Campylobacter jejuni
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LoslegenSynonym: Vibrio jejuni (historisch)
Englisch: Campylobacter jejuni
Definition
Campylobacter jejuni ist ein pathogenes, gramnegatives Bakterium der Gattung Campylobacter aus dem Phylum Campylobacterota. Es ist weltweit einer der häufigsten bakteriellen Erreger von Durchfallerkrankungen des Menschen.[1]
Taxonomie
- Domäne: Bacteria
- Reich: Pseudomonadati
- Phylum: Campylobacterota
- Klasse: Campylobacteria
- Ordnung: Campylobacterales
- Familie: Campylobacteraceae
- Gattung: Campylobacter
- Art: Campylobacter jejuni
- Gattung: Campylobacter
- Familie: Campylobacteraceae
- Ordnung: Campylobacterales
- Klasse: Campylobacteria
- Phylum: Campylobacterota
- Reich: Pseudomonadati
Morphologie
Campylobacter jejuni ist ein spiralig gewundenes, gramnegatives Bakterium mit einer Länge von 0,5–5 μm und einem Durchmesser von 0,2–0,5 μm. Die Bakterien sind durch polare Flagellen sehr beweglich. Sie wachsen optimal unter mikroaerophilen Bedingungen (5–10 % Sauerstoff) bei Temperaturen zwischen 37 und 42 °C. Die Bakterien sind empfindlich gegenüber Austrocknung, Hitze und sauren pH-Werten.
Genetik
Das Genom vieler Campylobacter-jejuni-Stämme ist vollständig sequenziert. Die DNA besteht aus mehr als 1,6 Millionen Basenpaaren, die über 1.600 verschiedene Proteine kodieren. Es enthält nur wenige Repeats und Phagen-assoziierte Sequenzen. Ein typisches Merkmal sind kurze, hochvariable Sequenzen für Oberflächenproteine, die wahrscheinlich der Immunevasion dienen.
Campylobacter jejuni kann durch DNA-Transfer von einem anderen Bakterium oder durch Aufnahme freier DNA aus Biofilmen sein Genom verändern. Das erleichtert dem Erreger die Ausbildung von Antibiotikaresistenzen.
Vorkommen
Campylobacter jejuni kommt weltweit vor und besiedelt als Kommensale den Darmtrakt zahlreicher Haus- und Nutztiere. Hauptreservoire sind Geflügel (insbesondere Hühner), Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Auch Wildtiere, Hunde und Katzen können den Erreger beherbergen. Die Tiere zeigen meist keine Krankheitssymptome. In der Umwelt kann der Erreger in Oberflächengewässern überleben, vermehrt sich dort aber nicht.
Infektionswege
Die Infektion erfolgt über die orale Aufnahme der Erreger mit Nahrungsmitteln oder durch fäkal-orale Schmierinfektion. Typische Infektionsquellen sind:
- kontaminierte Lebensmittel, insbesondere nicht ausreichend erhitztes Geflügelfleisch und nicht pasteurisierte Kuhmilch (Rohmilch)
- verunreinigtes Trink- und Oberflächenwasser
- Haus- und Nutztiere sowie deren Ausscheidungen
Der Erreger wird im Mittel 2–4 Wochen nach Abklingen einer Campylobacter-Enteritis über den Stuhl ausgeschieden, in Einzelfällen auch länger.
