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Neurohypophyse

(Weitergeleitet von Hypophysenhinterlappen)

Synonym: Hypophysenhinterlappen
Abkürzung: HHL
Englisch: posterior pituitary, neurohypophysis

1 Definition

Die Neurohypophyse bzw. der Hypophysenhinterlappen ist Teil der Hypophyse, in dem Axone von hypothalamischen Neuronen enden. Im Gegensatz zur Adenohypophyse, bei der es sich um eine endokrine Drüse handelt, ist die Neurohypophyse entwicklungsgeschichtlich ein Teil des Gehirns.

2 Embryologie

Die Neurohypophyse entwickelt sich aus einer Ausbuchtung des Bodens des dritten Ventrikels (Processus infundibularis). Ab dem dritten Entwicklungsmonat differenzieren sich die epithelialen Zellen in spezifische Gliazellen (Pituizyten). Parallel dazu wachsen unmyelinisierte Axone aus den Kernen des Hypothalamus ein.

3 Anatomie

Die Neurohypophyse wird unterteilt in:

Der HHL steht über den Tractus hypothalamohypophysialis mit dem Hypothalamus in Verbindung.

4 Gefäßversorgung

Im Bereich des Infundibulums befindet sich die Eminentia mediana, ein Bereich mit Kapillarschlingen, die v.a. der Arteria hypophysialis superior entspringen. Als zirkumventrikuläres Organ besitzen die Kapillaren ein fenestriertes Endothel, sodass hier keine Blut-Hirn-Schranke vorliegt. Aus diesem ersten Kapillarnetz fließt das Blut über Portalvenen zu Kapillaren der Adenohypophyse. Dieses hypophysäre Portalgefäßsystem bildet die Grundlage für die funktionelle Verknüpfung von Hypothalamus und Adenohypophyse.

Die Pars nervosa der Neurohypophyse wird überwiegend aus der Arteria hypophysialis inferior und einzelnen Ästen der Arteria hypophysialis superior versorgt. Sie bilden ebenfalls einen dichten Kapillarplexus mit fenestriertem Endothel ohne Blut-Hirn-Schranke.

5 Histologie

Die Neurohypophyse besteht zu über 70 % aus unmyelinisierten Axonen mit Perikarya im Hypothalamus. Neben Axonen, die zur Adenohypophyse verlaufen, finden sich hier Axone magnozellulärer Neurone des Nucleus supraopticus und des Nucleus paraventricularis, die zum Lobus nervosus ziehen (magnozelluläres neuroendokrines System).

Außerdem kommen in der Neurohypophyse spezielle Gliazellen (Pituizyten) vor, die ca. 25 % des Volumens des Lobus nervosus ausmachen. Sie enthalten oft Lipidtröpfchen und zeichnen sich durch Pigmentgranula und dicht gepackte Intermediärfilamente aus. Ihre Fortsätze bilden ein Netzwerk und ein Grundgerüst für die Axone. Zudem stehen sie über Gap junctions in Verbindung.

Der Lobus nervosus weist ebenso wie die Eminentia mediana viele sinusoidale Kapillaren mit fenestriertem Endothel auf.

Die magnozellulären hypothalamischen Neurone bilden Oxytocin und ADH. Sie werden als Prohormon synthetisiert, aus dem außerdem ein weiteres Peptid hergestellt wird, das Neurophysin I bzw. II. Die Hormone werden an ihre Neurophysine gebunden in sekretorische Vesikel verpackt und über einen axonalen Transport in den Lobus nervosus befördert. Größere Ansammlungen der Hormongranula lassen sich als sog. Herring-Körper nachweisen. Als Antwort auf neuronale Erregungen kommt es zur proteolytischen Abspaltung des Hormons vom Neurophysin, wobei die Pituizyten hierbei eine wichtige Rolle spielen. Anschließend werden die Hormone über die fenestrierten Endothelzellen in die Blutbahn sezerniert (Neurosekretion).

In den Axonen kommen zudem diverse Neurotransmitter und Neuropeptide vor, z.B. Galanin, Dynorphin, Enkephaline und Katecholamine.

6 Physiologie

Diese Hormone werden nicht in der Neurohypophyse selbst produziert sondern dort nur freigesetzt. Zu den Hormonen der Neurohypophyse zählen:

Die Aktivität der magnozellulären neuroendokrinen Neurone des Hypothalamus wird durch humorale und neuronale Informationen gesteuert:

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Oktober 2020 um 14:39 Uhr bearbeitet.

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