Vakuummatratze
Definition
Eine Vakuummatratze ist ein immobilisierendes Lagerungssystem, das im Rettungsdienst und in der Notfallmedizin zur achsengerechten Ruhigstellung von Patienten eingesetzt wird.
Hintergrund
Die Immobilisation verletzter Patienten dient dem Schutz vor sekundären Schäden, insbesondere bei Verdacht auf Wirbelsäulen-, Becken- oder Mehrfachverletzungen. Starre Systeme wie Spineboards ermöglichen eine schnelle Rettung, sind jedoch mit Nachteilen wie Druckspitzen, eingeschränktem Komfort und potenzieller Atembeeinträchtigung verbunden.
Aufbau
Vakuummatratzen bestehen aus einer luftdichten Hülle mit formbaren Füllkörpern, meist Polystyrolkügelchen. Durch das Absaugen der Luft passt sich die Matratze der Körperform an und verhärtet anschließend, wodurch eine stabile, großflächige Immobilisation erreicht wird. Sie erlaubt eine individuelle Anpassung an Anatomie und Verletzungsmuster und wird insbesondere für den Transport eingesetzt, weniger für zeitkritische Rettungen aus Gefahrenbereichen. Leitlinien betonen zunehmend eine differenzierte, indikationsgerechte Immobilisation statt routinemäßiger Vollimmobilisierung.
Moderne Vakuummatratzen verfügen über speziell verstärkte Kopf- und HWS-Bereiche mit segmentierten Kammern, die eine suffiziente Stabilisierung des Kopf-Hals-Bereichs ermöglichen. Dadurch kann in geeigneten Fällen eine vollständige Immobilisation allein durch die Vakuummatratze erreicht werden, ohne zusätzliche HWS-Orthese. Bei älteren Modellen ohne integrierte Kopfstabilisierung kann die Immobilisation des Kopfes ergänzend durch Headblocks, etwa von Schaufeltrage oder Spineboard, erfolgen. Dieses Vorgehen ist insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen kritischen Diskussion über die potenziellen Nachteile einer routinemäßigen Anlage einer HWS-Orthese von Bedeutung.[1][2][3]
Indikationen
Mögliche Einsatzgebiete sind z.B.:
- Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung bei relevanter Traumamechanik oder neurologischen Auffälligkeiten
- Polytrauma mit Notwendigkeit achsengerechter Immobilisation für den Transport
- Beckenverletzungen oder Verdacht auf instabile Beckenfraktur
- instabile oder schmerzhafte Frakturen der Extremitäten mit Bedarf an Ganzkörperlagerung (z.B. Schenkelhalsfraktur)
- Patienten mit ausgeprägten Schmerzen, bei denen eine individuelle Lagerung erforderlich ist
- längere Transportzeiten, insbesondere bei Interhospitaltransporten
- geriatrische, pädiatrische oder adipöse Patienten, bei denen starre Systeme unzureichend anpassbar sind
Vorgehen
Offene Wunden werden zunächst aseptisch versorgt und steril abgedeckt. Anschließend erfolgt eine schonende Umlagerung des Patienten, in der Regel mithilfe einer Schaufeltrage. Danach wird die Vakuummatratze an die Körperkonturen des Patienten angeformt und die Luft mittels Absaugpumpe abgesaugt. Nach Erreichen einer ausreichenden Festigkeit wird der Absaugschlauch vom Ventil entfernt und die Gurte auf einen korrekten und festen Sitz überprüft.
Vorteile
Vorteile des Systems sind u.a.:
- individuelle Formanpassung an Körperkontur und Verletzungsmuster
- gleichmäßige Druckverteilung mit Reduktion von Druckschmerzen und Dekubitusrisiko
- hoher Patientenkomfort im Vergleich zu Spineboard oder Schaufeltrage
- gute Lagerungsstabilität bei achsengerechter Immobilisation
- geeignet für längere Transportdauer
- geringeres Risiko atemmechanischer Einschränkungen als bei starren Rettungsmitteln
Nachteile
- Zeitaufwendigere Anlage im Vergleich zum Spineboard
- Nur eingeschränkt geeignet für zeitkritische Rettung aus Gefahrenbereichen
- Erhöhter Personalbedarf bei Anlage und Umlagerung
- Stabilitätsverlust möglich bei Undichtigkeiten oder unzureichender Evakuierung
- Eingeschränkte Handhabung in engen räumlichen Verhältnissen
- Regelmäßige Kontrolle während des Transports erforderlich
Literatur
- Flake et. al., Arbeitstechniken im Rettungsdienst, Elsevier-Verlag 2023, abgerufen am 10.01.2026
Quelle
- ↑ PinUpDocs: Der Tod der HWS-Orthese – Guidelines Incoming, abgerufen am 10.01.2026
- ↑ Foamina: HWS-Immobilisation – friend or foe?, abgerufen am 10.01.2026
- ↑ DasFoam: Neues zur Wirbelsäulen-Immobilisation, abgerufen am 10.01.2026