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Eponym

1 Definition

Ein Eponym ist, vereinfacht gesagt, eine Begriffsbildung, die auf einen Eigennamen zurückgeht. Meistens handelt es sich um Substantive, gelegentlich werden auch Verben als Eponyme gebildet.

2 Hintergrund

Eponyme sind in der medizinischen Fachsprache ebenso wie in der medizinischen Alltagssprache ubiquitär verbreitet. Häufig werden Krankheiten nach ihrem Entdecker oder einem Mediziner, der wesentlich zu ihrer Erforschung beigetragen hat, benannt. In Deutschland ist es üblich, dies als Morbus zu bezeichnen, z.B. Morbus Basedow, allerdings ist auch die Variante "Basedow'sche Krankheit" verbreitet. Wenn es sich mehr um einen Symptomenkatalog als um ein pathophysiologisch verstandenes Krankheitsbild handelt, wird auch gern das Syndrom verwendet.

Weitere Namensgeber können der Indexpatient, die Stadt der Erstbeschreibung oder eine andere geografische Marke sein. So wurde das Ebolafieber nach einem Fluss in Afrika benannt, die Merseburger Trias nach der deutschen Stadt Merseburg und der Morbus Bornholm nach der dänischen Ostseeinsel.

Eponyme sind beliebt, da sie einprägsam und meistens auch eindeutig sind. Allerdings gibt es auch mehrdeutige Eponyme und uneinheitliche Benennungen. Der Morbus Basedow heißt im angelsächsischen Sprachraum beispielsweise "Graves Disease". Im deutschsprachigen Raum ist Wilhelm Konrad Röntgen der Namensgeber der Röntgendiagnostik, im größten Teil der Welt werden seine Strahlen aber so genannt, wie der Entdecker selbst es getan hat, nämlich "X-Strahlen" (X-Ray). Die Amyotrophische Lateralsklerose wird auch als Charcot-Krankheit (nach dem französischen Neurologen Jean-Martin Charcot) oder als Lou-Gehrig-Syndrom (nach einem prominenten Patienten, einem amerikanischen Baseball-Spieler) bezeichnet. Der britische Chirurg Sir James Paget war der Namensgeber einer ganzen Reihe von Krankheiten, der Morbus Paget ist nur eine (bzw. zwei) davon.

3 Beispiele

  • Für Medizinische Gerätschaften werden gern Eigennamen verwendet, um sie eindeutig zu charakterisieren, zum Beispiel der Tiemann-Katheter oder der Guedel-Tubus.
  • Mutationen von Gerinnungsfaktoren werden nach der Stadt der Entdeckung benannt. Bekanntestes Beispiel ist der Faktor V Leiden. Hier gibt es aber konkurrierende Entwicklungen, die eine systematische Nomenklatur bevorzugen. In diesem Beispiel wäre das Faktor V G1691A bzw. Faktor V F506Q.
  • Einige Blutgruppensysteme wurden nach Patienten benannt, bei denen diese Eigenschaft zuerst beschrieben wurden, unter anderem die Blutgruppen Kell, Duffy und Kidd.
  • Eines der am meisten verwendeten Eponyme überhaupt, der Quick oder Quick-Wert, geht zurück auf den amerikanischen Arzt Armand J. Quick - und nicht darauf, dass dieser Test etwa besonders schnell gehen würde.

4 Historische Wandlung

Nachdem bis in die 1970er Jahre vorwiegend Eponyme für medizinische Bezeichnungen gebraucht wurden, geht heutzutage der Trend eher zu beschreibenden Akronymen und Anglizismen. Dieser Wandel lässt sich vor allem mit der zunehmenden Komplexität und Internationalisierung der Medizin begründen.

Eponyme können historisch belastet sein, so dass ihre weitere Verwendung nicht mehr erwünscht ist. Dies trifft zum Beispiel für Begriffe zu, deren Namensgeber im Nationalsozialismus unter unethischen Bedingungen geforscht haben.

siehe auch: Liste bedeutender Mediziner und Ärzte, Liste der Syndrome, Liste der seltenen Krankheiten, Akronym

5 Internetlinks

whonamedit.com

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