Morbus Darier
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Loslegennach dem französischen Dermatologen Ferdinand-Jean Darier (1856–1938)
Synonyme: Dyskeratosis follicularis, Morbus Darier-White, Darier-White-Syndrom, Darier-Krankheit
Englisch: Darier disease, Darier's disease, Darier-White disease, keratosis follicularis
Definition
Der Morbus Darier ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die mit einer gestörten Verhornung von Epidermis, Haarfollikeln und Fingernägeln einhergeht.
Epidemiologie
Die Prävalenz wird regional unterschiedlich mit etwa 1:30.000 bis 1:100.000 angegeben. Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen. Die Erstmanifestation erfolgt typischerweise in der zweiten Lebensdekade, zeigt einen schubartigen Verlauf und bessert sich häufig in kalten Jahreszeiten.
Ätiopathogenese
Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant mit im Erwachsenenalter kompletter Penetranz, aber variabler Expressivität. Häufig treten Spontanmutationen auf. Ursächlich sind Mutationen im Gen ATP2A2 auf Chromosom 12 (Genlokus 12q24.1), das für die Calcium-ATPase SERCA2 kodiert.
SERCA2 pumpt Calciumionen (Ca2+) aus dem Zytoplasma der Keratinozyten in das endoplasmatische Retikulum und hält so die zytosolische Calciumkonzentration niedrig. Der Funktionsverlust der Pumpe stört die Proteinprozessierung und die calciumabhängige Bildung von Desmosomen, was zu einer gestörten Differenzierung der Keratinozyten sowie zu Akantholyse und Dyskeratose führt.
Klinik
Die Erkrankung manifestiert sich durch schuppig-krustig belegte Papeln von rötlicher Farbe, die häufig konfluieren. Nach Irritation durch Schwitzen, Feuchtigkeit, UV-Licht oder mechanische Reize können Läsionen und Juckreiz auftreten. Bakterielle Superinfektionen sind möglich und können zu einem ausgeprägten Foetor führen.
Charakteristisch sind punktförmige Unterbrechungen an den Papillarleisten von Finger- und Zehenballen durch eine abnorme Keratinisierung. An Hand- und Fußrücken kommt es zur Ausbildung von bräunlichen Keratosen, die Verrucae planae ähneln und auch als "Akrokeratosis verruciformis Hopf" bezeichnet werden.
An den Schleimhäuten von Wangen und hartem Gaumen kann es zur Ausbildung von weißlichen Papeln kommen. Nageldystrophien mit Furchen und rötlicher und weißlicher Streifung in Längsrichtung sind möglich.
Der Morbus Darier ist mit neuropsychiatrischen Erkrankungen assoziiert, darunter affektive Störungen (v.a. bipolare Störungen und Depressionen), Epilepsie und – in einzelnen Familien – eine Intelligenzminderung. Als Ursache wird eine pleiotrope Wirkung von SERCA2 im Gehirn diskutiert.
Prädilektionsstellen
Die Papeln treten besonders häufig in seborrhoischen und intertriginösen Bereichen auf. Dazu zählen:
- Anogenitalregion, Leiste
- Gesichtsmitte
- behaarter Kopf
- Inframammärfalte
- Axilla
- vordere und hintere Schweißrinne
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand der Papeln gestellt und durch das histopathologische Bild belegt:
- Papillomatose: Es zeigt sich eine Vergrößerung und Vergröberung der in die Epidermis hineinragenden Papillen des Bindegewebes, die sekundär über eine Verdickung zu einer welligen Unebenheit der Hautoberfläche führen
- Akanthose, Hyperkeratose
- fokale, akantholytische Dyskeratose: vorzeitige Einzelzellverhornung in Form von "corps ronds" (im Stratum spinosum) und "grains" (im Stratum corneum)
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch sollte an das seborrhoische Ekzem, den Morbus Hailey-Hailey, an striäre und verruköse Nävi sowie an Warzen gedacht werden.
Therapie
Für die kurzfristige Anwendung im Schub werden externe Kortikosteroide genutzt, bei bakterieller Superinfektion zusätzlich Antibiotika und antiseptische Bäder. Bei schweren Verläufen sind systemische aromatische Retinoide (z.B. Acitretin) Mittel der Wahl. Ergänzend kommen Dermabrasionen zum Einsatz.
Prognose
Der Morbus Darier verläuft chronisch und lebenslang mit schubförmigen Exazerbationen. Eine vollständige Remission tritt in der Regel nicht ein. Die Lebensqualität ist durch Juckreiz, Schmerzen, Körpergeruch und die Sichtbarkeit der Läsionen häufig deutlich eingeschränkt.
Literatur
- Rogner et al., Morbus Darier und Morbus Hailey-Hailey: Stand 2021, J Dtsch Dermatol Ges, 2021
- Sakuntabhai et al., Mutations in ATP2A2, encoding a Ca2+ pump, cause Darier disease, Nat Genet, 1999
- Nellen et al., Mendelian Disorders of Cornification Caused by Defects in Intracellular Calcium Pumps: ATP2A2 and ATP2C1, Hum Mutat, 2017
- Darier Disease, StatPearls, abgerufen am 27.07.2026