Klinik
Durch seine Spiralform und seine ausgeprägte Beweglichkeit durchdringt Campylobacter jejuni das Darmepithel und breitet sich subepithelial aus. Als wichtigster Virulenzfaktor gilt das Cytolethal Distending Toxin (CDT), ein aus den drei Untereinheiten CdtA, CdtB und CdtC aufgebautes Genotoxin. Die Untereinheit CdtB besitzt eine DNase-Aktivität, die zu DNA-Doppelstrangbrüchen, einem Zellzyklusarrest in der G2/M-Phase und schließlich zur Apoptose der Wirtszelle führt.[2] Die Infektion löst eine lokale entzündliche Immunantwort aus. Typische Krankheitsbilder sind:
Komplikationen
Bei immunsupprimierten sowie sehr jungen oder alten Patienten kann es zu generalisierten Verläufen mit Peritonitis, Meningitis und Sepsis kommen. Weitere mögliche Komplikationen sind:
Diagnostik
Direkter Erregernachweis
Die Diagnose einer akuten Infektion mit Campylobacter jejuni lässt sich durch die bakteriologische Untersuchung einer frischen Stuhlprobe sichern. Die Stuhlprobe sollte im Akutstadium gewonnen und zeitnah ins Labor gebracht werden, da die Erreger empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen sind.
Ein schneller diagnostischer Nachweis ist mittels ELISA (Antigene) oder PCR (DNA) aus dem Stuhl möglich.
Die Sicherung der Diagnose erfolgt in der Regel durch Anzucht auf einem Selektivnährmedium unter mikroaerophilen Bedingungen bei 37 bis 42 °C für mindestens 48 Stunden (z.B. CCD-Agar). Zusätzlich kann ggf. eine Antibiotikaresistenzbestimmung vorgenommen werden.
Indirekter Erregernachweis
Im Rahmen von Folgeerkrankungen (z.B. reaktive Arthritis) kann eine serologische Diagnostik mittels ELISA oder Komplementbindungsreaktion erfolgen. Die Serologie ist kein Routineverfahren. Die verwendeten Titer-Grenzwerte sind methoden- und laborabhängig und daher zurückhaltend zu interpretieren. Ein signifikanter Titeranstieg in einer Verlaufskontrolle (nach ca. 14 Tagen) spricht für eine akute Infektion. Die Antikörper persistieren nach durchgemachter Infektion oft nur kurz.
Therapie
In der Regel verlaufen Campylobacter-jejuni-Infektionen selbstlimitierend und benötigen keine antiinfektive Therapie. Im Vordergrund stehen Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. Eine antibiotische Therapie soll nur bei schwerem Verlauf oder bei Risikofaktoren (höheres Alter, relevante Immunsuppression, Schwangerschaft, schwere Grunderkrankungen) erfolgen. Mittel der Wahl ist das Makrolid Azithromycin (z.B. 500 mg/Tag p.o. über 3 Tage bei Erwachsenen).[1] Erythromycin wird wegen des Nebenwirkungsprofils nicht mehr bevorzugt.
Aufgrund weltweit hoher und zunehmender Resistenzraten gegenüber Fluorchinolonen (z.B. Ciprofloxacin) sollten diese nicht mehr empirisch eingesetzt werden. Ein Einsatz ist nur nach Resistenztestung und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Prävention
Die beste Prävention von Infektionen mit Campylobacter jejuni ist der hygienische Umgang mit potenziell kontaminierten Lebensmitteln und deren richtige Zubereitung.
- Durchgaren von Geflügelfleisch vor dem Verzehr (Temperatur im Fleischinneren > 75 °C)
- Händewaschen vor und nach der Zubereitung des Lebensmittels
- Messer- und Schneidebrettwechsel bzw. gründliche Reinigung unter heißem Wasser
Meldepflicht
Der direkte oder indirekte Nachweis von darmpathogenen Campylobacter spp. ist gemäß § 7 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) durch das nachweisende Labor namentlich an das Gesundheitsamt zu melden, sofern er auf eine akute Infektion hinweist. Zusätzlich besteht gemäß § 6 IfSG eine ärztliche Meldepflicht bei Verdacht auf bzw. Erkrankung an einer akuten infektiösen Gastroenteritis, wenn die betroffene Person eine Tätigkeit im Lebensmittelbereich ausübt oder wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen mit wahrscheinlichem epidemischen Zusammenhang auftreten.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Campylobacter-Enteritis. Abgerufen 2026.
- ↑ Lai et al., Molecular mechanisms and potential clinical applications of Campylobacter jejuni cytolethal distending toxin, Front Cell Infect Microbiol, 2016