend und fiebersenkend wirkt. Außerdem wird es zur Behandlung einer Babesiose eingesetzt.
Zudem findet Chinin des bitteren Geschmacks wegen Verwendung in der Lebensmittelindustrie. Beispielsweise findet sich Chinin in geringen Mengen in Tonic Water und in Bitter-Lemon-Getränken.
4 Pharmakokinetik [bearbeiten]
Chinin wird normalerweise oral gegeben, kann im Notfall jedoch auch intravenös verabreicht werden. Nach oraler Gabe wird Chinin gut und schnell resorbiert. Das Wirkungsmaximum tritt nach 1-3 Stunden ein. Im Plasma ist Chinin zu 70% an Proteine gebunden. Chinin wird fast vollständig in der Leber metabolisiert, nur 10% werden unverändert renal ausgeschieden.
5 Wirkung [bearbeiten]
Chinin hemmt die Hämopolymerase der Plasmodien. Die Erreger benötigen die Hämopolymerase und werden somit durch Chinin geschädigt. Chinin wirkt gegen alle Plasmodiumarten.
6 Unerwünschte Wirkungen (UAW) [bearbeiten]
- Gastrointestinale Beschwerden
- Allergische Symptome
- Toxische Wirkung auf das Nervensystem
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Verwirrtheit
- Sehstörungen: z.B. Doppeltsehen, Visusminderung, Farbensehen
- Hörstörungen: z.B. Tinnitus, Schwerhörigkeit
- Blutdruckabfall
- Schock
- Herzrhythmusstörungen
7 Kontraindikationen [bearbeiten]
Chinin darf bei folgenden Situationen nicht gegeben werden:
- Tinnitus
- Schädigungen des Sehnerven
- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel: Gefahr der intravasalen Hämolyse (Schwarzwasserfieber)
- Myasthenia gravis
- Schwangerschaft: Chinin wirkt auf die Muskulatur des Uterus und kann Wehen auslösen
- Chininallergie
8 Chininvergiftung [bearbeiten]
Werden zu hohe Dosen Chinin gegeben kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen, wie beispielsweise:
- Schwindel
- Erbrechen
- Ohrensausen
- Sehstörungen
- Spasmen der Netzhautgefäße
- Schädigung des Sehnervs
- Erblindung: in der Regel vorübergehend
- Erregungszustände
- Zyanose
- Herztod durch Herzlähmung
- Tod durch zentrale Atemlähmung
Die tödliche Dosis Chinin liegt bei etwa 8-10 g.
Tags: Malaria
Fachgebiete: Pharmakologie
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