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Erdheim-Chester-Erkrankung

Englisch: Erdheim-Chester disease

1. Definition

Die Erdheim-Chester-Erkrankung, kurz ECD, ist eine sehr seltene Form der Histiozytose mit mono- und polyklonaler Proliferation der Makrophagen. Sie wird innerhalb der Histiozytosen der Langerhans-Gruppe (L-Gruppe) zugerechnet.

2. Geschichte

Entdeckt wurde die Erkrankung Anfang des 20. Jahrhunderts vom österreichischen Pathologen Jakob Erdheim während eines Forschungsaufenthalts in Wien. Die Erstpublikation erfolgte 1930 durch seinen britischen Kollegen William Chester (ein Kardiologe) am Falle einer 44-jährigen Frau, wobei er die Erkrankung als "Lipoidgranulomatose" bezeichnete.[1]

3. Epidemiologie

Weltweit wurden bisher lediglich 500 bis 600 Fälle beschrieben.[2] Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 40 und 70 Jahren, es wurden auch vereinzelte Fälle im Kindesalter beschrieben.[3] Männer sind mit etwa 70 % häufiger betroffen als Frauen.[4]

4. Ätiologie

Die Ätiologie ist weitgehend unklar. Familiäre Häufungen der Krankheit konnten bisher nicht festgestellt werden, was gegen eine Erblichkeit spricht. In etwa 10 % der Fälle findet sich eine Assoziation mit myeloproliferativen oder myelodysplastischen Erkrankungen[4], insbesondere der CMML.

5. Pathogenese

Der ECD kann sowohl eine monoklonale als auch eine polyklonale Makrophagenproliferation zugrunde liegen. Es wird daher angenommen, dass es sich um eine Mischung aus einer entzündlich-reaktiven und monoklonal-neoplastischen Erkrankung handeln könnte.

Die proliferierenden Makrophagen weisen einen schaumzellartigen Phänotyp auf. Sie infiltrieren verschiedenste Gewebe, wo sie entweder Granulome (teils mit Touton-Riesenzellen) oder diffuse Infiltrate bilden. Durch Freisetzung von Zyto- und Chemokinen kommt es zur Entzündungsreaktion und Gewebsfibrose.

Ein Teil der Erkrankungen ist mit aktivierenden Mutationen der RAS/RAF/MEK/ERK-Signalkaskade assoziiert, vornehmlich (ca. 50 % d.F.) mit einer BRAF-V600E-Mutation.[2][4] Derartige Mutationen werden häufiger bei Hautbeteiligung beschrieben.[3]

In etwa 20 % der Fälle besteht ein Overlap mit der Langerhanszell-Histiozytose.

6. Klinik

Die ECD ist eine chronisch verlaufende Multisystemerkrankung, die nahezu jedes Organ einbeziehen kann. Hierdurch ist das klinische Bild äußerst variabel. Durch Infiltration verschiedener Organe kommt es vor allem zu:[4]

Begleitend können Fieber und Gewichtsverlust auftreten.

7. Diagnose

Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptome sowie einer radiologischen, histologischen und immunhistologischen Untersuchung gestellt. Darüber hinaus wird eine Biopsie betroffener Organe entnommen und der BRAF-Mutationsstatus bestimmt. Das Biopsatgewebe ist typischerweise von schaumigen oder lipidbeladenen Histiozyten infiltriert und von einer Fibrose umgeben. Es können Granulome mit Touton-Riesenzellen vorkommen.

Radiologisch (inklusive Szintigraphie) ist nahezu immer eine symmetrische diaphysäre und metaphysäre Osteosklerose in den Beinen nachweisbar. In einer abdominellen CT findet sich manchmal eine sogenannte "haarige Niere" durch retroperitoneale Infiltrate sowie eine Einscheidung der Aorta.

7.1. Immunhistochemie

Immunhistochemisch ergeben sich charakteristischerweise folgende Befunde:[4]

8. Differentialdiagnosen

9. Therapie

Unter anderem folgende Therapien werden eingesetzt:

10. Prognose

Aufgrund der extremen Seltenheit der Erdheim-Chester-Erkrankung ist eine Aussage über die Prognose schwierig. Die Lebenserwartung hängt vom Schädigungsgrad der Organe ab.

11. Quellen

  1. Chester, Über Lipoidgranulomatose, Virchows Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin, 1930, Seite 577
  2. 2,0 2,1 Cives et al., Erdheim-Chester disease: a systematic review. Crit Rev Oncol Hematol; 2015
  3. 3,0 3,1 Ratzinger et al., Histiozytosen in Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Kapitel 113, Springer Medizin, 2018
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Papo et al., Erdheim-Chester Disease: a Concise Review, Current Rheumatology Reports, 2019

12. Literatur

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