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Schädel-Hirn-Trauma

(Weitergeleitet von Schädeltrauma)

Synonyme: Schädel-Hirn-Verletzung, SHT
Englisch: concussion

1 Definition

Unter einem Schädel-Hirn-Trauma versteht man Verletzungen des Schädels mit Beteiligung des Gehirns.

2 Ätiologie

Schädel-Hirn-Traumen entstehen durch Gewalteinwirkungen auf den Schädel und sind eine häufige Verletzung bei Stürzen und Unfällen. Bei Verletzungen der Kopfregion kann man zwei verschiedene Ursachen der Schädigung unterscheiden:

  1. Direkte Schädigung der Hirnstrukturen durch die Gewalteinwirkung. Wird dabei die Hirnhaut verletzt, spricht man von einer offenen Schädel-Hirnverletzung.
  2. Indirekte Schädigung des Hirns als Folge von Gewalteinwirkungen. Damit sind Blutungen (subdural, epidural, intrazerebral) sowie Ödeme gemeint.

Eine direkte Schädel-Hirn-Verletzung bzw. offenes Schädel-Hirn-Trauma ist meist irreversibel und kann häufig auch nicht mehr durch notfallmedizinische Maßnahmen behoben werden. Eine indirekte Schädel-Hirn-Verletzung lässt sich häufig in ihrem Ausmaß vermindern bzw. z.T. auch ganz verhindern, wenn entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

3 Einteilung

Beim Schädel-Hirn-Trauma kann man unterscheiden:

  • gedecktes SHT
  • offenes SHT (Perforation von Kopfhaut, Schädelknochen und Dura mater)

Die Ausprägung eines Schädel-Hirn-Traumas wird nach der Glasgow Coma Scale (GCS) beurteilt. Anhand des erzielten Punktwertes lässt sich das SHT in verschiedene Schweregrade unterteilen.

3.1 Initialsyndrom

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma kann es direkt nach der Verletzung zu einem sogenannten Initialsyndrom kommen. Charakteristika hierfür sind:

Das Initialsyndrom hält meist für nur wenige Sekunden bis Minuten an. Es erlaubt anhand seiner Ausprägung keine Rückschlüsse auf die Schwere des SHT.

3.2 SHT 1. Grades

Ein Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades liegt bei einem GCS-Score von 13-15 Punkten vor. Hier wird klinisch häufig das Synonym "Gehirnerschütterung" (Commotio cerebri) verwendet. Bei einem SHT 1. Grades ist keine dauerhafte Schädigung der Hirnstrukturen nachweisbar. Oft erfolgt die stationäre Aufnahme zur Abklärung von HWS- oder Gesichtsschädelfrakturen und zur Beobachtung wegen möglicher Enstehung einer intrakraniellen Blutung. Zu den Symptomen zählen:

3.3 SHT 2. Grades

Ein Schädel-Hirn-Trauma 2. Grades liegt bei einem GCS-Score von 9-12 Punkten vor. Man spricht auch von "Gehirnprellung" (Contusio cerebri). Es besteht eine offene oder gedeckte Schädigung der Hirnsubstanz, die häufig durch Beschleunigungs- oder Verzögerungseffekte entstanden ist. Aufgrund der Massenträgheit kann auch auf der Gegenseite der Gewalteinwirkung eine Schädigung eintreten (Contre-Coup-Verletzung). Die Symptome entsprechen der SHT 1. Grades. Allerdings dauert die primäre Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an.

3.4 SHT 3.Grades

Ein Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades liegt bei einem GCS-Score von 3-8 Punkten vor. Dieser Zustand wird auch als "Gehirnquetschung" (Compressio cerebri) bezeichnet. Das SHT 3. Grades wird durch intrakranielle Drucksteigerungen (Hirnödem oder Hirnblutung) oder direkte Verletzungen hervorgerufen. Die Symptome entsprechen denen der SHT 1. und 2. Grades, allerdings hält die primäre Bewusstlosigkeit Tage oder Wochen an.

4 Komplikationen

Das zerebrale Einklemmungssyndrom (zerebrale Herniation) ist eine schwerwiegende Komplikation des SHT. Es wird durch die intrakranielle Drucksteigerung ausgelöst und geht mit schwersten neurologischen Symptomen einher. Ein drohendes Einklemmungsysndrom macht sich u.a. durch Beuge- und Strecksynergismen bemerkbar.

5 Therapie

5.1 Sofortmaßnahmen

Der Patient wird bei entsprechender Indikation vollimmobilisiert. Das SHT gilt als relative Kontraindikation für Zervikalstützen, da durch sie der intrakranielle Druck (ICP) erhöht werden kann. Eine alternative Immobilisierungsmethode ist die Fixierung des Patienten in einer Vakuummatratze.

Der Patient sollte bereits präklinisch (sofern kein Schock vorliegt) in 30° Oberkörperhochlage gelagert werden, um den ICP zu senken. Ist der Patient vollimmobilisiert (z.B. mit Spineboard und Headblocks), muss das Spineboard um 30° nach unten gekippt werden, um den Kopf zum höchsten Punkt des Körpers zu machen, ohne die Immobilisation aufzuheben. Ziel ist ein zerebraler Perfusionsdruck (CPP) von weniger als 70 mmHg und ein mittlerer arterieller Blutdruck (MAP) von < 90 mmHg. Ist der systolische Blutdruck < 100 mmHg, wird der Patient zur Verbesserung der Hirnperfusion flach gelagert. Bei Bewusstlosigkeit ist eine stabile Seitenlage bzw. eine Narkose und Intubation notwendig.

Kommt es im Rahmen des Transports zu einer Einklemmungssyndrom, ist dies die einzige Indikation im Rahmen des SHT für eine milde Hyperventilation, um den ICP durch Abatmung von CO2 zu senken. Die Hyperventilation darf nicht zu aggressiv durchgeführt werden, da sie durch Vasokonstriktion zwar den ICP senkt, gleichzeitig aber die akute Ischämie des Hirngewebes intensiviert.

Die Akutgabe von Glukokortikoiden wird nicht mehr empfohlen. Grund ist die erhöhte Stoffwechselleistung des Körpers und der damit verbundenen Sauerstoffverbrauch an der "falschen" Stelle.

5.2 Stationäre Behandlung

Die stationäre Weiterbehandlung erfolgt in einer neurochirurgischen oder neurologischen Intensivstation unter kontinuierlicher Überwachung von Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Temperatur und Hirndruck mittels einer Hirndrucksonde. Oft sind eine Liquordrainage und ein arterieller Blutdruckkatheter erforderlich.

6 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 30. März 2021 um 11:15 Uhr bearbeitet.

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