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Langerhanszell-Histiozytose

(Weitergeleitet von Histiozytose X)

Synonym: Langerhans-Zell-Histiozytose, Klasse-I-Histiozytose, Histiozytose X (veraltet)
Englisch: Langerhans cell histiocytosis

1 Definition

Der Begriff Langerhanszell-Histiozytose, kurz LCH, umfasst eine Gruppe von Erkrankungen, die durch die klonale Proliferation von Langerhans-Zellen mit einer daraus folgenden Infiltration und Granulombildung in verschiedenen Geweben gekennzeichnet sind.

2 Epidemiologie

Langerhanszell-Histiozytosen treten vor allem im Kindesalter auf und sind selten. Pro 1 Millionen Kinder kommt es schätzungsweise zu 3 bis 5 Erkrankungen. Die pulmonale Verlaufsform manifestiert sich in der Regel im Erwachsenenalter zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

3 Ätiologie

Die Ätiologie ist noch ungeklärt. Diskutiert werden eine gestörte Immunreaktion bzw. eine autoimmune Genese.

Für die pulmonale Langerhanszell-Histiozytose ist Rauchen ein wesentlicher Risikofaktor.

4 Klinik

Grundsätzlich kann jedes Organ betroffen sein. Am häufigsten kommt es zu einem Befall von Knochen, Haut und der Hypophyse. Auch eine Beteiligung der Leber, Milz oder des blutbildenden Systems ist häufig. In 15 % der Fälle kommt es zu einer pulmonalen Manifestation. Seltener treten Infiltrationen von Lymphknoten oder des ZNS (außer der Hypophyse) auf.

Ausprägung und Verlauf der Erkrankung sind variabel. So sind asymptomatische Verläufe möglich. Einige Patienten sind lediglich durch z.B. kutane Manifestationen betroffen und andere wiederum leiden unter einem multifokalen bzw. generalisierten Befall. In einigen Fällen kommt es zu einer spontanen Genesung, in anderen zu einem chronischen oder progredienten Verlauf.

Man unterscheidet verschiedene klinische Erscheinungsformen der Langerhanszell-Histiozytosen, die jedoch ineinander übergehen können.

4.1 Abt-Letterer-Siwe-Krankheit

Bei der Abt-Letterer-Siwe-Krankheit handelt es sich um eine akute, disseminierte und maligne Verlaufsform der Langerhanszell-Histiozytose im Kindesalter. Ihre Inzidenz liegt etwa zwischen 2 und 5 Fällen pro 1.000.000 Kinder. Das weibliche Geschlecht ist häufiger betroffen. In einigen Fällen wurde ein autosomal-rezessiver Erbgang beschrieben.

Charakteristisch für diese bereits im ersten Lebensjahr auftretende Form ist das schubweise Auftreten gelbbrauner, schuppender Papeln. Sie können flach, aber auch kugelig oder spitzkegelförmig sein. Bevorzugte Lokalisationen sind seborrhoische Zonen wie die behaarte Kopfhaut, der Gehörgang, die Nasolabialfalte und Perioralregion sowie die vordere und hintere Schweißrinne. Es besteht die Möglichkeit des nekrotischen Zerfalls und der sekundären Superinfektion.

Es handelt sich um eine generalisierte Erkrankung, die zu Lymphadenopathie, septischem Fieber, Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie, Granulozytopenie) und häufig auch destruierenden Knochenveränderungen sowie Hepatosplenomegalie führt. Der Verlauf ist häufig letal.

4.2 Hand-Schüller-Christian-Krankheit

Die Hand-Schüller-Christian-Krankheit ist eine chronische Form der Langerhanszell-Histiozytose mit multifokaler Organbeteiligung. Sie manifestiert sich in der Regel im Kindesalter und ist durch unterschiedliche Hautveränderungen charakterisiert: man sieht vor allem am Kopf, der Anogenitalregion sowie am Stamm braunrote Herde und gelbbraune Papeln, die mit Schuppen und Krusten belegt und häufig auch superinfiziert sind. An den Schleimhäuten können sich Ulzerationen ausbilden. Außerdem kommt es durch Granulombildung zu Veränderungen an den Knochen. Ein Diabetes insipidus resultiert aus dem Befall der Hypophyse, ein Exophthalmus aus der Ausbildung von Granulomen in der Orbita.

Die Erkrankung verläuft chronisch progredient und endet häufig letal.

4.3 Eosinophiles Granulom der Knochen

Das eosinophile Granulom ist eine relativ gutartige Variation der Langerhanszell-Histiozytose. Es kommt zu einer umschriebenen, solitär bis multipel auftretenden Granulombilung an den Knochen. Diese osteolytischen Herde führen zu Schmerzen und Schwellungen bis hin zu Spontanfrakturen. Zudem treten ähnliche Hautveränderungen wie bei der Abt-Letterer-Siwe- und Hand-Schüller-Christian-Krankheit auf, diese sind jedoch diskreter ausgebildet. Selbstlimitierende Verläufe sind möglich.

4.4 Pulmonale Langerhanszell-Histiozytose

Die pulmonale Form äußert sich durch unspezifische Beschwerden wie Husten und Dyspnoe. Des Weiteren treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust und Müdigkeit auf. Auch eine Hämoptoe ist möglich. In fortgeschrittenen Stadien kommt es zum Cor pulmonale.

5 Diagnose

Die Diagnose wird mittels Biopsie anhand der Histopathologie gestellt. Die radiologische Bildgebung liefert Hinweise bei einem Befall des Skelettsystems und der Lunge. Bei pulmonaler Manifestation kann zudem eine BAL wegweisend sein.

5.1 Histopathologie

Histopathologisch finden sich in der Dermis oder anderen Geweben wie der Lunge proliferierende Histiozyten, welche die Oberflächenmarker von Langerhans-Zellen aufweisen. Der immunhistochemische Nachweis von CD1a, S100 und CD207 (Langerin) sichert die Diagnose. In den Histiozyten können elektronenmikroskopisch Langerhans-Granula und Birbeck-Granula nachgewiesen werden.

6 Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch müssen unter anderem folgende Erkrankungen abgegrenzt werden:

7 Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Lokalisation und dem Ausmaß der Erkrankung. Zur Lokaltherapie werden Antiseptika und Glukokortikoide genutzt. Die systemische Behandlung erfolgt mit Glukokortikoiden und Zytostatika wie Vinblastin. Eine Radiatio wird bei Veränderungen an den Knochen angewendet, PUVA bei chronischen Formen genutzt. Bei solitären Herden besteht ggf. die Möglichkeit der Exzision. In fortgeschrittenen Stadien kann eine allogene Stammzelltransplantation in Erwägung gezogen werden.

8 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Oktober 2022 um 17:31 Uhr bearbeitet.

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