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S100-Protein

(Weitergeleitet von S100)

1 Definition

Bei den S100-Proteinen handelt es sich um eine Gruppe von kalziumbindenen Proteinen. Sie werden unter anderem als Tumormarker für das maligne Melanom und als Prognosemarker nach zerebraler Schädigung verwendet.

2 Hintergrund

Der Name "S100" ist der Eigenschaft geschuldet, dass sich die Proteine bei einem pH-Wert von 7 in einer gesättigen (100%igen) Ammoniumsulfatlösung lösen.

3 Eigenschaften

Die S100-Proteine sind Dimere aus zwei isomeren Untereinheiten, die über eine Scharnierregion miteinander verbunden sind. In den meisten Fällen handelt es sich um Homodimere. Ein Isomer besteht aus einer E- und F-Helix, miteinander verbunden durch eine kalziumbindende Schleife (Helix-Loop-Helix). S100-Proteine sind thermolabil und haben eine Molekülmasse von 9 bis 13 kDa.

4 Einteilung

Zu den rund 20 S100-Proteinen gehören 16 verschiedene S100A-Proteine sowie S100B, S100G und S100P. Die Mitglieder der S100A-Gruppe werden systematisch durchnumeriert und als S100A1, S100A2, S100A3, S100A4, S100A5, S100A6, S100A7, S100A8, S100A9, S100A10, S100A11, S100A12, S100A13, S100A14, S100A15 und S100A16 bezeichnet. Sie sind im Gegensatz zu S100B, S100G und S100P auf einem engen Gen-Cluster auf Chromosom 1q21 kodiert.

S100-Protein Wirkung und Funktion
S100A1
S100A2
S100A3
S100A4
S100A6
S100A7
S100A8
S100A9
S100A8/A9 (Calprotectin)
S100A10
S100A12
  • Proinflammatorische Wirkung an Endothelzellen und inflammatorische Zellen
  • Extension von Neuriten

5 Vorkommen

S100-Proteine lassen sich in vielen verschiedenen Zellen nachweisen. Dazu zählen u.a. Schwann-Zellen, Melanozyten, Chondrozyten, Adipozyten, Myoepithelzellen, Makrophagen, Langerhans-Zellen, dendritischen Zellen Astrozyten und Keratinozyten. Darüber hinaus kommen sie in glatter Muskulatur, Kardiomyozyten und Nierenzellen vor. Das genaue Verteilungsmuster unterscheidet sich bei den verschiedenen Varianten.

6 Labormedizin

S100A1 und S100B können mithilfe von immunologischen Tests im Serum und im Liquor nachgewiesen werden.

6.1 Indikation

Die Bestimmung von S100-Proteinen erfolgt meist im Rahmen der Verlaufskontrolle und Prognosebewertung des malignen Melanoms. Im Liquor wird der Wert für S100-Proteine als Prognosemarker nach einem Apoplex, einem Schädel-Hirn-Trauma oder bei Neurodegeneration bestimmt.

6.2 Material

Für die Untersuchung wird entweder 1 ml Serum oder 1 ml Liquor benötigt. Da Hämolyse zu falsch-positiven Ergebnissen führen kann, sollte das Serum möglichst innerhalb 1 Stunde nach Probenentnahme zentrifugiert werden.

6.3 Referenzbereich

Material Frauen Männer
Serum bis 0,1 μg/l bis 0,1 μg/l
Liquor bis 2,5 μg/l bis 3,4 μg/l

6.4 Erhöhte Werte im Serum

Normale bis sehr leicht erhöhte Werte (bis 0,4 μg/l) können auftreten bei:

Leicht erhöhte Werte sind im Rahmen von folgenden Erkrankungen möglich:

Erhöhte Werte bis 2,0 μg/l können bei schweren bakteriellen Infekten auftreten.

Das S100-Protein kann im Serum stark erhöht sein bei:

Das S100-Protein kann als Prognoseparameter bei einem malignen Melanom bestimmt werden. Auch zur Verlaufs- und Therapiekontrolle eignet sich die Bestimmung der S100-Proteine, da bei einem Ansprechen der Therapie der Wert im Serum abfällt. Melanomstadien I bis II zeigen meist unauffällige Werte. Erhöhte Werte treten bei 4 bis 20% der Stadien III und bei 30 bis 90% der Stadien IV auf (im Stadium IV liegt der Median bei 6,25 μg/l).

6.5 Erhöhte Werte im Liquor

Lassen sich im Liquor erhöhte Werte für S100-Proteine nachweisen, gilt dies als Hinweis auf eine zerebrale Schädigung, beispielsweise einen Apoplex oder ein Schädel-Hirn-Trauma. Auch bei einer Neurodegeneration und im Rahmen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sind erhöhte Werte im Liquor möglich. Das S100-Protein steigt oft schon wenige Stunden nach der zerebralen Schädigung an und normalisiert sich in der Regel innerhalb von einer Woche.

7 Literatur

  • Laborlexikon.de; abgerufen am 20.04.2021

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Fachgebiete: Biochemie

Diese Seite wurde zuletzt am 20. April 2021 um 18:22 Uhr bearbeitet.

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