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Morbus Wilson

nach Samuel Alexander Kinnier Wilson (1878-1937)
Synonyme: Degeneratio hepatolenticularis, Hepatolentikuläre Degeneration, Kupferspeicherkrankheit, Pseudosklerose Westphal
Englisch: Wilson's disease

1 Definition

Der Morbus Wilson ist eine erbliche Stoffwechselstörung, bei der es durch verminderte Ausscheidung zur Anhäufung und Ablagerung von Kupfer in verschiedenen Organsystemen kommt.

2 Genetik

Der für den Morbus Wilson ursächliche Gendefekt ist auf dem Chromosom 13 lokalisiert. Der Vererbungsmodus ist autosomal-rezessiv. Durch den Gendefekt ist die Funktion eines Membrantransportproteins für Kupfer-Ionen gestört. Die Häufigkeit des Gendefekts beträgt ca. 1:30.000. In Deutschland sind das 3.000 Bundesbürger.

3 Pathogenese

Die Ausscheidung überschüssigen Kupfers über die Galle ist gestört. Dadurch reichert sich Kupfer in der Leber an und induziert eine Entzündungsreaktion, die letztlich bis zur Leberzirrhose fortschreiten kann.

Über die Leber kommt es zur Ausschwemmung von Kupfer in den Kreislauf. Dort wird Kupfer nach Überlastung des physiologischen Transportproteins Coeruloplasmin vermehrt auch an Albumin gebunden. Dadurch gelangt das überschüssige Kupfer leicht in andere Organsysteme des Körpers.

Hohe Kupferkonzentrationen im Blut können zu direkten toxischen Effekten (Kupferintoxikation) wie z.B. einer hämolytischen Anämie führen.

4 Symptomatik

Die Symptomatik des Morbus Wilson ist variabel, die Krankheit manifestiert sich meist vor dem 20. Lebensjahr. Kupfer akkumuliert in zahlreichen Geweben, v.a. in der Leber, in der Kornea und im ZNS (v.a. Kleinhirn und Basalganglien), aber mitunter auch in Herz, Nieren und Knochen.

Die Leber ist zunächst im Sinne einer Fettleber und Hepatitis betroffen. Im weiteren Verlauf bildet sich eine Leberzirrhose aus. Neurologisch können dem Morbus Parkinson ähnelnde Symptome mit begleitenden psychischen Störungen auftreten, sowie Flapping Tremor (Frequenz 3-6 Hz), zerebellärer Tremor (Frequenz 3-6 Hz, Intentionstremor, v.a. bei zielgerichteten Bewegungen, Zeigeataxie). Weitere Zeichen sind Dysarthrie, choreatische Hyperkinesen, Pyramidenbahnzeichen, Dysphagie.

An den Augen können pathognomonische Kayser-Fleischer-Kornealringe auftreten. Schubweise Freisetzung von Kupfer in den Kreislauf im Rahmen von Zelluntergängen in der Leber führt bei einem Teil der Patienten zu rezidivierenden hämolytischen Anämien. Die Kupferablagerungen im Bereich der Lunula führen häufig zu blau-bräunlichen Anlagerungen.

Seltener sind Schädigungen des Herzens (Kardiomyopathie), Osteoporose und ein akutes Nierenversagen zu beobachten.

5 Diagnostik

Die Diagnostik umfasst:

  • Bestimmung der Kupferausscheidung im Urin (erhöht)
  • Bestimmung von Kupfer und Coeruloplasmin im Serum (erniedrigt)
  • Nachweis eines erhöhten Kupfergehaltes in der Leber durch Leberbiopsie
  • Nachweis von Kayser-Fleischer-Kornealringen in der Spaltlampenuntersuchung

Die Konzentration von Kupfer im Serum ist bei Morbus Wilson im Normalfall erniedrigt, da auch der Coeruloplasminspiegel erniedrigt ist und Kupfer im Serum normalerweise nur an Coeruloplasmin gebunden vorliegt. Ein Anstieg des freien, d.h. nicht an Coeruloplasmin gebundenen Kupfers weist auf eine zunehmend verminderte Leberfunktion bzw. ein Leberversagen hin.

Ein Gentest kann die Diagnose ergänzen, ist jedoch sehr anspruchsvoll, da es beim Morbus Wilson mehrere hundert mögliche Mutationen des ATP7B-Genes gibt.

6 Therapie

Derzeit (2005) existiert für den Morbus Wilson keine kausale Therapiemöglichkeit. Die Therapie besteht daher zum einen in der Meidung der Kupferaufnahme und zum anderen in der Steigerung der Kupferausscheidung.

Eine kupferarme Diät soll die Kupferaufnahme reduzieren, ist jedoch nur schwer einzuhalten, da Kupfer in fast allen Lebensmitteln enthalten ist (v.a. Meeresfrüchten, Innereien und Kakao).

Zur Steigerung der Kupferausscheidung wird das Medikament D-Penicillamin eingesetzt, welches einen Komplex mit Kupfer bildet, der renal ausgeschieden wird (immer in Kombination mit Pyridoxin oder Prednison). Bei Unverträglichkeit kann alternativ Zink eingesetzt werden, welches die Kupferaufnahme im Darm reduziert.

Der Chelatkomplexbildner Trientin kann als alternative Therapie eingenommen werden.

Bei einer fortschreitenden Leberzirrhose sollte frühzeitig eine Lebertransplantation in Erwägung gezogen werden.

Bei früher Diagnose und adäquater Therapie weisen die meisten Patienten ohne größere Einschränkungen der Lebensqualität eine nahezu normale Lebenserwartung auf.

7 Leitlinie

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