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Reaktive Arthritis

(Weitergeleitet von Postinfektiöse Arthritis)

Synonyme: Postinfektiöse Arthritis, chronische reaktive Arthritis
Englisch: reactive arthritis, chronic reactive arthritis, CRA

1 Definition

Als reaktive Arthritis, kurz ReA, bezeichnet man eine akute Entzündung eines oder mehrerer Gelenke, die vermutlich als immunologische Kreuzreaktion infolge einer bakteriellen Infektion eines anderen Organsystems (Urogenitaltrakt, Gastrointestinaltrakt) auftritt.

siehe auch: seronegative Spondylarthritis

2 Epidemiologie

Die Prävalenz der reaktiven Arthritis beträgt etwa 40 pro 100.000 Einwohner. Männer sind fünf- bis sechsmal häufger betroffen als Frauen. Das mediane Erkrankungsalter beträgt 26 Jahre.

3 Ätiologie

Das Auftreten einer reaktiven Arthritis wird durch eine genetische Prädisposition begünstigt. In der kaukasischen Bevölkerung sind ca. 60-80 % aller Betroffenen HLA-B27-positiv. Darüber hinaus geht der Arthritis meist ein auslösender bakterieller Infekt voraus, der jedoch subklinisch verlaufen kann und daher häufig vom Patienten nicht bemerkt wird. Oft handelt es sich dabei um eine Urethritis, Zervizitis oder eine Enteritis. Erreger sind u.a.:

Entsprechend differenziert man:

  • postenteritische reaktive Arthritis
  • posturethritische reaktive Arthritis

Wird die posturethritische reaktive Arthritis sexuell übertragen, spricht man auch von einer "sexually acquired reactive arthritis", kurz SARA. Die reaktive Arthritis ist indirekt mit einer HIV-Infektion assoziiert.

4 Pathogenese

Die Pathogenese der reaktiven Arthritis ist zur Zeit (2021) noch nicht eindeutig geklärt. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um eine Autoimmunreaktion. Bei Chlamydien kommt es beispielsweise postinfektiös zu einer intrazellulären Persistenz inaktiver Erreger, die bei einer genetischen Prädisposition eine reaktive Arthritis auslösen kann.

Bei der reaktiven Arthritis handelt es sich um eine aseptische Arthritis, d.h. die bakteriellen Erreger lassen sich nicht aus der Synovialis oder Synovia anzüchten.

5 Klinik

Etwa 1-6 Wochen nach dem Infekt treten die ersten Symptome der reaktiven Arthritis auf. Patienten klagen meist über Allgemeinsymptome wie Fieber und Gewichtsverlust. Weiterhin zeigt sich eine i.d.R. asymmetrische, z.T. wandernde Oligo- oder Polyarthritis, die am häufigsten folgende Lokalisationen betrifft:

Die Arthritis führt zu folgenden Beschwerden:

Weitere extraartikuläre Symptome sind:

Das klassische Vollbild, bestehend aus der Reiter-Trias bzw. -Tetrade (Arthritis, Urethritis, Konjunktivitis/Iritis, Reiter-Dermatose), wird auch als Reiter-Syndrom bezeichnet. Es findet sich bei weniger als 33 % der Patienten. Der Terminus Reiter-Syndrom sollte aufgrund des namensgebenden Arztes Hans Reiter, der als Präsident des Reichsgesundheitsamts während der NS-Zeit nationalsozialistische Ideologien wie die Rassenhygiene und die Euthanasie von körperlich und geistig behinderten Menschen unterstützte, nicht mehr verwendet werden.

6 Diagnostik

Bei anamnestischen oder persistierenden Symptomen sollte generell bei jeder undifferenzierten Arthritis ein direkter Erregernachweis angestrebt werden. Da bei der reaktiven Arthritis eine zeitliche Latenz zwischen der Primärinfektion und dem Auftreten der Symptome liegt, ist der direkte Erregernachweis häufig nicht mehr möglich. In diesem Falle wird ein indirekter serologischer Nachweis von Erregerantikörpern durchgeführt.

Zur Diagnosestellung führt schließlich die Kombination aus typischer Anamnese (vorausgegangener enteritischer oder urethritischer Infekt), charakteristischer Klinik, passenden Laborbefunden (HLA-B27, Infektnachweis) und Zeichen in der Bildgebung.

6.1 Labormedizin

Da reaktive Arthritiden meist mit einer Latenzzeit zum auslösenden Infekt auftreten, ist der Erregerdirektnachweis nur in Einzelfällen erfolgreich und sinnvoll, daher sollte primär eine serologische Abklärung stattfinden.

Für den direkten Erregernachweis werden eine Stuhlprobe, ein Urethraabstrich oder Punktate benötigt. Für die serologische Diagnostik braucht man 4 ml Serum.

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die serologische Diagnostik bei reaktiver Arthritis:

Klinik Diagnostik
Postinfektiöse (reaktive) Arthritis nach Enteritis
nach Urogenital-Infektion
nach Zeckenbiss
Viren

6.2 Bildgebung

Initial wird eine Röntgenuntersuchung der betroffenen Gelenke durchgeführt. Frühzeichen können in der Magnetresonanztomographie (MRT) entdeckt werden. Entscheidende diagnostische Hinweise sind:

siehe Hauptartikel: reaktive Arthritis (Radiologie)

7 Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch sollten andere Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (z.B. eine rheumatoide Arthritis) ausgeschlossen werden.

Radiologisch zeigt die reaktive Arthritis eine große Ähnlichkeit zur Psoriasisarthritis. Weitere Differenzialdiagnosen sind neben der rheumatoiden Arthritis die Spondylitis ankylosans und die enteropathische Arthritis.

8 Therapie

Die Behandlung der reaktiven Arthritis richtet sich nach dem Grad der Ausprägung und dem Verlauf. Sind die auslösenden Erreger noch nachweisbar, sollte primär eine erregergerechte Infektsanierung erfolgen, ggf. mit Partnersanierung. Bei florider Infektion besteht diese aus einer Antibiotikatherapie.

Ansonsten ist die Therapie der reaktiven Arthritis rein symptomatisch. Sie umfasst u.a.:

9 Prognose

Die Mehrzahl aller Fälle (etwa 80 %) heilt nach 12 Monaten aus. Patienten mit wenigen Symptomen zeigen günstigere Verläufe als Patienten mit Reiter-Syndrom.

10 Merkspruch

Die klassische symptomatische Triade der reaktiven Arthritis (bestehend aus: Konjunktivitis, Urethritis und Arthritis) lässt sich durch den folgenden Merkspruch besser verinnerlichen:

"Can't see, can't pee, can't climb a tree."

11 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 29. Oktober 2021 um 13:58 Uhr bearbeitet.

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