Unfallmechanismus
Definition
Der Unfallmechanismus beschreibt die Art und Weise, mit der physikalische Kräfte bei einem Unfall auf den menschlichen Körper einwirken und zu Verletzungen führen. Er umfasst die Ursache des Unfalls, die Kraftrichtung, die Energieübertragung sowie die beteiligten Strukturen. Die Kenntnis des Unfallmechanismus ermöglicht Rückschlüsse auf mögliche Verletzungen und deren Schweregrad. Darüber hinaus erleichtert sie die Auswahl notwendiger diagnostischer Maßnahmen.
Hintergrund
Die systematische Analyse des Unfallmechanismus ist ein zentrales Konzept der Traumatologie und Notfallmedizin. Sie dient der frühen Risikostratifizierung, insbesondere wenn klinische Symptome initial noch gering ausgeprägt sind. Zahlreiche Verletzungen, etwa intraabdominelle Blutungen oder Wirbelsäulenverletzungen, können in der Frühphase klinisch inapparent sein, sind jedoch anhand des Mechanismus antizipierbar.
In der präklinischen Versorgung und im Schockraum ergänzt die Bewertung des Unfallmechanismus die klinische Untersuchung. Hohe kinetische Energien gehen typischerweise mit komplexen Verletzungsmustern einher. Internationale Trauma-Konzepte wie ATLS und PHTLS berücksichtigen den Unfallmechanismus explizit als Entscheidungshilfe für Diagnostik, Transportziel und Behandlungspriorität.
Klinische Bedeutung
- Verletzungsvorhersage: Bestimmte Mechanismen korrelieren stark mit spezifischen Verletzungen (z. B. Rippenfrakturen und Thoraxtrauma bei Seitenaufprall, Schlüsselbein- und Schulterverletzungen bei Sturz auf die Schulter).
- Priorisierung der Diagnostik: Der Unfallmechanismus hilft, bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, FAST-Ultraschall) gezielt einzusetzen und die Reihenfolge der Untersuchung zu planen.
- Therapieplanung: Die Entscheidung über Volumentherapie, Operation, Monitoring und Transportpriorität kann schneller getroffen werden.
- Risikomanagement: Hochrisikoereignisse (z. B. Sturz >3 m, Hochgeschwindigkeitsunfälle) werden sofort als potenziell lebensbedrohlich eingestuft.
Verletzungsmuster
| Unfallmechanismus | Häufige Verletzung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sturz aus Höhe | Becken, Wirbelsäule, Schädel-Hirn-Trauma | Körperhaltung entscheidend für Verletzungsart |
| Frontalkollision PKW | Thorax, Abdomen, Kopf, Extremitäten | Airbag reduziert Kopfverletzungen |
| Seitenaufprall PKW | Rippen, Thorax, Becken, Kopf | Seitenairbag relevant |
| Stich- und Schusswunde | Organverletzungen, Blutungen, Nervenschäden | Eintritts- und Austrittswunde beachten |
| Explosion | Lunge, Mittelohr, Schädel, Extremitäten | Primär, sekundär und tertiär unterscheiden |
Literatur
- NAEMT: Präklinisches Traumamanagement (PHTLS-Kursbuch), Elsevier-Verlag, abgerufen am 06.01.2026
- J. Campbell: Präklinische Traumatologie (ITLS-Kursbuch), Pearson-Verlag, abgerufen am 06.01.2026
- Dietz-Wittstoch et. al., Versorgung von Schwerverletzten im Schockraum, Springer-Verlag 2025, abgerufen am 06.01.2026