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Präanalytik

1 Definition

Präanalytik ist ein Begriff aus der Labormedizin. Er beschreibt den Teil des diagnostischen Prozesses, der vor der eigentlichen Erstellung des Messergebnisses liegt. Die weiteren Schritte heissen Analytik und Postanalytik. Präanalytik wird typischerweise im Kontext von Problemen benutzt, die die Qualität des Laborergebnisses verschlechtern können.

2 Begriffsklärung

Im engeren Sinne umschreibt Präanalytik folgende Schritte:

  • Probengewinnung
  • Probenlagerung
  • Probentransport
  • Probenvorbereitung

Dies umfasst sozusagen den Ablauf von der Kanüle bis zur Pipette. Im Idealfall sollte dabei der in vivo vorhandene Zustand einer Messgröße bis zur Analyse nicht verändert werden.

Teilweise wird Präanalytik deutlich weiter gefasst, dann gehören dazu:

Dieser Bereich wird auch als Prä-Präanalytik bezeichnet. Hier können Überschneidungen mit der Postanalytik stattfinden, d. h. die Auswahl des falschen Parameters führt in der Folge zu einer falschen Diagnose und Behandlung.

Die "Probenverwechslung", das heisst die Einsendung von Probenmaterial mit einer falschen Patientenidentifikation, ist wahrscheinlich die bei weitem größte Fehlerquelle der gesamten Laboranalytik.

3 Bedeutung

Die Präanalytik hat im Gesamtablauf den größten Einfluss auf die Qualität des Ergebnisses. Schätzungsweise 75% aller "Laborfehler" sind im Bereich der Präanalytik angesiedelt.

Die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Laboratoriumsdiagnostik[1] enthalten genaue Vorschriften zur Präanalytik. Unter anderem ist jedes medizinische Labor verpflichtet, den Einsendern eine schriftliche Anleitung zur korrekten Probengewinnung zur Verfügung zu stellen.

4 Beispiele

4.1 Probengewinnung

  • Traumatische Blutentnahme führt zur Gerinnungsaktivierung
  • Zu starker Sog beim Füllen der Monovetten führt zu Hämolyse
  • Blutentnahme am Arm proximal von einer Infusion oder aus einem Zentralen Zugang führt häufig zu einem Verdünnungsfehler
  • Werden Monovetten, die Antikoagulantien enthalten, nicht sofort gemischt, können Gerinnsel entstehen
  • Citratblutproben müssen bis zum Sollvolumen gefüllt sein, da die Probe sonst über-antikoaguliert ist
  • Wird bei Blutproben für die BGA das Röhrchen nicht luftfrei gefüllt, äquilibriert sich das Gas aus der Luft mit der Blutprobe
  • Bei der Gewinnung von Sammelurin wird das ausgeschiedene Volumen zu niedrig bestimmt, wenn der Patient nicht alle Urinportionen sammelt
  • Aus Unkenntnis oder Angst, bei einem Fehler ertappt zu werden, wird Material in andere Probenröhrchen umgefüllt oder zusammengeführt
  • Probenmaterial, das in einem bestimmten zeitlichen oder örtlichen Zusammenhang steht (Blutentnahme vor und nach einem bestimmten Test, Abstriche von verschiedenen Lokalisationen) wird nicht oder nicht richtig gekennzeichnet

4.2 Probenlagerung

4.3 Probentransport

  • Zu langer Transport erzeugt dieselben Probleme wie die Probenlagerung (s.o.).
  • Ungeeignete Rohrpostsysteme können Blutproben durch Stöße und Vibrationen beeinträchtigen.
  • Bei Transport in Lieferwagen oder Postversand können starke Temperaturschwankungen, evtl. sogar Frost, auftreten. Anfrieren führt zu Hämolyse.
  • Einige wenige Parameter (Kryoglobuline, Kälteagglutinine) können nur in körperwarm transportierten Proben untersucht werden.

4.4 Probenvorbereitung

  • Citratblut, aus dem eine Thrombozytenzählung bei EDTA-Pseudothrombozytopenie gemacht werden soll, wird als Gerinnungsprobe betrachtet und zentrifugiert
  • Wenn eine Blutprobe einen Analyten in ungewöhnlicher hoher Konzentration enthält, z.B. sehr hoher Antikörpertiter, kann dieser beim Pipettieren in die folgende Probe verschleppt werden

4.5 Erweiterte Präanalytik

5 Quellen

  1. Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen

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